Er versprach Renditen von bis zu 400 Prozent

Millionenbetrüger muss ins Gefängnis

Weiden - Um mehr als zehn Millionen Euro prellte ein 68-Jähriger seine Anleger mit absurden Geschichten über angebliche Vermögen. Wegen Betrugs muss der Mann nun elf Jahre ins Gefängnis. Wo die Millionen sind, ist unklar.

Wegen Betrugs an mehreren Anlegern um mehr als zehn Millionen Euro muss ein 68-Jähriger elf Jahre in Haft. Das Landgericht Weiden verurteilte den Mann am Freitag wegen Betrugs in 51 Fällen. Der Mann, der zuletzt Jahrzehnte auf Mallorca lebte, hatte seinen Opfern vorgegaukelt, dass er mehrere Hundert Millionen US-Dollar besitze, die aber bei verschiedenen Banken festlägen. Um an dieses Geld zu kommen, müsse er Steuern, Gebühren, Versicherungsprämien oder Schmiergelder zahlen. Er lieh sich Geld von den Geschädigten und versprach schnelle Rückzahlung mit Renditen von bis zu 400 Prozent.

„Wir mussten feststellen, dieses Vermögen gab es nicht“, begründete der Vorsitzende Richter Walter Leupold das Urteil. Die gutgläubigen Anleger seien mit gefälschten Unterlagen getäuscht worden: „Der Angeklagte konnte Menschen beeindrucken. Er hatte seine Opfer voll im Griff.“

Einen Geschäftsmann aus dem Landkreis Tirschenreuth hatte der Angeklagte um rund 9,5 Millionen Euro geprellt. Dieses Opfer war nach Überzeugung des Gerichts sehr leichtgläubig und sorglos gewesen. Trotz Warnungen seiner Prokuristin und eines Wirtschaftsprüfers habe dieser dem Angeklagten immer wieder Geld gegeben. „Die Bedenken hat der Angeklagte immer niedergebügelt“, sagte der Richter.

Bereits im Frühsommer 2010 war der gebürtige Oberbayer wegen Betrugs in drei Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. „Aber sechs Tage nach Erlass des Strafbefehls hat er weitergemacht und sich sogar noch gesteigert“, sagte Leupold. Das Urteil nahm der Angeklagte äußerlich reglos hin.

Der Großteil der gezahlten Millionen ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft bis heute verschwunden, vermutlich in Ostasien. Bis zu einer Million Euro habe der Angeklagte aber für seinen eigenen Lebensunterhalt gebraucht, sagte Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf. „Er hat die vergangenen zehn bis zwölf Jahre von fremden Geld gelebt“

Der Anklagevertreter hatte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert. „Wir werden Revision einlegen“, sagte Rechtsanwalt Helmut Miek. Es sei nicht auszuschließen, dass sein Mandant selbst getäuscht worden sei und Unbekannte Dritte hinter der Betrugsmasche steckten.

Mehr als acht Monate hatte die Kammer verhandelt und rund 50 Zeugen gehört. Um zu klären, ob der Angeklagte wirklich ein so großes Vermögen besaß, war die Weidener Kammer sogar nach Amsterdam und New York geflogen. Dort wurden mehrere Bankangestellte und FBI-Agenten als Zeugen gehört.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Grünwalder stirbt beim Tauchen im Starnberger See an berüchtigter Todeswand
Im Starnberger See ist ein Sporttaucher aus Grünwald am Freitag gestorben. Der Unglücksort ist ein beliebtes Tauchrevier: die Allmannshauser Steilwand, an der es …
Grünwalder stirbt beim Tauchen im Starnberger See an berüchtigter Todeswand
Statt Abschiebung jetzt Azubi-Vertrag: Naseer Ahmadi darf wieder backen
Seit gestern steht Naseer Ahmadi wieder in der Backstube. Der Afghane hat seine Arbeitserlaubnis zurückbekommen, im September darf er seine Ausbildung beginnen. …
Statt Abschiebung jetzt Azubi-Vertrag: Naseer Ahmadi darf wieder backen
Bayerns Senioren von Altersarmut bedroht: „Geldsorgen schnüren die Luft ab“
Geldsorgen treiben viele von Bayerns Senioren um. So ist es um das Thema Altersarmut im Freistaat wirklich bestellt.
Bayerns Senioren von Altersarmut bedroht: „Geldsorgen schnüren die Luft ab“
Für 90.000 Euro: Mann bestellt seit Jahren online Waren - bezahlt aber nie
Ein Mann aus dem fränkischen Schwarzenbruck hat sich über Jahre in mindestens 220 Fällen Waren online Waren liefern lassen - aber nie bezahlt. Jetzt entlarvte die …
Für 90.000 Euro: Mann bestellt seit Jahren online Waren - bezahlt aber nie

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.