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Pfarrer Karl Heinz Bierlein

Missbrauchsvorwürfe: Ex-Diakonie-Chef verlässt Landeskirche

Rummelsberg/München - Der nach zweifelhaften Psycho-Experimenten verurteilte Ex-Chef der Rummelsberger Anstalten, Pfarrer Karl Heinz Bierlein, verlässt den Dienst der evangelischen Landeskirche in Bayern.

Einem entsprechenden Entlassungsantrag Bierleins habe der Landeskirchenrat nun zugestimmt, teilte die Kirchenleitung am Mittwoch in München mit. Bierlein werde zum 31. Dezember aus dem Dienst ausscheiden.

Das Amtsgericht Hersbruck hatte gegen den Ex-Rektor des umfassenden Diakonie-Komplexes mit Dutzenden von Einrichtungen in der Nähe von Schwarzenbruck bei Nürnberg im Juni 2008 einen Strafbefehl erlassen. Darin hatte das Gericht eine Bewährungsstrafe von elf Monaten und als Bewährungsauflage eine Geldauflage von 10 000 Euro festgesetzt. Das Gericht sah den Tatbestand der schweren Körperverletzung als erfüllt an.

Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, nachdem sich Diakone öffentlich über "Grenzüberschreitungen" Bierleins beschwert hatten. Im Rahmen eines Buchprojekts zu den Themen "Autorität", "Körper", "Schmerzgrenzen" soll sich der damalige Chef der Rummelsberger Anstalten von den Probanden die Einwilligung zu körperlichen Misshandlungen erschlichen haben. Bierlein, der die Anschuldigungen stets bestritt, war nach Bekanntwerden der Vorwürfe von seiner Stellung als Rektor der Einrichtung zurückgetreten.

Mit seiner Entlassung aus dem landeskirchlichen Dienst verliere Bierlein unter anderem den Auftrag und das Recht zur öffentlichen Wortverkündigung und zur Sakramentsverwaltung, hieß es in einem Schreiben der Landeskirche. Zudem habe er keine Ansprüche mehr auf die erworbenen besoldungs- und versorgungsrechtlichen Anwartschaften.

Die Rummelsberger Brüderschaft erklärte in einer Mitteilung, Bierlein habe den seelsorgerischen Auftrag missachtet und seine Funktion als Dienstvorgesetzter missbraucht. Junge Menschen seien erheblich seelisch verletzt worden. Unterdessen hofft die Brüderschaft auf Bierleins Bereitschaft zur Aufarbeitung der Vorgänge. Wegen eines Kontaktverbots habe bisher keine Möglichkeit dazu bestanden. "Wir hoffen, dass Dr. Bierlein nun nach Abschluss der juristischen Verfahren zu deutlich erkennbaren Schritten in diese Richtung bereit ist und diese auch geht", heißt es in einer Erklärungen des Brüderschaftsrats und der Brüderschaftsleitung.

Die Rummelsberger Anstalten sind nach eigenen Angaben einer der führenden Träger der Diakonie in Deutschland. Mehr als 6300 Mitarbeiter sind in 210 Einrichtungen und Diensten, in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, in Alten und Pflegeheimen, in Schulen und Ausbildungsstätten beschäftigt.

dpa

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