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Der Haupteingang des Klinikums Bamberg, aufgenommen am 21.08.2014 in Bamberg (Bayern). Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelt gegen einen Klinikarzt, weil er seine Patientinnen betäubt und dann missbraucht haben soll.

Entscheidung fiel am Freitag

Missbrauch: Kündigung für Bamberger Chefarzt

Bamberg - Der Chefarzt am Klinikum Bamberg, der Patientinnen betäubt und anschließend missbraucht haben soll, hat eine außerordentliche Kündigung erhalten. Derzeit sitzt er in U-Haft.

Nach dem Missbrauchsskandal am Bamberger Klinikum ist dem beschuldigten Chefarzt gekündigt worden. Die Entscheidung für die außerordentliche Kündigung fiel am Freitag in einer Sondersitzung des Stiftungsrats der Sozialstiftung Bamberg, wie eine Sprecherin der Klinik mitteilte. Dem Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie wird vorgeworfen, Frauen betäubt und anschließend missbraucht zu haben. Seit Mittwoch sitzt der 48-Jährige in Untersuchungshaft. Er wird der Körperverletzung, des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung beschuldigt. Vier Fälle sind bisher bekannt. Die Staatsanwaltschaft geht aber von weit mehr Betroffenen aus. Der Arzt soll die Frauen unter dem Vorwand einer angeblichen medizinischen Studie untersucht und sich dabei an ihnen vergangen haben. Die Ermittler werten derzeit zahlreiche Fotos aus, die der Mann von seinen Taten machte.

Knapp zehn Frauen haben sich bisher bei der Hotline der Klinik gemeldet. Die leitende Psychologin Regina Schumacher berät die Anruferinnen und gibt ihnen - falls dies geboten scheint - auch gleich die Nummer der Kripo, bei der sie sich weiter informieren können. „Viele rufen an, die am Zweifeln sind, ob sie überhaupt betroffen sind“, sagt die 56-Jährige. Das sei natürlich eine besondere Situation und für die Frauen sehr belastend. Durch Informationen und ihre Hilfe will Schumacher den Frauen wieder ein Gefühl der Kontrolle geben.

„Viele zeigen nach so einem Vorfall körperliche Reaktionen, sind sehr unruhig, können nicht mehr schlafen.“ Ihr Aufgabe sei, mit den Frauen über ihre Reaktionen zu sprechen und sie emotional zu stabilisieren. „Mit ist ganz wichtig, dass die Frauen sich nicht alleine fühlen“, sagte Schumacher. Sie biete ihnen auch persönliche Gespräche an.

Der Stiftungsrat betonte in seiner Sondersitzung erneut, alle Maßnahmen unterstützen zu wollen, um die Vorfälle vollständig aufzuklären und den Ermittlungsbehörden behilflich zu sein. Besonders wichtig sei es dem Rat unter der Leitung von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), dass die betroffenen Frauen weiter „sämtliche Unterstützungen und Informationen erhalten, die erforderlich sind“.

Eine Medizinstudentin hatte den Skandal ans Licht gebracht. Die 26-Jährige machte in dem Krankenhaus ein Praktikum im Rahmen ihres Studiums. Dabei nahm sie an der angeblichen Studie teil. Der Chefarzt spritzte der jungen Frau ein starkes Beruhigungsmittel, das sie kurzzeitig bewusstlos machte. Die Studentin ging nach dem Vorfall in ein anderes Krankenhaus und ließ dort ihr Blut untersuchen. Danach erstattete sie Anzeige wegen Körperverletzung. Von dem Missbrauch erfuhr sie erst durch die Ermittlungen.

dpa

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