Prozess: Mädchen vor glühend heißem Ofen gequält

Nürnberg/Seubertshofen - Erst duschten sie das Mädchen eiskalt ab und schickten es in die frostige Winterkälte, später quälten sie die Zwölfjährige vor einem glühend heißen Holzofen.

Wegen solcher und anderer brutaler Misshandlungen müssen sich seit Mittwoch der 46 Jahre alte Vater des Mädchens und dessen acht Jahre jüngere Lebensgefährtin vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.

Das aus Seubertshofen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) stammende Paar beschuldigte sich zum Prozessauftakt gegenseitig oder sprach von Erinnerungslücken. Nur kleinere Misshandlungen räumten die beiden Angeklagten ein und entschuldigten sie als Strafe für angeblich bockiges Verhalten des Mädchens. So habe es immer wieder zu Erkennen gegeben, dass es auf das Zusammensein mit der Familie keinen besondern Wert lege und habe sich von ihr zurückgezogen.

Die Misshandlungsfälle waren aufgeflogen, nachdem das Paar nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth die Quälerei der Zwölfjährigen in der Nacht zum 10. Februar 2008 auf die Spitze getrieben hatte. Lehrern war in der Schule aufgefallen, dass die Zwölfjährige unter schweren Brandwunden litt. Bei Nachforschungen wurde offenbar, welchem Martyrium sie ihr Vater ausgesetzt hatte.

Laut Anklageschrift hatte der 46-Jährige nach seiner nächtlichen Heimkehr aus dem Wirtshaus seine Tochter aus Ärger über deren Bockigkeit gezwungen, sich drei Stunden lang dicht neben den glühend heißen Holzofen in der Wohnung zu stellen. Wenn sie versuchte, der Hitze auszuweichen, wurde sie geschlagen und geohrfeigt.

Später wurde sie gezwungen, den Rest der Nacht auf einem kalten Flur zu stehen. Mit ausgestreutem Mehl kontrollierte das Paar, dass die Zwölfjährige an Ort und Stelle verharrte. Bereits wenige Wochen zuvor soll die Lebensgefährtin des 46 Jahre alten Hausmeisters das Mädchen zur Strafe in voller Kleidung unter eine eiskalte Dusche gestellt haben. Danach schickte die Frau, die selbst fünf eigene Kinder hat, ihre Stieftochter in die Winterkälte und zwang sie, dort auszuharren. Wenn sie versuchte, wieder ins warme Haus zu kommen, wurde sie ebenfalls geohrfeigt. Auch vorher habe das Paar das Mädchen immer wieder brutal geschlagen, berichteten die Ermittler. Der Prozess wird fortgesetzt.

dpa

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