Milchpreis: „Das Preistal ist hoffentlich durchschritten“

München - Am Freitag ist der Internationale Tag der Milch. Die weltweite Nachfrage nach dem gesunden Lebensmittel steigt – aber auch das Angebot. Der Milchpreis fällt und bereitet den Bauern Sorgen.

Wir sprachen mit Jürgen Ströbel, lange Jahre „Milchpräsident“ des Bayerischen Bauernverbands und nach wie vor Chef der Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft.

Milch ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bayern. Wo liegt derzeit der Milchpreis, Herr Ströbel?

Nach meinen letzten Informationen liegt der Milchpreis im Moment zwischen 32 und 34 Cent. Es gibt einige Molkereien, die bezahlen noch mehr, andere zahlen aber noch weniger aus.

Ist ja nicht gerade ein komfortabler Preis...

Das stimmt. Insbesondere wenn man die seit drei, vier Jahren massiv gestiegenen Erzeugungskosten mitbetrachtet: Energie ist teurer, Futtermittel sind teurer.

Seit Wochen sinkt der Auszahlungspreis für die Bauern. Steht eine neue Krise vor der Tür – wie 2008?

Ich will ganz bewusst nicht von einer Krise sprechen, weil wir den Preis nicht nach unten reden wollen. Wir haben bis vor wenigen Wochen von einer kleinen Delle gesprochen. Mittlerweile ist es mehr als eine Delle, weil die Preise zum Teil bis zum fünf Cent runtergegangen sind. Meine Hoffnung ist, dass jetzt das Tal durchschritten ist und es sich stabilisiert. Im Moment ist der Trend aber noch nicht klar zu erkennen.

Was ist die Ursache für den Preisverfall?

Es gibt weltweit eine riesige Angebotssteigerung. Wir haben am Weltmarkt die Situation, dass die Preise für Butter und Milchpulver massiv unter Druck geraten sind – auch bei uns in Deutschland. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die anderen Milchprodukte – obwohl der Käsepreis noch stabil ist. Und Käse ist der wichtigste Teil der bayerischen Milchproduktion. Darum sind wir in Bayern momentan noch etwa besser dran. Aber wir müssen alles daran setzen, dass der Preis nicht noch weiter nach unten geht.

Es wird in Europa Jahr für Jahr die Milchquote um ein Prozent erhöht, um den Markt an die Weltmarktsituation zu anzupassen. Muss die Erhöhung angesichts der Lage ausgesetzt werden?

Das wird diskutiert. Aber ich bin sicher, dass wir auf deutscher und europäischer Ebene dafür keine Mehrheit bekommen. Ich kenne die Meinung der übrigen Bundesländer – ich war 18 Jahre im Fachausschuss Milch des Deutschen Bauernverbands. Die sind voll auf Produktion ausgerichtet. Ich glaube nicht, dass da eine Mehrheit zu erzielen ist.

Ist es nicht kontraproduktiv, wenn so viel produziert wird? Dann geht doch der Preis runter. Da müsste man doch an eine Produktionsbegrenzung denken...

Wenn ich persönlich weniger produziere, liefert womöglich ein anderer, vielleicht sogar aus dem Ausland, mehr. Und es wird trotzdem der Markt kaputtgemacht. Dieses Thema Produktionsbeschränkung wird zwar draußen bei den Milchbauern diskutiert. Aber man wird auch gleich gefragt: Wer soll das festlegen?

Wie war der Tiefststand beim Milchpreis?

Das kann ich ziemlich genau sagen: Das war im Jahr 2009 mit 20 bis 22 Cent.

Haben Sie Befürchtungen, dass der Preis wieder so abstürzen könnte?

Ich befürchte es nicht und ich hoffe auch, dass es nicht soweit kommt.

Was machen Sie, was macht die Landesvereinigung, um die Nachfrage nach Milch wieder anzukurbeln?

Bis jetzt habe ich als ehemaliger Vize-Präsident des Bauernverbands geantwortet. Als amtierender Vorsitzender der Landesvereinigung sage ich, es ist unsere wichtigste Aufgabe, die Vorzüglichkeit unserer bayerischen Milchprodukte herauszustellen. Nicht nur in Bayern, in Deutschland, sondern gerade auch im Export. In den letzten drei, vier Jahren haben wir in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Agrarministerium den Export sehr erfolgreich angekurbelt. Wir hatten tolle Steigerungen: z.B. hat sich der Käseexport von 2010 auf 2011 um 12 Prozent erhöht. Milch ist eines der gesündesten Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen. Das wollen wir gerade am Internationalen Tag der Milch den Verbrauchern deutlich machen. Und wir in Bayern haben eine wunderbare Vielfalt an Milchprodukten von fruchtigen Joghurts bis zu herzhaften Käsen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Rubriklistenbild: © dpa

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