Misshandlungen in Domspatzen-Vorschule

Regensburg - In der Vorschule der weltberühmten Regensburger Domspatzen haben der langjährige Direktor und mehrere andere Lehrer über Jahrzehnte Kinder misshandelt.

Das Bistum Regensburg hat inzwischen Berichte von acht ehemaligen Schülern der Schule Etterzhausen, die so schwer geschlagen wurden, dass von Körperverletzung auszugehen ist. Die Taten ereignete sich 1956 und 1983. Die Berichte sollen nun schnell der Staatsanwaltschaft Regensburg zur Verfügung gestellt werden, wie Bistumssprecher Clemens Neck am Dienstag sagte. Er sprach selbst von “Zwangsmaßnahmen, die die Kinder bis zum Erbrechen quälten, Demütigung, gezielter Verängstigung, bewusster Ungerechtigkeit und nachhaltiger Körperverletzung“. Der ehemalige Schulleiter kann aber juristisch nicht mehr belangt werden, weil er schon tot ist.

Die damals acht bis zehn Jahre alten Buben hätten sich verlassen, ausgeliefert und entmündigt gefühlt, berichtete Neck. Neben dem Direktor sollen auch drei weitere Lehrer und zwei studentische Hilfskräfte Kinder misshandelt haben. “Konkrete Hinweise auf mögliche Körperverletzung geben wir an die Staatsanwaltschaft weiter, unabhängig von den Verjährungsfristen.“ Von den insgesamt sechs Tätern, die von den Opfern genannt wurden, leben noch zwei. Das Bistum will sich nun um Versöhnung bemühen.

Die zwei ehemaligen Pädagogen seien bereit, bei der Aufklärung konstruktiv mitzuarbeiten. Bei dem Bericht des Bistums ging es um Prügel, nicht um sexuellen Missbrauch. Bei den Domspatzen sei das Klima nach den Berichten der ehemaligen Schüler besser gewesen, auch bei dem Knabenchor gab es demnach aber Züchtigung “im Rahmen des Üblichen und zum Teil darüber hinaus“. Misshandelten ehemaligen Schülern bietet das Bistum Beratung und im Bedarfsfall auch eine Therapie an. “Bei manchen wirken sich die psychischen Folgen bis in den heutigen Alltag aus“, sagte Angelika Glaß-Hofmann, die sich im Auftrag des Bistums um die Misshandlungs- Fälle kümmert.

dpa

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