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Pater Theophil im Missionsmuseum.

Arbeit hat sich stark gewandelt

Mission possible: Ein Besuch bei den Mönchen von St. Ottilien

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Sie bohren Brunnen, bauen Krankenhäuser und Klassenzimmer. Seit mehr als 100 Jahren ziehen die Missionare aus St. Ottilien hinaus in die Welt. Die Bekehrung von Heiden steht dabei schon lange nicht mehr im Vordergrund. Doch der Grundgedanke ist noch immer derselbe wie damals.

St. Ottilien – Wenn morgen jemand an der Pforte von St. Ottilien nordwestlich des Ammersees klopft und um Rat bittet, kann es gut sein, dass er bei Pater Matthias Wetzel landet. Der 81-jährige Seelsorger mit den schneeweißen Haaren und dem herzlichen Lächeln „missioniert“ heute nur noch in der Heimat – und berät von Sorgen geplagte Menschen bei Burn-out, Depression oder Lebenskrisen. Es sind andere Sorgen als die der Menschen in Tansania, wo er über Jahrzehnte als Missionar im Einsatz war.

Missionar, das klingt wie aus der Zeit gefallen

Missionar. Das klingt sperrig, irgendwie aus der Zeit gefallen, wie ein Relikt des Kolonialismus. „Dabei geht es um viel mehr als nur schnell rüber nach Afrika, Leute taufen, Sache erledigt“, sagt Pater Matthias. Seine Erinnerungen an die vielen Jahre in Afrika sprudeln nur so aus ihm heraus. Erinnerungen an Lehmhütten, die von Kuhdreck zusammengehalten wurden, in denen Mensch und Huhn zusammenlebten. Erinnerungen an amerikanische Bücher, die er einfliegen ließ, um die Menschen über Aids aufzuklären. Aber auch Erinnerungen an ein zutiefst gastfreundliches und herzliches Volk und an die unzähligen Unterhaltungen mit den Menschen. „Mission ist Dialog“, sagt Pater Matthias. Und Mission ist für die Benediktiner von St. Ottilien auch konkrete Projektarbeit: Schulen, Krankenhäuser, Infrastruktur – Missionsarbeit ist auch Entwicklungshilfe.

Brunnen bauen in Tansania

Bruder Maximilian Schulze Walgern, 53, ist gerade auf Heimaturlaub. Vor drei Wochen war der Maschinenbau-Ingenieur noch in Nordtansania und hat den Bau eines Brunnens organisiert. „In diesem Massai-Gebiet gibt es bis zu sechs Monate kein Wasser. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen das Leben erträglicher zu machen.“ Als Bruder Maximilian noch als Herr Schulze Walgern angesprochen wurde, arbeitete er in der Bauindustrie. Doch irgendwie war da immer der Drang, den Menschen zu helfen. „Ich wollte langfristig etwas tun.“ Als er bei einer Radtour nach St. Ottilien quasi „ins Haus stolperte“, beschloss er seinen Job zu kündigen und dem Orden beizutreten. Die Kongregation schickte ihn nach Kenia, nach Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) und zuletzt nach Tansania, wo er als Praktiker, oder wie er sagt als „Mädchen für alles“, tätig ist.

Pater Matthias und Bruder Maximilian.

Die Arbeit der Missionare hat sich über die Jahre stark gewandelt, wie das Missionsmuseum des Klosters dokumentiert. Museumsleiter Pater Theophil Gaus führt an den Vitrinen und Glaswänden entlang. Dahinter stehen sie noch, die ausgestopften Löwen, Zebras und der Elefantenkopf, den die ersten Missionare zur Jahrhundertwende als Anschauungsmaterial für die Mitbrüder in die Heimat schickten. Exotische Grüße aus einer fremden Welt.

„Der Begriff ‚missionieren‘ hat einen negativen Klang“, findet Pater Theophil. Der Zwang schwingt mit. Doch Zwangstaufen habe es bei den Benediktinern nicht gegeben, betont er. Vielmehr hätten sich seine frühen Ordensbrüder schon während der harten deutschen Herrschaft in Deutsch-Ostafrika für die Bevölkerung eingesetzt – und sogar Kindersklaven freigekauft, wie Dokumente belegen. Für ihn hat die Mission noch immer ihre Berechtigung. „Aber nur, wenn wir wirklich ein Angebot haben und nicht nur im eigenen Saft schmoren.“ Als die Schüler des ans Kloster angrenzenden Gymnasiums sich mit den Missionaren befassten, fiel die Bezeichnung „Mission possible“. „Das trifft es für mich“, sagt Pater Theophil, der auch Lehrer ist. „Der Missionsgedanke ist noch immer vermittelbar.“

Es geht darum, die Kinder in die Schule zu bringen

Denn wie für die ersten Missionsbenediktiner ist der afrikanische Kontinent für viele noch immer eine fremde Welt. „Wir haben hier Scheuklappen auf“, sagt Pater Matthias. Als er vor einem halben Jahrhundert nach Afrika ging, musste er sich erst mal eine Bleibe schaffen und sehen, wo das Essen herkommt. „Heute geht es darum, die Kinder in die Schule zu bringen.“ Denn auch Bruder Maximilian weiß: „Noch jetzt gibt es dort Lehrer, die ihre Schulkinder lieber zur eigenen Feldarbeit einsetzen, als ihnen etwas beizubringen.“

Er lebt in der Abtei Hanga, 149 Mitbrüder, alles Afrikaner außer Bruder Maximilian. Auch das hat sich gewandelt. Die Verkündigung der Botschaft Christi übernimmt immer häufiger die indigene Bevölkerung. Trotz aller Veränderung sei der Grundgedanke aber immer noch derselbe, wie Bruder Maximilian betont: „Es geht darum, nicht nur Worte, sondern christliche Werte zu vermitteln.“ Egal ob in einem Dorf in Tansania. Oder an der Pforte von St. Ottilien.

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