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Die A 8 kurz vor Rosenheim.

Naturschützer wollen Ausbau der A 8 stoppen

Rosenheim - Die Naturschützer wollen den geplanten sechsspurigen Ausbau der Autobahn München-Salzburg (A8) zwischen Rosenheim und der österreichischen Landesgrenze stoppen.

Statt des "Maximalausbaus" fordern der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) an den bestehenden vier Fahrspuren festzuhalten und die Standstreifen nur bei besonders viel Verkehr freizugeben. Die beiden Verbände legten dazu am Donnerstag in Rosenheim ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten vor.

Darin kommt der Verkehrsexperte Ditmar Hunger (Dresden) zu dem Schluss, dass vier Spuren plus in Spitzenzeiten nutzbare Standstreifen zwischen Rosenheim und Bernau a. Chiemsee ausreichen. Östlich von Bernau genügt laut der Studie "aufgrund des auch in Zukunft relativ geringen Verkehrsaufkommens" der Anbau von Standspuren. Voraussetzung dafür sei allerdings ein durchgehendes Tempolimit. "Unsere Position für eine maßvolle Lösung zur Verbesserung der A8 im Chiemgau wurde damit fachlich untermauert", sagte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner.

Die Trasse würde bei einem Maximalausbau nach Überzeugung des BN mindestens doppelt so breit wie bisher, an vielen Stellen sogar mehr als das. Neben der bestehenden Autobahn würde praktisch eine neue, etwa gleich breite Straße gebaut, so die Naturschützer. Dies habe auch für den Tourismus in der Region negative Auswirkungen. "Wir fordern die Politiker und die Autobahndirektion daher erneut dazu auf, die überzogenen Planungen noch vor der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den ersten Abschnitt grundsätzlich zu überdenken und die natur-, umwelt- und menschenverträglichere Alternative ernsthaft zu prüfen", so Mergner laut Mitteilung.

Er verlangte ein Moratorium für die Ausbaupläne. "Wenn Ministerpräsident Horst Seehofer seine Aussagen zu Natur, Landschaft, Klimaschutz und Flächenverbrauch ernst nimmt, muss er eine Neuplanung in Auftrag geben." Mergner kündigte eine Überprüfung an, ob der geplante Maximalausbau überhaupt mit den Vorgaben des Verkehrsprotokolls der völkerrechtlich verbindlichen Alpenkonvention vereinbar ist. Die Verkehrsverhältnisse ließen sich auch mit einer maßvollen Ausbaulösung ohne die immensen Eingriffe in Natur und Landschaft verbessern. "Man muss es nur wollen und nicht zwanghaft an Ausbaurichtlinien und überholten Wunschvorstellungen festhalten", sagte Ernst Böckler vom Bund Naturschutz in Rosenheim. "Runter vom Gaspedal, für die Landschaft und für die betroffenen Anwohner."

Mit Flugblättern und Unterschriftenaktionen wollen die beiden Verbände gegen das "Autobahn-Monster" zu Felde ziehen. Bei einer Demonstration aus Anlass der für kommenden Dienstag (19. Mai) in Traunstein geplanten Konferenz des bayerischen Innenministeriums zum A8-Ausbau wollen sie Minister Joachim Herrmann (CSU) ihr Gutachten übergeben.

dpa

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