Felssturz in Stein: Sophie und ihr Vater starben in den Trümmern

Stein a.d. Traun - Familienvater Peter B. (45) und seine 18-jährige Tochter Sophie sind in Stein im oberbayerischen Landkreis Traunstein ums Leben gekommen, als ein gewaltiger Felsbrocken auf ihr Haus stürzte.

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Sie wissen nicht, ob sie trauern oder ob sie sich freuen sollen. Zwar haben die Helfer nach stundenlangem Graben mit bloßen Händen Mutter und Sohn der vierköpfigen Familie aus dem oberbayerischen Stein a. d. Traun retten können, doch müssen sie Vater und Tochter tot aus den Trümmern des eingestürzten Hauses holen. “Die beiden Opfer waren vermutlich sofort tot“, sagt Polizeisprecher Franz Sommerauer am Dienstag, “für sie kam leider jede Hilfe zu spät.“

"Wir haben einen Freund verloren"

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Felsbrocken begräbt Haus unter sich

Ein Freund von Peter B. (45) ist geschockt: "Ich musste es mit eigenen Augen sehen, sonst hätte ich es nicht geglaubt", sagte Peter Kurz gegenüber chiemgau24.de. "Ich kannte sie alle, die Tochter Sophie, Uschi, die Mutter, Leon, den Sohn", sagt der Vorsitzende des Kreisverbands der Linken. Peter Kurz über Peter B.: "Er war ein besonnener, zuverlässiger, freundlicher und humorvoller Mann. Wir haben einen wirklich guten Freund verloren." Dienstagfrüh, nachdem Peter Kurz von der Tragödie gehört hatte, war er zum Wohnhaus der Familie B. gefahren. "Ich hätte es sonst nicht geglaubt, wie schlimm es ist."

Bilder vom Tag danach

Felssturz in Stein: Bilder vom Tag danach

Bilder vom Unglücksort

Felsbrocken-Drama bei Traunstein 

Sophie (18): Sie verlor unter den Trümmern des Hauses ihr Leben.

Der Sturz eines gigantischen Felsens auf ein rund hundert Jahre altes Wohnhaus hat am Montagabend unsagbares Leid über die Familie gebracht. Die 40 Jahre alte Mutter und ihr 16-jähriger Sohn liegen mit schwersten Verletzungen am ganzen Körper - Brüche und Quetschungen - im Traunsteiner Klinikum. Dort müssen sie nicht nur höllische körperliche Qualen ertragen, sondern auch den seelischen Schmerz über den Tod ihrer Liebsten verarbeiten.

Das Unfassbare geschieht gegen 19.45 Uhr. Nachbarin Rita Kimmeringer schildert, wie sie vor dem Fernseher saß. “Plötzlich hörte ich ein Geräusch, wie wenn große Steine aneinander gerieben werden. Aber ich dachte mir nichts dabei.“ Erst als immer mehr Rettungswagen vorfahren, “schaute ich doch auf die Straße und sah eine riesige Staubwolke“. Der Braumeister der unmittelbar danebenliegenden Schlossbrauerei hatte inzwischen die Rettungskräfte alarmiert.

Brocken groß wie ein Omnibus

Der abbrechende bewaldete Fels, an den das zweistöckige Haus direkt angebaut war, hat sekundenschnell alle Mauern, Dach und Zwischendecke zermalmt. Die Familie, die sich zu diesem Zeitpunkt in einem Raum aufhielt, hat keinerlei Chance, sich noch in Sicherheit zu bringen. Sie wird unter dem Bauschutt - mehr haben die zusammen über tausend Tonnen schweren Brocken nicht übrig gelassen - eingeschlossen.

Schon bald nach dem Felssturz sind die ersten Rettungsteams am Ort. Sie stehen vor einem Trümmerhaufen. Als der Unglücksort von Scheinwerfern taghell ausgeleuchtet ist, sehen sie mehrere riesige Gesteinsbrocken aus den Trümmern ragen. Der Größte hat das Ausmaß eines Omnibusses. Nach Schätzung des Geologen Andreas von Poschinger vom Landesamt für Umwelt wiegt allein einer der bis zu 200.000 Jahre alten kleineren Brocken an die 250 Tonnen.

Retter graben mit bloßen Händen

Mit bloßen Händen graben sich die Helfer zu einem Hohlraum inmitten des Schutthaufens vor, in dem sie die Familie vermuten. Nach zwei Stunden hören sie Klopfgeräusche, später die Stimmen von zwei Menschen, wie Polizeisprecher Sommerauer schildert. Es dauert aber noch einmal eine kleine Ewigkeit bis die mittlerweile an die 250 Helfer von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Polizei, Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst Sichtkontakt zu den Opfern haben. Zuerst finden sie den beim Wohlfahrtsverband Lebenshilfe beschäftigen 45 Jahre alten Familienvater - “leider tot“, wie Feuerwehrkommandant Herbert Kusstatscher erschüttert feststellen muss. Auch für die 18- jährige Tochter kommt jede Hilfe zu spät.

Doch die Retter geben den Wettlauf gegen die Zeit nicht auf. Sie graben sich zu den beiden anderen Verschütteten vor. Ein schwerer Autokran und ein Radlader müssen unverrichteter Dinge wieder abrücken. Ihr Einsatz wäre zu gefährlich, es könnten weitere Gesteinsteile auf die Opfer stürzen. Gegen 1.30 Uhr holen die Helfer den Sohn aus den Trümmern, 45 Minuten später die Mutter. Wie durch ein Wunder haben sie überlebt und sind trotz ihrer schweren Verletzungen ansprechbar. Nach der medizinischen Erstversorgung können sie angeben, dass sich außer den vier Familienmitgliedern keine weiteren Menschen in dem Gebäude befanden.

Spekultationen über die Ursache

Als auch Rettungshunde nicht mehr anschlagen, wird die Suche eingestellt. Es hat in bitterkalter Nacht zu schneien begonnen. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist noch in der Nacht an den Unglücksort geeilt. “Es ist kaum zu fassen, dass aus diesem Trümmerfeld Menschen lebend geborgen werden konnten“, sagt er.

Über die Unglücksursache gibt es am Tag danach nur Spekulationen. Vom anhaltend kalten Wetter als möglichem Auslöser ist die Rede und davon, dass sich schon wiederholt kleine Gesteinsbrocken aus der Felswand gelöst hätten. Geologe von Poschinger will sich darauf nicht einlassen. Er hat gerade erst mit seinen Untersuchungen begonnen und rechnet mit einem längeren Zeitraum, den seine Arbeit einnehmen wird.

Nachbarin Kimmeringer musste zusammen mit ihrem Bruder und der Schwägerin die Nacht bei Verwandten verbringen, ihr ebenfalls in den Fels gebautes Haus war vorsorglich evakuiert worden. Am Dienstagmorgen durfte sie aber bereits in ihr Heim zurückkehren, nachdem der Geologe die Gefahr eines weiten Felssturzes verneint hatte. Angst, dass auch sie von einem Fels erschlagen werden könnte, verspürt die 73-Jährige nicht: “Ich wurde in den Haus schon geboren. Da geh' ich nimmer raus.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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