Internationaler Tag der seelischen Gesundheit

Verständnis für Volkskrankheit Depression wecken

München - Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will psychische Krankheiten aus der Tabu-Zone holen. In Bayern ist beinahe jeder Zehnte betroffen.

Psychische Krankheiten sollen kein Tabu sein. Dafür wirbt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) mit einer neuen Kampagne. Zum „Internationalen Tag der seelischen Gesundheit“ am Montag startete sie eine Aktion zum offeneren Umgang mit der Volkskrankheit Depression. Die Kampagne stehe unter dem Titel „Bitte stör mich“, erläuterte Huml: „„Stören“ im positiven Sinn auch Sie, wenn Sie erkennen, dass jemand Ihre Unterstützung braucht.“ Es dürfe nicht sein, dass Betroffene aus Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung keine professionelle Hilfe in Anspruch nähmen. „Eine Depression ist behandelbar.“

Zu der Aktion zählen Radio-Spots und ein Kurzfilm, der in den sozialen Medien, an bayerischen Bahnhöfen und in Wartezimmern zu sehen sein soll. Auf dem Münchner Marienhof soll für vier Wochen ein acht Meter hoher Stahlrohr-Turm das Augenmerk auf die Kampagne richten.

Zum Abschluss der Kampagne im nächsten Frühjahr kündigte Huml einen Bericht zu Depressionen an. Nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns erhielten im Freistaat im Jahr 2014 rund 1,1 Millionen der gesetzlich Versicherten ambulant die Diagnose Depression; demnach ist fast jeder Zehnte betroffen.

Die aktuelle wissenschaftliche Behandlungsleitlinie in Deutschland wiederum geht davon aus, dass bundesweit 16 bis 20 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken. Auch Kinder leiden schon daran. Bei zwei bis vier Prozent der Kinder im Grundschulalter stellen Fachärzte eine depressive Episode von mehreren Wochen oder Monaten fest, bei Jugendlichen sind es 14 Prozent, bei Erwachsenen 20 Prozent.

Die Krankenkasse Barmer GEK begrüßte die Kampagne des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Aus ihrem aktuellen Gesundheitsreport geht hervor, dass Depressionen gerade bei jungen Frauen mehr Fehltage als jede andere Diagnose verursachen: Neben jungen Berufstätigen bestehe vor allem bei weiblichen Studierenden zwischen 25 und 30 Jahren ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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