Tier-Journalist und Diplom-Biologe: Claus M. Schmidt (57), einer der drei Gründer von animal press. Foto: klaus haag

Tier-Sensationen aus Schwabing

München - Von einem kleinen Büro in Schwabing aus gehen spektakuläre Tierbilder um den Globus. Die Agentur „animal press“ ist deutscher Marktführer für dramatische, rührende oder lustige Vierbeiner-Fotos. Rund 70 Fotografen liefern die Motive aus aller Welt.

Claus M. Schmidt traute seinen Augen nicht, als er Katinga und Paulinchen zusammen sah. Er hat schon viel Tierisches gesehen in seinem Leben – das ist sein Metier. Aber diese beiden. . . Katinga ist eine stolze Rhodesian Ridgeback-Hündin. Und Paulinchen ein winziges vietnamesisches Hängebauchschweinchen, so groß wie eine Weißwurst. Als Paulinchen nach der Geburt von ihrer Mutter ignoriert wurde, sprang Katinga ein. Die Hündin nahm das Ferkel auf und versorgte es so liebevoll, wie ihre eigenen Welpen. „Einfach toll“, sagt Schmidt.

Sensationelle Tierbilder

Tolle Tierbilder aus Schwabing

Katinga und Paulinchen wurden zu Weltstars, dank dem Diplom-Biologen Schmidt und seinem Team von „animal press“. Die Münchner Agentur entdeckte die Geschichte und bot die Bilder den Medien an – sie gingen um die Welt: Selbst in Vietnam oder Korea erfreuten sich noch Leser von Magazinen an Katinga und Paulinchen.

Herzzerreißende, dramatische oder aberwitzige Tierbilder: Das ist die Spezialität von „animal press“. Von einem kleinen Büro in Schwabing aus haben sie sich zum deutschen Marktführer dafür gemausert. Und animal press hat mehr auf Lager als Hunde und Hängebauchschweine: Auf ihren Bildern sieht man Affen und Tiger innige Freundschaften schließen, Löwe und Löwin einen Ehestreit austragen, oder einen Frosch, der gerne Weihnachtslichter frisst.

Insgesamt rund 1,2 Millionen Bilder hat die Agentur gesammelt, seit Schmidt sie 1997 gemeinsam mit den Journalisten Bob Borrink und Dirk Altemann gründete. Schmidt konnte dabei von seiner Vergangenheit profitieren: Er war Chefredakteur der Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“ – und pflegte beste Kontakte zu Tierfotografen in aller Welt. Mit rund 70 von ihnen arbeiten die Schwabinger heute direkt zusammen. Andere Bilder erhalten sie von ausländischen Partner-Agenturen. „Es wird nie langweilig.“ Jeden Tag landen neue Tierfotos auf den Schreibtischen bei animal press. Sie liefern sie an Tageszeitungen, Magazine wie den „Stern“ oder auch an Zeitschriften in Moskau oder Hongkong.

„Heutzutage kommen vor allem Bilder mit guten Geschichten an“, sagt Schmidt. Klassische Tierporträts, wie in Schulbüchern, seien kaum gefragt. Auch die Tierfotografen der alten Schule, „die mit Vollbart und Knickerbockerhose stundenlang auf der Lauer liegen“, würden seltener, sagt Schmidt. Viele der besten Fotos seien heute zufällige Aufnahmen – oft von Amateuren. Deshalb sucht die Agentur auf www.animal-press.de auch immer neue Tier-Reporter mit guten Schnappschüssen.

Schmidt weiß, wovon er spricht – die Tierwelt ist sein Leben. „Schon als Dreijähriger habe ich Würmer in einer Schubkarre gerettet.“ Für seine Diplomarbeit studierte er Berber-Affen in Gibraltar. Er recherchierte Tier-Reportagen in Panama und angelte Piranhas am Amazonas. Artikel von ihm erschienen früher in „Sielmanns Tierwelt“ und in Grzimeks Magazin „Das Tier“.

Und nebenbei tat er Gutes: Für Schmidts Engagement im Tierschutz zeichnete ihn der Tierschutzbund 1990 mit dem „Goldenen Elefanten“ aus. Und auch die kleine Agentur in Schwabing trage dazu bei, glaubt er. Geschichten mit erhobenem Zeigefinger bringe animal press nicht. „Aber wir zeigen, wie schön die Tierwelt ist.“ Das sei vielleicht der beste Weg, die Leute zu begeistern für die Geschöpfe dieser Erde.

„Tiere des Jahres 2009“

Die Tierbilder auf dieser Seite stellte animal press unserer Zeitung zur Verfügung. Eine Auswahl der spektakulärsten Aufnahmen des Jahres bietet das Heft „Tiere des Jahres 2009“, eine Sonderausgabe der Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“. Es erscheint am 9. Dezember.

von Johannes Patzig

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