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Wie ein Schloss: das Inn-Kraftwerk bei Töging.

Milliardenpoker am Inn

München - Das Rennen ist entschieden – es gibt einen Sieger und etliche Verwundete. Der größte österreichische Stromerzeuger hat sich 13 Inn-Wasserkraftwerke gesichert – bei einem Kaufpreis von weit über einer Milliarde Euro konnten bayerische Kommunen nicht mehr mithalten.

Der Altöttinger Landrat frohlockt – wenigstens offiziell: „Für uns ist das eine sehr gute Lösung“, kommentiert Erwin Schneider ( CSU ) den Verkauf der Innkraftwerke durch Eon. „Eine „regionale bayerisch-österreichische Lösung“ sei da erzielt worden. Und, wichtig aus Altöttinger Sicht: Die Arbeitsplätze der insgesamt 217 Mitarbeiter sollen erhalten bleiben, sagt der Landrat.

Monatelang war um die Inn-Kraftwerke gefeilscht worden. Denn Eon muss auf Druck der EU -Kommission seine Kraftwerks-Kapazitäten um 5000 Megawatt (MW) reduzieren. Durch den Verkauf der Werke am Inn an den österreichischen Konzern Verbund schmälert sich der Anteil um 312 MW – eigentlich ein kleiner Transfer, aber einer mit hohen Symbolwert.

Drei Bieter boten zum Schluss mit, bis wohl am Mittwochabend klar war, dass sich Verbund, der auf Wasserkraft spezialisierte größte österreichische Stromproduzent, durchsetzen würde. Der Inn ist jetzt quasi in österreichischer Hand, da Verbund jetzt schon an einigen Kraftwerken, etwa in Nußdorf (Kreis Rosenheim), beteiligt ist. Das Nachsehen haben die Stadtwerke München , die als eigenständiger Bieter auftraten, sowie die Energieallianz GmbH, ein Zusammenschluss von rund 100 kommunalen und meist bayerischen Stadtwerken. Hier ist „die Enttäuschung groß“, wie Andreas Voigt von den Stadtwerken Freising berichtet.

Energieallianz-Geschäftsführer Joachim Martini hatte gehofft, dass die bayerischen Gemeinden zum Zuge kommen würden. „Das hätte den Wettbewerb auf dem Strommarkt gut getan.“ Angeblich knapp eine Milliarde Euro hat die Energieallianz am Ende für die 13 Kraftwerke geboten. Doch Eon reichte das nicht – der Energieriese soll zuletzt einen Nachschlag von gut 30 Prozent verlangt haben, so dass der Kaufpreis bei bis zu 1,4 Milliarden Euro gelegen hätte. Das konnte die Energieallianz nicht mehr stemmen. Hinzu kam, dass die Österreicher einen Liefervertrag für Strom aus Kraftwerken im Zillertal anbieten konnten.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber beziffert den Kaufpreis auf „mindestens eine Milliarde Euro“, zwei Drittel Barmittel, ein Drittel die Stromlieferungen. Trostpflaster aus bayerischer Sicht ist, dass Verbund „einen Anteil von bis zu 30 Prozent“ bayerischer Kommunen anbieten will. Unklar ist allerdings, ob die unterlegenen Kaufinteressenten zugreifen werden. Vorerst muss die allein für den Erwerb der Innkraftwerke gegründete Energieallianz zusammengehalten werden. Sollte das der Fall sein, „werden wir sicher Interesse anmelden an den 30 Prozent“, sagt Geschäftsführer Martini. Entscheidend sei aber, was ein Megawatt kosten werde, sagt Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch. Das ist wohl Verhandlungssache – 30 Prozent bedeuten aber mit Sicherheit einen dreistelligen Millionenbetrag.

Dirk Walter und Markus Honervogt

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