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Über zwei Promille hatte die elfjährige Landshuterin im Blut.

Polizei findet Elfjährige mit 2 Promille unter einer Brücke / Wodka-Partys auf Spielplatz

Die Säuferkinder von Landshut

Landshut/Marktoberdorf - Immer mehr Kinder saufen sich ins Koma: In Landshut eskaliert die Situation jetzt total!

Erst letzte Woche fand die Polizei, wie berichtet, einen elfjährigen Buben im Schnapsdelirium auf einem Radweg. Nun hat ein gleichaltriges Mädchen ebenfalls in Landshut zur Flasche gegriffen. Mit zwei Promille fiel es eine Treppe hinab.

„Da sind zwei betrunkene Mädchen an der Isar“: Das meldeten Passanten am Dienstag der Polizei. Die fand das bewusstlose Kind unter der Brücke. Es wurde in die Intensivstation des Kinderkrankenhauses eingeliefert – zusammen mit ihrer betrunkenen Freundin (14). Die zwei hatten in einem Supermarkt eine Flasche Wodka gestohlen und ausgetrunken.

Es ist nur ein Fall von vielen. In Landshut stieg die Zahl der stationären Aufnahmen im Kinderkrankenhaus wegen Alkoholmissbrauchs im Zeitraum von 2005 bis 2008 um satte 80 Prozent. „Die Zahl der Fälle explodiert“, sagte Polizeisprecher Josef Wild dem Wochenblatt Landshut.

Der Renner unter Landshuter Jugendlichen: Wodka-Partys auf Spielplätzen. Wild erinnert sich auch an einen Fall, als er eine 17-Jährige mit auf die Wache nahm, die sich aus Liebeskummer zwei Promille in die Blutbahn gepumpt hatte. Als der Vater seine Tochter abholte, sagte er: „Wir haben doch früher auch gesoffen.“

Erst kürzlich wurde der Jugendbeamte der Landshuter Polizei, Fritz Schweibold, Zeuge einer „Druckbetankung“. Auf einem Balkon feierten Kids. „Die hatten einen Gartenschlauch mit Trichter.“ Da hinein wurde das Bier geschüttet, die Kinder schluckten es in Rekordtempo. Schweibold: „Ich bin ja schon froh, dass es nur Bier war und kein Wodka.“

Das Alkoholproblem betrifft übrigens nicht nur Niederbayern. In Marktoberdorf (Ostallgäu) veranstalteten diese Woche drei 15-Jährige und ein Bub (12) eine Koma-Saufparty mit zwei Flaschen Wodka. Der Jüngste kam mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Blutwert: 1,8 Promille.

Alexander Schmid

Ärztin: „Kinder sehen den Alkohol mehr als Spiel an“

Ganze zwei Promille Alkohol hatte die Elfjährige aus Landshut intus. „Das ist sehr gefährlich“, sagt Allgemein-Medizinerin Dr. Nicola Fritz. Gerade bei Kindern wirke Alkohol sehr schnell toxisch. Zum Glück wurde die Elfjährige früh genug gefunden. Wenn nicht, hätten Bewusstlosigkeit, Atemlähmung oder sogar der Tod gedroht.

Ob das Mädchen schon öfter Alkohol getrunken habe und demnach an zwei Promille gewöhnt sei, lässt sich laut Dr. Nicola Fritz nicht sagen: „Gewohnheitstrinker vertragen manchmal bis zu fünf Promille, Kinder haben schnell zwei Promille.“

Alkohol sei für Kinder und Erwachsene Nervengift. Von Gehstörungen, Lallen und Schwanken bis hin zur Bewusstlosigkeit und Atemlähmung: Sobald Kinder (und Erwachsene) Alkohol trinken, begeben sie sich laut der Ärztin in große Gefahr. „Bei regelmäßigem Alkoholkonsum geht Gehirnsubstanz kaputt.“ Die Gefahr von einer Persönlichkeitsstörung sowie das Suchtpotenzial steige. „Kinder sehen den Alkohol mehr als Spiel“, so Fritz. Genau das sei die Gefahr. Die Mädchen und Buben hätten keinerlei Erfahrungswerte mit Alkohol und Problemen, könnten somit viel schwieriger die Folgen abschätzen.

aw

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