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Vergebliche Suche: Zum Empfang von „BR Heimat“ ist ein Digitalradio nötig. Doch auch wer über einen digitalen Kabelanschluss verfügt, hat Pech. Kabel Deutschland speist den neuen Kanal nicht in seine Netze ein.

Streit zwischen BR und Kabel Deutschland

Millionen Kabelkunden können Heimatsender nicht empfangen

München - Millionen Kabelkunden im Freistaat können den neuen Volksmusikkanal des Bayerischen Rundfunks nicht empfangen.

Vor zwei Wochen ging es mit großem Trara an den Start – das neue digitale Radioprogramm „BR Heimat“ des Bayerischen Rundfunks. Volksmusik, bayerische Themen und „Ratsch“ mit Prominenten und ganz normalen Menschen aus dem Freistaat, das sind die Inhalte. Intendant Ulrich Wilhelm sagte bei der Vorstellung des Senders, es handele sich um eine „deutschlandweit einzigartige neue Welle für alle, die sich für Volksmusik, für bayerische Themen und Kultur interessieren“.

Doch längst nicht alle Einwohner Bayerns können das neue Heimatprogramm hören. Zwar wird es – theoretisch – über Antenne (DAB+), Kabel, Satellit oder Internet verbreitet, doch es gibt Lücken in der Versorgung. Um den Sender terrestrisch (via Antenne) zu empfangen, muss sich der Hörer ein Digitalradio zulegen (die Geräte gibt es ab 50 Euro im Fachhandel, in Großmärkten und über das Internet). Der BR verweist auf seine Anstrengungen, das DAB-Netz auszubauen, momentan liege der Versorgungsgrad bei 75 Prozent in Gebäuden und bei 95 Prozent im Außenbereich. Auch der Absatz von Digitalradios nimmt zu, in ganz Deutschland wurden laut einer Studie der Landesmedienanstalten bereits etwa fünf Millionen Geräte verkauft.

Was jedoch die Kabelkunden betrifft, so empfangen viele von ihnen alles Mögliche, nur kein „BR Heimat“. So weist Detlef Schad, Leser unserer Zeitung, darauf hin, dass er zwar Programme des Norddeutschen und des Mitteldeutschen Rundfunks hören könne, nicht aber den neuen Volksmusikkanal seines Haussenders Bayerischer Rundfunk. Das liegt daran, dass Kabel Deutschland, der größte Kabelnetzbetreiber im Freistaat, das Signal nicht ins Netz einspeist, obwohl es vom BR zur Verfügung gestellt wird.

Kabel Deutschland versorgt deutschlandweit etwa 8,3 Millionen Haushalte, wie viele davon in Bayern liegen, kann oder will man auf Anfrage unserer Zeitung nicht verraten. Schätzungen zufolge handelt es sich um etwa 1,3 Millionen Anschlüsse. Knapp ein Viertel aller bayerischen Haushalte hängt am Digitalkabel – sie alle suchen „BR Heimat“ in ihrem Angebot vergeblich.

Klaus Rosenkranz, Pressesprecher von Kabel Deutschland, bestätigt: „Es stimmt, dass ,BR Heimat‘ nicht eingespeist wird, das liegt am vertragslosen Zustand, der im Moment herrscht. Wenn der Bayerische Rundfunk auf uns zugehen würde, könnte man das ändern.“ Hintergrund ist ein schon länger schwelender Streit. Bis vor wenigen Jahren bezahlten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dafür, dass die Netzbetreiber den Kunden ihre Programme zur Verfügung stellen – rund 60 Millionen Euro im Jahr. Im Jahr 2012 wurden diese Zahlungen eingestellt. Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass Gebührengelder an Unternehmen überwiesen würden, die mit der Vermarktung der öffentlich-rechtlichen Programme Geld verdienten, lautete die Begründung.

Der Bayerische Rundfunk sieht den Ball dennoch im Feld der Netzbetreiber und verweist auf den sogenannten „Must-Carry“-Status seiner Programme. Das heißt, sie müssen als Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender ungehindert für alle Gebührenzahler empfangbar sein. „Laut Rundfunkstaatsvertrag sind die Kabelfirmen verpflichtet, das Programm ohne Einspeiseentgelte im digitalen Kabel in Bayern zu transportieren“, sagt BR-Pressesprecherin Sylvie Stephan. Auch „BR Heimat“ sei ein solches „Must-Carry“-Programm.

Kabel Deutschland sieht das anders – vor allem in Bezug auf neue Digitalkanäle, die nicht zum „Standardangebot“ gehören – und versucht seit Jahren auf dem Klageweg, ARD und ZDF zum Zahlen zu bewegen. Vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht München ist das allerdings schon gescheitert, die Richter entschieden jedes Mal zu Gunsten der Sender. Nun liegt die Sache beim Bundesgerichtshof. Kabel Deutschland will erreichen, dass per richterlicher Anordnung ein neuer Vertrag über Einspeisegebühren geschlossen wird. Außerdem fordert das Unternehmen Nachzahlungen für die zurückliegenden Jahre, da die öffentlich-rechtlichen Programme ja – mit Ausnahmen – weiter verbreitet werden. Am 3. März soll der Streit in Karlsruhe entschieden werden.

Beim BR sieht man dem Ausgang des Verfahrens gelassen entgegen: Für den Empfang von „BR Heimat“ setze man sowieso eher auf die terrestrische Verbreitung, also auf den Empfang per Antenne: „Hier ist das Signal kostenlos.“

Johanna Popp

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