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Missbrauchsdebatte überschattet Priesterweihen

Regensburg -  Die schwerwiegende Krise der katholischen Kirche hat die Priesterweihen in Bayern am Wochenende überschattet. In Augsburg warb der Diözesanadministrator um neues Vertrauen, in Freising lobte Erzbischof Marx die zölibatäre Lebensform.

Die Zahl der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche steigt - die Zahl der Neupriester fällt. Die Negativschlagzeilen der vergangenen Monate haben am Wochenende in den bayerischen Bischofsstädten die Priesterweihe überschattet. In Augsburg hat Diözesanadministrator Josef Grünwald am Sonntag im durch den Rücktritt von Bischof Walter Mixa gebeutelten Bistum um neues Vertrauen geworben.

"Ich habe keine Angst vor der Vielfalt, solange sie um Christus als Klammer der Einheit weiß. Wir brauchen einander nicht auf Händen zu tragen, aber wir sollten versuchen, ein Netzwerk des Vertrauens zu knüpfen, das hält, wenn Belastungsproben und Krisen kommen", sagte Weihbischof Grünwald bei der Priesterweihe.

Für die Zukunft des Bistums hänge vieles von einem besseren Verständnis zwischen dem künftigen Bischof, den Priestern, Diakonen und Laien, zwischen Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen ab, sagte Grünwald nach Angaben des Ordinariats.

In seiner Predigt sprach Grünwald die Krise des Bistums direkt an: "Besonders in dieser schwierigen Zeit, die wir gerade erleben und erleiden, ist der Priester nicht nur berufen, Rechtgläubigkeit zu lehren, sondern Glaubwürdigkeit vorzuleben", sagte er zu den fünf Diakonen, die sich zu Priestern weihen ließen. Mit ihrer Bereitschaft, das Weihesakrament zu empfangen, hätten die Männer einen "mutigen Schritt des Vertrauens in die Kirche" demonstriert.

Der ehemalige Oberhirte Mixa war nach Prügel- und Veruntreuungsvorwürfe zurückgetreten, wollte dies dann aber wieder revidieren. Dennoch nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch Anfang Mai an. In einem internen, von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bestätigten Dossier, waren Mixa angebliche Alkoholprobleme und angebliche homosexuelle Annäherungsversuche angelastet worden. In der vergangenen Woche dann veröffentlichte Mixa einen Brief, in dem er um Verzeihung für all seine Fehler bat und seinen Rücktritt nicht mehr infrage stellte.

"Keiner von uns hätte vor einem Jahr geahnt, dass innerhalb des Priesterjahres eine Diskussion entbrennen würde, die die Grundlagen des priesterlichen Dienstes in Frage stellen würde", sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Samstag bei der Weihe von vier Diakonen. Pfarrer dürften "Vollmacht nicht mit Macht verwechseln", predigte Marx nach Angaben des Ordinariats im Freisinger Mariendom. Zugleich verteidigte er das Zölibat: Die ehelose Lebensform in Nachfolge Jesu sei eine "positive Herausforderung".

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verband die Weihe von acht Neupriestern mit einer Mahnung: Ein schlechter Hirt sei einer, der das Vertrauen, das die Gläubigen zu Recht in ihn setzen sollten, sträflich missbrauche, und der meint, außerhalb seiner Dienstaufgaben einen ungeistlichen oder gar sündhaften Lebensstil pflegen zu können.

21 junge Männer wurden am Wochenende in mehreren bayerischen Diözesen zu katholischen Priestern geweiht. Insgesamt gibt es heuer in den sieben Bistümern des Freistaats 28 neue Diözesanpriester, 12 weniger als im Vorjahr.

dpa

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