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36 Liter Milch sind in Hergolding in einem Kuhstall auf einem Tisch aufgebaut. Mit der symbolischen Aktion wurde von Seiten des Bundes Deutscher Milchbauern u.a. auf ihre aktuelle Situation aufmerksam gemacht. 36 Liter Milch sowie 100 Kilogramm Weizen hätte ein Milchbauer umsetzen muessen, um sich auf dem Oktoberfest 2009 eine Mass Bier und ein halbes Hähnchen leisten zu koennen.

Milchbauern erwägen Eskalation ihrer Proteste

Hergolding/München - Die Milchbauern erwägen eine weitere Eskalation ihrer Proteste gegen die niedrigen Erzeugerpreise.

Beim Treffen der EU-Agrarminister in Luxemburg am kommenden Montag wollten die Bauern bereits mit "mehr Nachdruck" Hilfsmaßnahmen einfordern, sagte der Landesvorsitzende des Bundes der Milchviehhalter (BDM), Balthasar Brandhofer, am Dienstag im oberbayerischen Hergolding. Falls wieder keine konkrete Hilfe zugesagt wird, soll es weitere Proteste geben. "Ich übernehme dann keine Garantie dafür, wie die Bauern sich verhalten", sagte Brandhofer. "Wenn jemand Todesangst hat, schlägt er um sich." Die Proteste sollten nicht nur deutschlandweit, sondern in mehreren EU-Ländern laufen.

Vorläufiger Höhepunkt der Milchbauern-Proteste: das Ausschütten von Milch auf Äckern.

Von der deutschen Politik verlangte Brandhofer, dass "sie sich endlich vom Bauernverband lossagt". Die Milchbauern hätten parteiübergreifend das Vertrauen in die Politik verloren. Milch sei ein fast wertloses Produkt geworden. "Zweieinhalb Liter sind so viel wert wie eine Briefmarke", sagte Brandhofer. Die Erzeugerpreise würden zwar möglicherweise leicht anziehen. "Aber ein Preis von 26 oder sogar 30 Cent wäre immer noch zu wenig."

Von den Berliner Koalitionsverhandlungen fordert der Milchbauernverband eine echte Begrenzung der Milchproduktion, indem die bisher erlaubte Saldierung abgeschafft wird. Bisher kann ein Bauer seine zugewiesene Produktionsquote überschreiten, wenn ein anderer weniger produziert als ihm zugewiesen ist. Schätzungen zufolge macht diese sogenannte "Überlieferung" bis zu fünf Prozent der deutschen Milchproduktion aus. Der Bund der Milchviehhalter verlangt, dass kein Bauer seine Quote überschreiten darf - auch wenn andere weniger Milch liefern als sie eigentlich dürften. "Das muss unbedingt kommen", sagte Brandhofer. Er hoffe, dass CSU-Chef Horst Seehofer in dieser Frage hart bleibe. "Ansonsten wird die CSU für mich allmählich unglaubwürdig", sagte Brandhofer.

dpa

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