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Protest der Rotwesten: Der Bahnausbau stößt auf Widerstand.

„Bedauernswerte Transitopfer“ 

Minister ausgepfiffen: Enttäuschung nach Scheuers Aussagen zum Brenner-Bahn-Projekt

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Nach dem Besuch von Verkehrsminister Scheuer in Rosenheim überwiegt vor Ort die Enttäuschung. Aus Österreich kommt hingegen Lob für das Bekenntnis des Ministers zum Brenner-Nordzulauf.

RosenheimSo viel Lob aus Österreich ist für einen bayerischen Politiker selten. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) preist den Auftritt des deutschen Verkehrsministers in Rosenheim. Dass Andreas Scheuer sich klar für die Realisierung des Brenner-Zulaufs ausgesprochen „und damit Linie gezeigt hat, ist anerkennend festzustellen“, erklärte Platter gegenüber unserer Zeitung. Erstmals seit Langem gebe es damit „aus Bayern wieder ein Signal in die richtige Richtung“. Fest stehe aber auch, dass noch viele weitere Schritte zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene notwendig seien. Er werde Bayern und Deutschland „an Ergebnissen messen“, erklärte Platter.

Lesen Sie dazu bei Merkur.de*: Kommentar zur Demo gegen Brenner-Bahn-Trasse: Eine geballte Portion Wut

Begrüßt wurde Scheuers Auftritt auch von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Allerdings verknüpfte der Wirtschaftsverband das mit einer Warnung: Keinesfalls dürfe die Lkw-Maut auf den Autobahnen angehoben werden, um so die Schiene zu bevorzugen.

Den Inntal-Anwohnern reichen Scheuers Versprechungen nicht

Wie berichtet, hatte Scheuer Forderungen nach einem Planungsstopp für den Bau des Brenner-Nordzulaufs durch das Inntal zurückgewiesen. Er versprach allerdings, dass zuerst die zweigleisige Bestandsstrecke ausgebaut werde. Den Inntal-Anwohnern reicht das nicht. Der Rohrdorfer Bürgermeister Christian Praxl nannte das mehrstündige Gespräch mit Scheuer im Landratsamt „mehr als enttäuschend“. Ähnlich Praxls Amtskollege aus Stephanskirchen, Rainer Auer: „Wir haben einen Verkehrsminister erlebt, der das Inntal zuallererst als Verkehrsweg und nicht als Lebensraum betrachtet“, erklärte Auer. „Was uns schmerzlich fehlt, ist eine politische Vertretung in Berlin, die uns gedanklich nicht schon als bedauernswerte Transitopfer abgeschrieben hat.“ Auch die Bürgerinitiativen zeigten sich enttäuscht. Der Sprecher der Bürgerinitiativen, Thomas Riedrich, sprach von „Onkel Scheuers Märchenstunde“. Der Minister habe keine einzige Forderung erfüllt. „Der Widerstand wird um eine Stufe höher intensiviert, denn eines ist für uns klar: Die Zeit für Kuschelkurs ist abgelaufen.“

Auch der Bund Naturschutz lehnte gestern den Bau einer neuen Trasse vorerst ab – erst müsse die Kapazität auf der Bestandsstrecke ausgeschöpft sein. Der BN verschließe sich aber nicht grundsätzlich.

Das Bundesverkehrsministerium veröffentlichte gestern auf seiner Homepage die Szenarienstudie zur Entwicklung des Güterverkehrs auf der Inntal- und Brenner-Route bis 2050. Die Zahl der prognostizierten Züge pro Tag schwankt wie berichtet zwischen 401 und 558. Heute sind es laut Scheuer nur 185. Quasi nebenbei ergibt sich aus der Studie, wie baufällig die Bestandsstrecke ist. So ist die Höchstgeschwindigkeit zwischen Rosenheim und Kufstein derzeit auf 130 bis 140 km/h begrenzt, obwohl beispielsweise Eurocity-Züge locker 160 km/h fahren könnten. Unterbleibe der Neubau, so warnt die Studie, dann könne es auch keine Geschwindigkeitserhöhung der Personenzüge zwischen München, Innsbruck und Venedig/Bologna geben, da dann langsamere Güterzüge die Strecke blockierten.

DIRK WALTER / SIGRID KNOTHE

Lesen Sie auch: Protest der Rotwesten - Tiroler Regierungschef lobt deutschen Verkehrsminister

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