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Mirko und Stefanie W. vor dem kaputten Wohnwagen, der kurz zuvor aus der Donau geborgen wurde.

Sturm peitscht Wohnwagen von Familie in Donau

Osterhofen - Um ein Haar wäre Familie W. beim Unwetter am Dienstag im Wohnwagen verunglückt. In letzter Sekunde retteten sich die Eltern und zwei Kinder - bevor das Gefährt in die Donau stürzte.

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Erst im vergangenen Jahr hat sich die junge Familie W. aus Ruhstorf (Kreis Passau) den Campingwagen gekauft. „Keinen neuen“, sagt Oma Isi (54), „aber einen, der gut beinander ist.“ Die 54-Jährige und ihre Familie fährt schon seit 30 Jahren an die Donau zum Campen - ihre Tochter Stefanie (28) führt diese Tradition mit ihrem Mann Mirko und ihren beiden Kindern Alina (4) und Adrian (1) weiter.

Stefanie W. und ihre Tochter Alina.

Schon vor einigen Tagen hatten Stefanie und ihre Lieben ihr Lager auf der Wiese bei Ottach (Kreis Deggendorf) aufgeschlagen, an einem schönen Plätzchen, etwa 30 Meter von der Donau entfernt. Ein Bauer lässt die Familie und eine Handvoll Camper dort regelmäßig Urlaub machen. Opa Klaus (64), Stefanies Papa, war auch dabei, er stellte seinen Wohnwagen neben den seiner Tochter.

Am Dienstagabend, gegen 20.30 Uhr, zieht plötzlich das Unwetter auf. Familie W. verschanzt sich im etwa sieben Meter langen Wohnwagen, der kleine Adrian schläft zu dem Zeitpunkt bereits. Draußen versucht Opa Klaus das neue Vorzelt an seinem Wohnwagen einzupacken. Der Sturm wird heftiger - Alina wird unruhig und jammert: „Mama, ich hab Angst.“ Auch den Eltern wird mulmig: Die starken Böen heben den Wohnwagen bereits leicht an.  

Stefanie und Mirko überlegen: Was tun? Bleiben? Hinaus ins Unwetter, mit den kleinen Kindern? Der 32-jährige Vater trifft in diesen hektischen Sekunden eine Entscheidung für sich und seine Familie - die vermutlich allen das Leben gerettet hat. Er schreit, so berichtet später die Oma: „Stefanie, pack den Adrian, wir müssen hier raus!„ Er selbst nimmt Alina auf den Arm und rennt mit seiner Familie ins Freie. 

Draußen treffen sie auf Opa Klaus: Der 64-Jährige ist von der Wucht des Sturms umgeworfen worden - er hat eine blutende Platzwunde am Kopf. Zu fünft flüchten sich die W.s ins Wohnmobil eines älteren Ehepaars, das in der Nähe auf der Wiese campiert. Dort atmen sie durch - und hoffen, dass das Schlimmste nun überstanden ist.

Doch nur wenige Minuten später fegt eine besonders heftige Sturmböe über die Wiese: Der Luftsog fährt unter den Wohnwagen von Mirko und Stefanie, hebt ihn in die Luft und schiebt ihn 30 Meter weit in Richtung Donau. Dort stürzte das Gefährt ins Wasser. Sofort treibt es die Flut flussabwärts.  

Am gegenüberliegenden Ufer der Donau ist zur gleichen Zeit ein Bagger im Einsatz. Die Besatzung bemerkt den treibenden Wohnwagen, drückt ihn mit einem Beiboot an eine Kiesbank und sichert ihn mit einer Leine an einem Baum.

Noch am Abend holt Stefanies Schwager Christian die ganze Familie zu sich nach Saldenburg (Landkreis Freyung-Grafenau). Nach einer Nacht im Gästezimmer sind die W.s am Mittwochmorgen mit dem Anhänger an die Donau gefahren - um wenigstens Überbleibsel des Wohnwagens zu retten: Töpfe, Camping-Ausrüstung.  “Das kostet ja alles viel Geld“, klagt die Großmutter. „Der Wohnwagen war der ganze Stolz von Stefanie und Mirko.“ Doch bei all dem Schaden: Isi ist einfach nur froh, dass ihrer Familie nicht mehr passiert ist.

von Carina Lechner

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