IG Metall startet erste Warnstreik-Welle

München - Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich zu. Bereits in der Nacht auf Sonntag startet die IG Metall mit ersten Warnstreiks. Ab 2. Mai sind in Bayern täglich Proteste geplant.

Horst Lischka lässt keinen Zweifel an der Kampfbereitschaft der Gewerkschaft. „Das ist kein Angebot, das ist eine Provokation“, kommentiert Münchens IG-Metall-Chef das erste Angebot der Arbeitgeber – drei Prozent mehr Lohn bei 14 Monaten Laufzeit. Während in der Nacht zu Sonntag die ersten Warnstreiks beginnen, planen Lischka und seine Kollegen bereits die zweite Welle. „Die Streikbereitschaft in den Betrieben ist auf jeden Fall sehr hoch.“

Der Zeitpunkt für die Tarifverhandlungen ist für die IG Metall günstig. Gerade erst hat die Autoindustrie Rekord-Ergebnisse für 2011 vorgelegt. Jetzt will auch die Gewerkschaft einen kräftigen Anteil am Erfolg. 6,5 Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall für die etwa 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche (bayernweit rund 700 000). Zugleich kämpft die Gewerkschaft für eine unbefristete Übernahmegarantie für Auszubildende und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Gerade der massive Anstieg der Billig-Kräfte ist der IG Metall ein Dorn im Auge. Derzeit gibt es rund 200 000 Leiharbeiter in der Branche.

Doch die Verhandlungen stocken. Nach drei erfolglosen Treffen wollen sich Bayerns Arbeitgeber und Gewerkschaften erst am 10. Mai wieder in Fürstenfeldbruck an einen Tisch setzen. Bis dahin erhöht die IG Metall kräftig den Druck. Die Friedenspflicht endet am morgigen Samstag um Mitternacht. Die ersten Warnstreiks beginnen ab 0 Uhr – und zwar bei MAN Diesel in Augsburg und TDK München. Die Proteste sollen etwa eine Stunde dauern und sind nur der Auftakt: Am Mittwoch sind die Mitarbeiter von MAN Truck & Bus zu Warnstreiks aufgerufen, am Donnerstag die Beschäftigten von BMW. Weitere Proteste sind unter anderen bei MTU und Krauss-Maffei geplant. Lischka rechnet allein für München mit 12 000 bis 14 000 Teilnehmern. Ein Sprecher der IG Metall in Bayern kündigte ab 2. Mai täglich Warnstreiks an: „Das erstreckt sich über ganz Bayern.“

Auch außerhalb Bayerns ruft die Gewerkschaft zum Arbeitskampf auf. „Am 2. Mai wird es mit massiven Warnstreiks in der Autoindustrie losgehen“, sagte Porsche-Betriebsrat Uwe Hück. Bei Porsche und Daimler werde es auf jeden Fall Proteste geben. „Die Arbeitgeber müssen spüren, dass wir es ernst meinen.“

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisierte die Warnstreiks als „unnötig und schädlich“. Der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) forderte die IG Metall auf, von ihren überzogenen Forderungen abzurücken. „Unser Gesamtpaket ist sehr attraktiv“, sagte vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Warnstreiks sind keine angemessene Antwort auf unseren Lösungsvorschlag.“

IG-Metall-Chef Berthold Huber verteidigte dagegen die geplanten Proteste. Das Angebot der Arbeitgeber sei eine Provokation. „Wer 26 Milliarden Euro an seine Anteilseigner ausschüttet, hat auch genug Geld, um ordentliche Entgelterhöhungen für seine Beschäftigten zu finanzieren."

VON STEFFEN HABIT

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