Gefragtes Diebesgut: Nicht nur kleine Schälchen oder Vasen werden auf vielen bayerischen Friedhöfen geklaut. Besonders beliebt sind bei den Tätern auch Bronzestatuen – sie bringen bei den aktuellen Metallpreisen viel Geld. FOTO: DPA

Polizei ist machtlos

Dreiste Metalldiebe schlagen auf Friedhöfen zu

Landsberg/Bad Tölz - Polizisten und Friedhofsverwalter sind machtlos, die Angehörigen entsetzt – immer öfter werden Vasen, Schalen oder Figuren von den Gräbern geklaut. Grund sind die hohen Metallpreise.

Michael Strohmeier nennt es eine „Riesen-Sauerei“. Als stellvertretendem Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Landsberg ist ihm schon viel zu Ohren gekommen – aber eine Serie von Friedhofsdiebstählen? Das kann selbst er kaum fassen. Allein in Landsberg und Kaufering (Kreis Landsberg am Lech) wurde innerhalb von sechs Monaten 13 Mal Anzeige erstattet – nur ein Bruchteil von dem, was wirklich passiert, glaubt der Polizist. Er vermutet, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. „Denn den meisten Leuten geht es nicht um den materiellen, sondern den ideellen Wert“, sagt Strohmeier. Die Folge: Nur selten werden Friedhofs-Diebstähle angezeigt. In den vergangenen Monaten passierte das jedoch immer öfter, der Beamte spricht sogar von einer Serie.

Der Schaden in Landsberg und Kaufering beläuft sich inzwischen auf 6500 Euro. Deshalb setzen Strohmeier und seine Kollegen alles daran, die Übeltäter zu schnappen. Leicht ist das allerdings nicht, denn: „Wir wussten nie, ob die Diebe tagsüber oder nachts zuschlagen, außerdem waren die Tatabstände zu unregelmäßig“, erklärt der Landsberger Polizist.

Versuchen wollte er es aber trotzdem: Bei Minusgraden hielten seine Kollegen Ausschau – versteckt hinter einer Hecke, oder im Schnee kauernd. Doch gebracht hat das alles nichts. „Wir haben die Täter nicht gefasst, nun sind sie seit einigen Wochen spurlos verschwunden“, erzählt Strohmeier.

Mindestens genauso frustriert ist Christian Eckel, Strohmeiers Kollege von der Kemptener Polizei. Auch er hat in den vergangenen Monaten immer wieder verzweifelte Anrufe von Betroffenen aus Buchloe (Kreis Ostallgäu) entgegengenommen – gestohlen werden Grabvasen, Blumenschalen, ja sogar Weihwasserschälchen und Bronzefiguren samt Sockel. Kurz: „Es wird alles geklaut, was aus Metall ist“, erklärt der Polizeioberkommissar. Bei den aktuellen Preisen machen die Diebe damit großen Gewinn. Genau deshalb ist es ihnen vermutlich egal, ob ihr Diebesgut fest verankert ist oder nicht. Und es ist ihnen auch egal, ob sie von Friedhofsbesuchern gesehen werden oder nicht.

Noch mehr unglaubliche Geschichten kann Michael Schmidl junior erzählen. Er ist Friedhofsgärtner in Bad Tölz und dort häufen sich momentan die Fälle. „Die Leute werden immer skrupelloser“, sagt er. Neulich zum Beispiel, während der 35-Jährige kurz beim Mittagessen war, hat ihm einer das Grab leergeräumt. „Ich hatte es grade bepflanzt, plötzlich waren die große Blumenschale und eine Laterne weg“, erinnert er sich. Schmidl kann es immer noch nicht fassen, auch die Tölzer Stadtverwaltung weiß nicht mehr weiter. Sogar Bronzestatuen verschwinden immer wieder spurlos.

Doch wo landen sie? Ziel der Diebe ist es schließlich, das Friedhofs-Metall zu Geld zu machen. „Wenn sie das bei Händlern in der Gegend versuchen, ist es zu riskant“, vermutet Eckel. Und er hat Recht: Die Ankäufer sind bereits hellhörig. „Man kennt die Kunden ja langsam“, erzählt Rita Dapont, Metallhändlerin aus Oberschleißheim (Kreis München). Wenn jemand mit Grabvasen oder Schalen kommt, schöpft sie schnell Verdacht. „Komische Angebote kommen immer wieder vor“, sagt sie und seufzt. Schon oft hat sie deswegen die Polizei rufen müssen. Mit Diebesgut will sie schließlich nichts zu tun haben. Ohnehin gilt in ihrer Branche: Ohne Herkunftsnachweis für die Ware läuft gar nichts.

Abnehmer scheint es dennoch genug zu geben – vielleicht auch im Ausland? „Auch das ist möglich“, kann sich Eckel vorstellen. Beweise dafür hat der Polizeibeamte allerdings nicht. Schließlich fehlen ihm die Täter. Friedhofsgärtner Schmidl hingegen kann nur noch den Kopf schütteln: „Wenn man da nicht den Glauben an die Menschheit verliert.“

Von Franziska Bär

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