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Bremsspuren und Markierungen der Unfall-Ermittler zeugen von dem Todesdrama auf der B12.

Wie viele Menschen müssen noch sterben?

Oberndorf - Es war ein Sonntag wie so viele: Morgens zur Messe in St. Katharina, gemeinsames Mittagessen mit den Söhnen. Anschließend zum Kaffeekränzchen bei Bekannten in der Nachbarschaft. Doch Marianne S. (68) kam nicht zurück.

Die Oberndorferin wurde von einem zivilen Streifenwagen überfahren, als sie die Todesstrecke B12 überqueren wollte (tz berichtete). „Es ist so unwirklich. Mit einem Schlag ist alles anders“, sagt einer ihrer Söhne mit Tränen in den Augen. Der Sonntagnachmittag ist schwülwarm, viele Menschen sitzen in ihren Gärten im Schatten, genießen den freien Tag. Gegen halb drei macht sich Marianne S. mit ihrer 82-jährigen Bekannten auf den Weg zu Freundinnen. Sie gehen von Oberndorf eine kleine Straße entlang, die im spitzen Winkel auf die Bundesstraße 12 trifft.

Bei dem Weiler Sinkenbach – an einer Bushaltestelle – bleiben die beiden Frauen stehen. Sie wollen die B12 überqueren, wie sie es schon so oft gemacht haben. Als sie eine Lücke zwischen den fahrenden Autos sehen, laufen sie los. In der Mitte der Fahrbahn stoppen sie kurz und lassen ein Auto, das in Richtung Haag fährt, vorbei – und gehen weiter. In diesem Moment müssen die Frauen den goldmetallic-farbenen BMW rechts vor ihnen gesehen haben. Die 82-Jährige tritt ein, zwei Schritte zurück, ihre Bekannte Marianne S. indes läuft schnell weiter. Das Auto erfasst sie mit dem linken Kotflügel. Wie eine Puppe wird die Rentnerin durch die Luft geschleuert, bleibt 20 Meter weiter vorne auf der Gegenfahrbahn liegen. Marianne S. ist sofort tot. Ihre Begleiterin erleidet einen schweren Schock. Auch die beiden Polizisten (32 und 39) in dem zivilen BMW müssen wegen eines Schocks behandelt werden.

B12: Zivilstreife erfasst Fußgängerin

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In dem kleinen Ort sind viele Einwohner wie traumatisiert. „Wie konnte das nur passieren?“, fragen sie. Marianne S. kannten sie alle. Die 68-Jährige hatte jahrelang eine Bäckerei im Ort betrieben. Sie war eine Frau, die zupacken konnte, sie war der Mittelpunkt ihrer Familie, hielt alles zusammen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes verlor die tapfere Frau nicht ihren Lebensmut. Sie liebte die Einsamkeit der Berge, mochte es aber gerne auch mal gesellig. Marianne hatte für jeden ein offenes Ohr. „Sie war ein Mensch, den alle geliebt haben“, sagt einer ihrer Söhne. Betroffenheit herrscht auch bei der Feuerwehr in Haag , die nur noch zur Sperre und Räumung der Unfallstelle anrücken konnte. Kommandant Thomas Göschl kannte das Unfallopfer persönlich: „Die Frage nach der Schuld ist schwer zu beantworten. Die Polizei muss die Verkehrssünder verfolgen. Denn hier passiert einfach zu viel – beinahe jeden Tag. Schuld sind vor allem die Politiker, die den Bau einer gescheiten Straße seit über 30 Jahren verschleppen.“

Jacob Mell, Johannes Welte

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