Frau wirft früherem Nürnberger Heimleiter Missbrauch vor

Nürnberg - Nach der Missbrauchsaffäre in katholischen Einrichtungen gerät zunehmend auch die evangelische Kirche in Bayern in die Kritik.

So soll der frühere Leiter eines evangelischen Jugendheims in Nürnberg in den 1970er Jahren mehrfach ein dort untergebrachtes Mädchen sexuell missbraucht haben. Das berichtete die inzwischen 42 Jahre alte Frau den “Nürnberger Nachrichten“ (Mittwoch). Der inzwischen pensionierte Pädagoge bestreitet die Vorwürfe. Die Stadtmission, die das Heim betreibt, zeigte sich von den Vorwürfen überrascht.

Lesen Sie auch:

Diözesanrat will Vorwürfe gegen Mixa aufklären

Erst im März war bei der Frühjahrstagung der evangelischen Landessynode bekanntgeworden, dass zwei protestantische Gemeindepfarrer in den Verdacht geraten sind, sich an zwei jungen Frauen vergangenen zu haben. Beide Opfer hatten sich an Medien gewandt, nachdem zuvor Missbrauchsfälle an katholischen Internatsschulen für Schlagzeilen gesorgt hatten.

Nach dem Bericht der “Nürnberger Nachrichten“ hatte der inzwischen pensionierte Gründer des Martin-Luther-Hauses das Mädchen in den 1970er Jahren wiederholt in das Raucherzimmer des Heims gesperrt, dort geküsst und unsittlich berührt. Auch beim pädagogischen Reiten habe er ihr zwischen die Beine gefasst. Zudem habe er hin und wieder den Mädchen beim Duschen zugeschaut. Auch sei sie von dem Heimleiter mehrfach schwer verprügelt worden. Selbst nach 40 Jahren leide sie noch unter den Erlebnissen, berichtete sie dem Blatt. Sie hoffe nun auf eine Behandlung in einer Traumaklinik in Baden-Württemberg.

Der Sprecher der zur Diakonie gehörenden Stadtmission, Thomas Warnken, erklärte am Mittwoch, die Vorwürfe seien der Heimleitung bislang unbekannt gewesen: “Wir haben uns noch einmal bei älteren Mitarbeitern umgehört. Die haben aber auch gerüchteweise von solchen Vorwürfen nichts gewusst“, berichtete Warnken. “Trotzdem sind wir natürlich interessiert, herauszufinden, ob etwas passiert und was passiert ist“, sagte er. Er würde sich wünschen, dass die in München lebende 42-Jährige den direkten Kontakt mit der Nürnberger Stadtmission sucht. Zugleich kündigte er die Einrichtung einer neutralen Ansprechstelle für Missbrauchsopfer an.

Der Stadtmission-Sprecher bestätigte zugleich, dass der heute 75 Jahre alte frühere Leiter des Martin-Luther-Hauses nach einem Vorfall im Jahre 1996 von der direkten pädagogischen Arbeit entbunden worden war. Der Heimleiter habe damals bei einer Freizeit zusammen mit einer Jugendlichen in einem Zelt übernachtet. Allerdings soll es dabei nicht zu einem Missbrauch des Mädchens gekommen sein. Der heutige evangelische Landesbischof Johannes Friedrich habe in seiner damaligen Funktion als Nürnberger Dekan dennoch darauf bestanden, dass der Heimleiter einen Schreibtisch-Job erhielt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Es waren nur wenige Millisekunden, die ein Autofahrer gezwungenermaßen unachtsam war - doch seine Niesattacke hat auf der A73 zu einem Unfall geführt. 
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Autofahrerin prallt mit Wagen gegen Hauswand und stirbt
Bei einem schweren Unfall am Samstagnachmittag ist eine Frau ums Leben gekommen. Die 63-Jährige war in Regensburg gegen eine Hauswand gefahren.
Autofahrerin prallt mit Wagen gegen Hauswand und stirbt
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Ein Auto ist im Kreis Dillingen in die Donau gefahren. Taucher fanden am Samstagnachmittag die Fahrerin im Wageninneren.
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen …
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen

Kommentare