Missbrauchsvorwürfe verjährt: Kein Verfahren gegen Ex-Domkapitular

Bamberg - Ein ehemaliger Domkapitular der Erzdiözese Bamberg muss sich nicht wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor Gericht verantworten.

Die Ermittlungen hätten zwar ergeben, dass der 64-Jährige zwischen 1978 und 1984 in zehn Fällen in einem Schülerwohnheim sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren vorgenommen habe, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Joseph Düsel am Montag in Bamberg. Die Vorwürfe seien jedoch verjährt. Deshalb sei eine Anklage trotz eines hinreichenden Tatverdachts nicht mehr möglich.

Der Priester war von 1976 bis 1991 am Ottonianum in Bamberg tätig, zunächst als Präfekt und später als Direktor. Anschließend übernahm er eine Pfarrstelle in Ansbach. Zuletzt war der 64-Jährige als einer von zwölf Domkapitularen Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal der Erzdiözese. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde der Geistliche im Juli 2008 aller kirchlichen Ämter enthoben.

Nach Angaben des Erzbischöflichen Ordinariats hat der Priester die ihm angebotenen therapeutischen Hilfsangebote nur bedingt in Anspruch genommen. Er gebe nach wie vor an, sich nicht an die ihm zur Last gelegten Taten erinnern zu können, betonte Pressesprecherin Elke Pilkenroth am Montag.

Der Arbeitsstab für die Prüfung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche will nun die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft einsehen. “Über das weitere Vorgehen und mögliche Strafmaßnahmen gegen den Beschuldigten wird die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom nach Überprüfung der von der Bistumsleitung einzureichenden Unterlagen entscheiden“, hieß es. Das Bistum werde alles tun, die Angelegenheit komplett aufzuklären.

Das Ottonianum war 1866 als erzbischöfliches Knabenseminar zur Förderung des Priesternachwuchses gegründet worden. In dem Internat waren Jungen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren untergebracht. 1999 wurde es wegen mangelnder Auslastung geschlossen.

Anhaltspunkte für einen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, bei dem die Verjährungsfrist 20 Jahre beträgt, haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei der Vernehmungen der Opfer nicht ergeben. Es habe zwar sexuelle Übergriffe gegeben, die Knaben seien jedoch nicht zu sexuellen Handlungen gezwungen worden. Anhaltspunkte für weitere Straftaten in der Zeit nach 1983/1984 hätten die Ermittlungen nicht ergeben.

dpa


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