Spaß am Dialekt: Daniela Grimm (38) unterrichtet das Wahlfach „Bairische Mundart“ an einer Münchner Grundschule. Das Wort „kneißn“ an der Tafel bedeutet „begreifen“. foto: Gradl

Mission Mundart

Pfingsten ist das Fest der Missionen. Die Mission von Daniela Grimm (38) ist es, Grundschülern Bairisch zu lernen.

„Griaß eich mitnand.“ Daniela Grimm, 38, betritt das Klassenzimmer. Sie ist Lehrerin an der Ernst-Reuter-Grundschule in München, heute unterrichtet sie ein besonderes Fach: Bairisch. Vor ihr sitzen 30 Kinder, erste bis vierte Klasse. Die Mundart-AG. Mit dem Wetter geht’s los. „Es hod vier Grod“, sagt Xaver, 9. Und: „Die Bewoikung is scho gonz stork, es regnet zum Glück neda.“ Lennart, 7, ergänzt: „Es geht a bissl a Wind.“ Wie man halt so redet in Bayern. 45 Minuten lang geht das jetzt so. Wie jeden Montag. Bairisch ist hier Wahlfach, das gibt es an wenigen Schulen im Freistaat.

Und jedes Mal reden sie über das „Wort der Woch“. Das gibt Daniela Grimm den Schülern immer mit. Sie sollen herausfinden, was es bedeutet. „Stiegnglander“ war es letzte Stunde. Als die Lehrerin jetzt danach fragt, schnellen ein paar Hände hoch. Karima, 7, hat bei der Oma nachgeforscht: „Stiegnglander“ ist im Bairischen das Treppengeländer. Oder ein wilder Hundemischling - wenn man es ‚Stirnglander‘ ausspricht.“ Daniela Grimm nickt anerkennend. Später erklärt sie: „Das sind Wörter, die ich selber schon lange nicht mehr benutzt hab’. Bevor die in Vergessenheit geraten, hol’ ich die raus.“ Die Kinder kennen die Bedeutung meist spontan nicht.

Daniela Grimm hat die Mundart-AG 2006 gegründet. Die Idee hatte die Schulleiterin, die selbst kein Bairisch spricht. Grimm war begeistert. Sie kommt aus dem Ort Niederstraubing im Landkreis Erding. „Ich red’ selber Bairisch, meine Eltern reden Bairisch, alle um mich rum reden Bairisch.“ Aber als sie nach München zog, war er weg, der Dialekt. Auch bei ihr: Manche Mundartwörter fielen ihr nicht mehr ein. Aber: „Bei mir wird man die Herkunft im Hochdeutschen immer hören“, sagt Grimm.

Auf ihrem Weg durch das Schulhaus grüßt sie die Schüler aus der Mundart-AG in Mundart: „Manche schaugn dann wie a Schwoiberl, wenn’s blitzt“, erzählt sie und lacht. Der Erhalt der Mundart ist nun mal keine einfache Aufgabe.

Im Unterricht lernen die Kinder heute die Farben auf Bairisch. Es ist die Woche vor Ostern, jedes Kind findet auf seinem Tisch ein farbiges Ei aus Papier. Grimm erzählt: „Da Osterhos is ganz schee gstresst, sog i eich. Der hod einige Oar verloarn.“ Die Kinder sollen die Farben nennen. „I hob a blaus Oar.“ „I hob a greans Oar.“ „I a goibs Oar.“ Man könnte das auch anders sagen. Grimm: „Ich sage zu gelb goib, meine Schwiegermutter aus Berchtesgaden sagt geib.“ Es gibt viele Dialekte im Bairischen. Grimm macht die Kinder auf solche Unterschiede aufmerksam.

Die Schulstunde neigt sich dem Ende zu, es wird Zeit für das nächste „Wort der Woch“. Daniela Grimm erzählt, dass sie das Wort gestern seit langer Zeit wieder gehört habe, von ihrem Mann. Das Wort „kneißn“. Sie schreibt es an die Tafel. Als Beispiel sagt sie: „Die Kinder ham sofort ’kneißt, wo da Osterhos die Oar versteckt hod.“ Bis zur nächsten Stunde sollen die Kinder herausfinden, was das Wort bedeutet. Ob sie’s wohl schnell kneißn?

(Benedict Witzenberger)

Der Brückenbauer

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