220.000 Euro vorgesehen

Ministerium zahlt Dolmetscher für Frauenhäuser in Bayern

München - In Frauenhäusern finden auch asylsuchende Frauen Schutz, wenn sie in den Flüchtlingsheimen Gewalt ausgesetzt sind. Die Dolmetscher bezahlt jetzt das Sozialministerium.

Das bayerische Sozialministerium will 2016 erstmals die Kosten für Dolmetscher in Frauenhäusern übernehmen. 220 000 Euro sind dafür im Nachtragshaushalt 2016 vorgesehen, berichtete eine Sprecherin des Ministeriums.

Frauen, die von ihren aktuellen oder früheren Partnern bedroht, geschlagen oder missbraucht werden, können in Frauenhäusern Zuflucht finden. Etwa 1500 Frauen nehmen den Schutz jedes Jahr im Freistaat in Anspruch, sagt Monika Meier-Pojda, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), der 13 der 40 Frauenhäuser in Bayern betreibt.

Auch asylsuchende Frauen kommen in Frauenhäuser, wenn sie in den Flüchtlingsunterkünften Gewalt erleben. Im Frauenhaus Erlangen sind im Moment zwei der zwölf Bewohnerinnen Flüchtlinge, berichtet Barbara Hugger vom Frauenhaus. Zahlen für ganz Bayern gibt es noch nicht. In Erlangen waren 2015 etwa 16 Prozent der Bewohnerinnen Geflüchtete. Viele von ihnen sprechen kaum Deutsch und benötigen daher einen Dolmetscher.

Bisher hatten die Frauenhäuser die Dolmetscher aus ihren eigenen Mitteln bezahlt. Doch nicht immer ist es leicht, einen qualifizierten Übersetzer zu finden, gerade bei seltenen Sprachen. „Wir brauchen jemanden, der akkurat übersetzt“, erklärt SkF-Chefin Meier-Pojda, „schließlich geht es oft auch um rechtliche Fragen“.

Auch im Alltag würde gegenseitiges Verstehen den Umgang erleichtern. Die Flüchtlinge seien zwar größtenteils offen und neugierig. „Aber es kann Reibereien geben, wenn die geflüchteten Frauen nicht damit zurecht kommen, wie die anderen hier leben“, meint Barbara Hugger vom Frauenhaus in Erlangen. Solche Differenzen würde Hugger gerne in der gemeinschaftlichen Kaffeerunde ausräumen, doch ohne gemeinsame Sprache sei das fast unmöglich. Zwar biete eine Betreuerin im Frauenhaus einmal wöchentlich Deutschkurse an, doch das reiche nicht. „Wir brauchen das Geld für die Dolmetscher“, sagt Hugger.

Zudem fordern die Frauenhäuser mehr sozialen Wohnungsbau in Bayern. Die meisten Frauen blieben zu lange in den Einrichtungen, weil sie keine bezahlbare Wohnung fänden. Vor allem für Frauen mit mehreren Kindern sei es schwierig, im Anschluss eine Wohnung zu finden, sagt Antje Krüger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die meisten Bewohnerinnen bekämen staatliche Hilfe und hätten nur wenig finanzielle Ressourcen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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