Mia san nimma ganz mia

München - San mia noch mia? Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise sind immer mehr Bayern stolz auf ihr Land. Das ist ein Ergebnis der neuen Generationenstudie der Hanns-Seidel-Stiftung.

 Aber: Stolz sind die Bürger vor allem auf Wirtschaft und Wissenschaft, immer weniger verbinden mit Bayern Kultur und Tradition. Die Bayern werden moderner. Mia san offenbar nimmer so ganz mia …

Was ist eigentlich typisch bayerisch?

Studie: „Was ist typisch bayerisch?“

Immerhin: „Im Vergleich mit anderen Bundesländern sieht sich der Bayer gerade in Krisenzeiten klar im Vorteil“, sagt Helmut Jung, Studienleiter des beauftragten Instituts GMS. 61 Prozent der 1853 Befragten sehen den Freistaat an der Spitze, elf Prozent mehr als in der Vorgänger-Studie von 2003. Der Grund hierfür ist so eindeutig wie nie: Wiederum 61 Prozent loben Wirtschaft und der Arbeitsmarkt – 2003 antworteten das nur 41 Prozent. Der Bayer von heute setzt auf harte Fakten. Emotionale Aspekte jedoch sind beim Gefühl zum Heimatland offenbar immer weniger bedeutend. Bier, Gemütlichkeit und Lederhose scheinen gerade bei der jungen Generation immer unwichtiger zu sein.

Liegt in dieser Entwicklung womöglich der Grund für das aktuelle Wahldebakel der CSU?

Was fällt Ihnen zum Leben in Bayern ein? Nur 23 Prozent antworteten mit „Kultur und Tradition“. Das ist weniger als die Hälfte als 2003! Auch alle anderen Kategorien stürzen ab. Die CSU mit den Politikern Stoiber, Beckstein und Seehofer kommt nur noch auf 2 Prozent, vier Punkte weniger als noch 2003.

Interessant: Die einzige Assoziation mit Bayern, die einen Zuwachs verzeichnet, ist die Antwort „München“ (3 auf 6 Prozent).

Was ist typisch bayerisch? Kurios: Tracht halten immer weniger Bayern (23 statt zuvor 27 Prozent) für typisch bayerisch und ausgerechnet das internationale Oktoberfest bleibt als einziger Punkt in der Kategorie „Lebensart“ stabil bei 18 Prozent. Tief gefallen ist der kulinarische Bereich, besonders das Bier halten nur noch 9 Prozent (2003: 23) für charakteristisch.

Warum sind Sie stolz auf Bayern? Ganz vorne rangieren die schönen Landschaften mit unverändert 91 Prozent. An Bedeutung gewinnen die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Bildung. Hat die Kirche noch eine wichtige Rolle? Nur noch 77 Prozent – 5 Punkte weniger – stimmen zu.

Das Heimatgefühl: Den Bayern ist Heimat wichtiger denn je – sie gibt in unruhigen Zeiten Halt. Aber gerade die jungen Menschen haben die eine bayerische Identität aufgeben, sie fühlen sich ebenso als Deutsche und Europäer. 89 Prozent und damit 5 Punkte mehr der Befragten fühlen sich sehr eng oder eng mit dem Wohnort verbunden, 88 (plus 3) mit der Region und 88 (plus 8) mit Bayern. Die Verbundenheit mit Deutschland dagegen ist sogar um 13 Punkte gestiegen, mit Europa um 12 Punkte.

Typisch bayerisch: Das Oktoberfest

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

Die Generation der über 60-Jährigen hinkt freilich hinterher und zeigt sich allgemein häufiger den Traditionen verpflichtet. Studienleiter Jung: „Es ist typisch für die ältere Genberation, dass sie die guten, alten Zeiten häufig in einem rosigen Licht sieht.“

Bayern ein eigenständiger Staat? Noch immer können sich das viele gut vorstellen: Knapp ein Viertel der Befragten sieht dies ähnlich wie noch vor sechs Jahren als wünschenswert an. Aber: Bei der Generation der 16- bis 34-Jährigen hat die Zustimmung um vier Prozent abgenommen (15 Prozent). Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport – das ist es also, was bei den (jungen) Bayern heute zählt. Studienleiter Helmut Jung: „Das ist auch ein Zeichen an die Politik, hier die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Das aber, wofür die Bayern im restlichen Deutschland vor allem bekannt sind – Dirndl, Bier und Schuhplattln – verliert zusehends an Bedeutung. Die Finanzkrise hat offenbar das Bedürfnis bei den Bayern geweckt, moderner und offener zu leben. Der Bayer bleibt gerne besser als die anderen, aber er will nicht mehr unbedingt anders sein. Hat das die CSU zu lange verkannt?

Nina Bautz

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