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Pflegeskandal: Diakonie kündigt Konsequenzen an

Dinkelsbühl - Nach dem Pflegeskandal in einem Altersheim in Dinkelsbühl hat das Diakonische Werk Bayern am Montag weitere Konsequenzen angekündigt.

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Selbst wenn nur ein Teil der Vorwürfe zuträfe, müsse das Beschwerdemanagement im Stephanus Pflegeheim verbessert werden. Auch weitere personelle Konsequenzen schloss die Dachorganisation nach Worten von Diakonie-Präsident Ludwig Markert nicht aus. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Markert hatte am Montag kurzfristig zu einer Pressekonferenz nach Dinkelsbühl geladen. Bereits in einem ersten Schritt hatte sich der örtliche Diakonieverband als Träger des Heims von zwei ins Zwielicht geratenen Pflegerinnen getrennt. Eine Pflegerin habe eine außerordentliche Kündigung erhalten, eine Kollegin von ihr sei bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt worden. Zudem sei eine zusätzliche Kraft eingestellt worden, die die Qualität der Pflege in dem Heim verbessern solle, sagte der örtliche Diakonie-Chef Friedrich Walter auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ansbach gibt es Hinweise, dass drei Heimbewohnern vor ihrem Tod ärztliche Hilfe verweigert worden war. In fünf Fällen steht außerdem eine "grobe Behandlung" von Pflegebedürftigen im Raum. So habe eine Heimbewohnerin unter blutigem Stuhlgang gelitten. Dennoch habe die verantwortliche Pflegerin die Einschaltung eines Arztes abgelehnt, berichteten mehrere Tageszeitungen am Montag. Später sei die Frau in einem Krankenhaus gestorben. In einem anderen Fall habe sich eine Heimbewohnerin beim Essen verschluckt und keine Luft mehr bekommen. Dennoch habe die Stationsleiterin einer Pflegerin untersagt, einen Arzt zu holen. Erst als die Vorgesetzte nicht mehr zugegen gewesen sei, habe die Pflegerin einen Notarzt gerufen. Auch in diesem Fall sei die ältere Frau später gestorben.

Einer anderen älteren Frau, die über starke Bauchschmerzen geklagt habe, sei die Hilfe von der Stationsleiterin versagt worden. Auch diese Heimbewohnerin sei später in einer Klinik gestorben. Die Kriminalpolizei habe inzwischen sowohl schriftliche als auch elektronische Pflegeunterlagen beschlagnahmt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Eine Reihe von Zeugen müsste noch vernommen werden. "Wir überprüfen die Vorwürfe."

Allerdings gestalteten sich die Ermittlungen schwierig, weil sie sich auf einen Zeitraum von acht Jahren bezögen. "Die Vorwürfe sind auch relativ unkonkret", sagte der Behördensprecher. Diakonie-Chef Markert bewertete die "Vorgänge" in dem Dinkelsbühler Alters- und Pflegeheim als "skandalös"; sie erregten zu Recht ein großes öffentliches Interesse. "Sollten die Missstände zutreffen, müsse alles getan werden, um die Missstände abzustellen", sagte Markert laut Mitteilung. Den beiden Pflegekräften, die sich mit ihren Beobachtungen an Dritte gewandt hatten, sei die Diakonie zu Dank verpflichtet.

Diakonie-Geschäftsführer Walter wurde nach seinen Angaben erst am 7. April von dem Dinkelsbühler Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) mit den Vorwürfen konfrontiert. Dieser hatte von zwei Pflegerinnen von den Vorfällen erfahren. Nach dem Gespräch schaltete das Diakonischen Werk Dinkelsbühl-Wassertrüdingen die Staatsanwaltschaft ein. "Wir sind an einer schnellen Klärung der Fälle sehr interessiert", sagte Walter. Bisher handele es sich aber um unbewiesene Vorwürfe. Zu Einzelheiten wollte sich Walter nicht äußern, solange die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht abgeschlossen sind.

dpa

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