Missbrauchs-Prozess

Missbrauchsopfer mit HIV infiziert

Ein HIV-infizierter 51-Jähriger hat vor einem Münchner Gericht den Missbrauch eines geistig zurückgebliebenen Buben zugegeben.

München - Ein HIV-infizierter 51-Jähriger, Arno S., hat am Dienstag vor dem Münchner Landgericht den sexuellen Missbrauch des geistig zurückgebliebenen Sohnes eines Nachbarn gestanden. Der Angeklagte hatte mit dem 15 Jahre alten Buben ohne Kondom verkehrt und ihn mit dem Immunschwäche-Virus angesteckt. Er habe von seiner Infektion gewusst, hatte der Angeklagte über seinen Anwalt zugegeben.

Seit fünf Jahren weiß Arno S. von seiner HIV-Infektion. Dennoch hat er seither ausschließlich ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. 2007 hat er einen 15 Jahre alten, geistig zurückgebliebenen Jungen vergewaltigt und diesen nachweislich mit dem Virus infiziert. Deshalb hat er sich jetzt vor dem Landgericht München wegen gefährlicher Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen zu verantworten.

Im Prozess wird es auch darum gehen, ob Arno S. eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und deshalb eine Sicherungsverwahrung für den 51 Jahre alte Maler angeordnet werden kann. Sollte dies der Fall sein, würde Arno S. nicht auf freien Fuß kommen, nachdem er seine Haftstrafe verbüßt hat.

Sein Mandant habe in der Haft viel nachgedacht, erklärte Verteidiger Michael Adams vor Gericht. „Ihm wird zunehmend bewusst, was er dem Geschädigten angetan hat." Arno S. empfinde es inzwischen auch als „völlig inakzeptabel und verantwortungslos", mit welcher Sorglosigkeit er trotz HIV-Infektion sein sexuellen Bedürfnisse ausgelebt habe. So hatte sich Arno S. zum Beispiel regelmäßig in einschlägige Kinos oder auf Straßentoiletten begeben, um dort mit Unbekannten ungeschützt zu verkehren.

Erst ab 1990 habe sich seine homosexuelle Neigung entwickelt, erklärte der Angeklagte gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen Karl-Heinz Crumbach. Zuvor habe Arno S. als dreifacher Familienvater ein anderes Leben geführt. Erst als seine Frau sich von ihm trennte, habe er entdeckt, dass er Männer anziehender als Frauen finde. Nicht aber Kinder und Jugendliche, betonte Arno S. „Ich bin doch kein Kinderschänder."

Warum er sich 2007 dann doch an einen Jugendlichen herangemacht hat, dazu sagte Arno S. nichts. Ebenso wenig wollte er sich zu einem Vorfall mit seinem damals dreijährigen Sohn äußern. Deshalb hatte er bereits 1990 wegen sexuellen Missbrauchs eine Bewährungsstrafe bekommen. Danach hatte sich seine Frau von Arno S. getrennt. Der Prozess dauert an.

dpa/bl

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