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Der 7er-BMW des Geisterfahrer-Opfers

Zwei Unfalltragödien in zwei Tagen: 6500-Seelengemeinde weint um Fußballtrainer Udo N. (46) und um Patrick (17), Marco (18) und Daniel (17)

Der Tod schockt Dietenheim

München - Es wird ein trauriger Jahreswechsel heuer in Dietenheim (Baden-Württemberg, nahe dem bayerischen Illertissen): Nach zwei Unfalltragödien in zwei Tagen (!) stehen die Menschen in der 6800-Seelen-Gemeinde unter Schock.

Hier an der A96 starben die drei jungen Burschen

Am Montag kommen auf A 96 nahe Wangen im Allgäu drei junge Burschen aus Dietenheim ums Leben. Das Trio ist mit zwei Spezln (die überlebten) auf dem Heimweg von einer Disco in Vorarlberg, als ihr Wagen bei eisglatter Fahrbahn ins Schleudern gerät und in einen Unfallwagen auf dem Standstreifen kracht. Marco, Daniel und Patrick (17 und 18) sind sofort tot. Dienstag die zweite Tragödie: Ein Geisterfahrer rast auf der A 7 bei Altenstadt in das Auto von Familienvater Udo N. Der 46-jährige Dietenheimer sirbt vor den Augen seiner beiden Buben, die überleben, noch am Unfallort. Jetzt weint ganz Dietenheim.

Am Samstagvormittag werden die Glocken in der St.-Martinus-Kirche in Dietenheim läuten und die Menschen im Ort herbeirufen: zum Requiem für die drei jungen Burschen Daniel, Marco und Patrick (18 und 19), die bei dem tragischen Disco-Unfall ums Leben kamen. Der Tod dreier so junger Menschen ist schlimm genug zu verarbeiten – doch nun schockt auch noch der Tod von Udo N., dem unschuldigen Geisterfahrer-Opfer, ganz Dietenheim.

Udo N. war nicht nur Vater mit Leib und Seele, der für seine Söhne alles getan hätte. Er war auch Fußballtrainer der Bambini im TSV Dietenheim. Die Verantwortlichen des Vereins trafen sich am Mittwoch alle bei Vize-Abteilungsleiter Nils Böttcher – immer noch völlig schockiert und ratlos nach der Nachricht vom Tod ihres Jugend-Trainers. „Wir sind alle sprachlos“, sagte Böttcher am Mittwoch der tz. „Udo hatte eine so ruhige, ausgeglichene Art. Er ist mit allen, besonders mit den Jugendlichen immer super ausgekommen.“

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Der Einsatz im Ehrenamt war nie ein Problem für ihn: „Er hat immer gleich gesagt: Wo kann ich einspringen, wo kann ich helfen, er hat uns immer unterstützt.“ Der Verein hat sich mit der Mutter des Toten, die im Altenheim lebt, und mit seiner Schwester aus Berlin in Verbindung gesetzt. Die Verantwortlichen wollen die Familie und vor allem die Frau ihres Sportkameraden unterstützen.

Phuangphat N. stammt von den Philippinen und spricht nicht so gut Deutsch. Sie war am Mittwoch den ganzen Tag bei ihren Söhnen Denis und Kevin im Krankenhaus. Die beiden zehn- und fünfjährigen Buben sollen den schweren Unfall – zumindest körperlich – relativ gut überstanden haben. Ihr Papa Udo soll ein Lebenskünstler gewesen sein, und zwar einer, der sich nicht gern selbst in den Mittelpunkt stellte. Anderen zu helfen war ihm wichtiger. Der Dietenheimer Bürgermeister Sigisbert Straub war am Mittwoch ebenso fassungslos wie seine Bürger. Er unterbrach seine Silvesterferien und eilte ins Rathaus. „Ich hoffe“, sagte er, „dass wir irgendwie helfen können. Auch wenn ich noch nicht weiß, wie …“

AST/WdP

Augenzeugin: Ich sah den Geisterfahrer

Lisa-Marie K. ahnt Schlimmes, als ihr am Dienstag gegen 14 Uhr auf der B19 bei Kellmünz (Kreis Neu-Ulm) ein silberner Mercedes auffällt: „Der Wagen war sehr langsam unterwegs und der Fahrer machte einen unsicheren Eindruck. Wir dachten, der ist betrunken“, erinnert sie sich. Doch dann gibt der Mann plötzlich Gas, schnell vergrößert sich der Abstand.

Lisa-Maria K. sieht zu ihrem Entsetzen, dass er sich auf der Abbiegespur einordnet – und mit hohen Tempo bei der Anschlussstelle Altenstadt falsch auf die Autobahn auffährt.

Die Augenzeugin alarmiert sofort die Polizei, aber als ihr Anruf in der Einsatzzentrale eingeht, ist es schon zu spät. Der 59-Jährige hat mit seinem Mercedes bereits den BMW gerammt, in dem Udo N. (46) mit seinen zwei Söhnen unterwegs ist. Die Polizei hat zu diesem Zeitpunkt schon nach dem Falschfahrer gefahnet. Seine Lebensgefährtin hatte gegen 13.15 Uhr die Polizei alarmiert und den Vermissten als stark suizidgefährdet geschildert. Per Handypeilung versuchen die Beamten, den Mann zu finden. Doch die erste Feststellung lässt (noch) keine Rückschlüsse auf seine Fahrtrichtung zu. Dass der 59-Jährige auf der A7 unterwegs ist, ergibt erst eine zweite Peilung – aber als deren Ergebnis bei der Polizei eintrifft, ist es bereits zu spät …

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