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Blick vom Gipfelkreuz: Ein Bergsteiger steht am höchsten Punkt der Zugspitze. Derweil schmilzt im Inneren des Berges langsam das ewige Eis.

Berechnungen der Forscher

Mit ewigem Eis auf Zugspitze kann es schon 2080 zu Ende gehen

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Schon 2080 könnte das ewige Eis auf der Zugspitze komplett geschmolzen sein. Das zeigen Berechnungen des Landesamts für Umwelt. Lässt sich das hinauszögern – oder verhindern?

München – Für die Zugspitze hat Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am Landesamt für Umwelt, seine ganz eigene Beschreibung gefunden. Als „Steckerleis mit Schokoladenhülle“, bezeichnet er Deutschlands höchsten Gipfel. Der Schokoguss ist das Gestein. Darunter versteckt sich der für das menschliche Auge unsichtbare Permafrost. Oder wie Forscher auch gerne sagen: das ewige Eis. Doch mit der Ewigkeit geht es langsam aber sicher zu Ende.

Nach Berechnungen des Landesamts für Umwelt könnte es schon im Jahr 2080 vorbei sein mit dem schützenden Permafrost an der Zugspitze. „Wir brauchen eine Wende im Denken und im Handeln“, mahnt Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). „Wenn wir bei der Klimaerwärmung nicht gegensteuern, wird der Permafrost an der Zugspitze vollständig verschwinden.“ Damit dürften auch die anderen Permafrostvorkommen in den bayerischen Alpen schwinden – etwa im Allgäu oder rund um den Watzmann. Das hätte massive Folgen. Steinschläge und Felsstürze könnten zunehmen. Bei Bauprojekten auf der Zugspitze muss darauf schon jetzt vermehrt Rücksicht genommen werden.

Ursprung für die neuen Berechnungen, die jetzt in einer Studie veröffentlicht wurden, ist eine Bohrung von vor zehn Jahren. Damals fräste sich ein Spezialbohrer, der per Helikopter auf die Zugspitze geflogen wurde, 44 Meter lang horizontal durch den Gipfel. Es entstand ein 15 Zentimeter dickes Loch, das mit Messinstrumenten ausgestattet wurde. „Wir haben quasi auf jedem Meter ein Fieberthermometer angebracht“, erklärt Eichhorn. Die Forscher maßen von da an die Temperatur ihres Patienten. Nach zehn Jahren gibt es nun die erste Diagnose. Zustand: Besorgniserregend. Behandlung? Aussichtslos.

Kleines Loch, große Arbeit: 2007 bohrten Forscher ein 15 Zentimeter dickes Loch durch den Gipfel der Zugspitze – um die Temperatur im Berg messen zu können.

In den vergangenen 100 Jahren sind die Temperaturen in den Alpen mit 1,6 Grad Celsius doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Das hat sich auch auf den Permafrost im Inneren der Zugspitze ausgewirkt. Wie die Forscher herausfanden, hat er sich auf der Südseite der Bohrung in den vergangenen hundert Jahren um sieben Meter, auf der Nordseite um zwei Meter zurückgezogen. Auch die Durchschnittstemperatur ist angestiegen. Der „Kitt der Berge“, wie Eichhorn das ewige Eis nennt, ist auf dem Rückzug.

„Damit müssen wir leben“, fürchtet der Geologe. Denn selbst, wenn sich die Weltgemeinschaft zusammenraufen und wie im Kyoto-Protokoll vereinbart die Treibhausgase reduzieren würde – für den Permafrost in Bayern wäre es wohl zu spät, befürchtet Eichhorn. Bleibt also nur, sich auf die Folgen einzustellen. Wie das Umweltministerium mitteilt, werde deshalb bei Bauten auf der Zugspitze bereits heute mit Sicherheitszuschlägen und einer intensivierten Baugrundüberwachung reagiert. Wer Seilbahnstützen auf einen vereisten Boden bauen will, muss schließlich wissen, ob dieser Untergrund auch in 30 Jahren noch stabil ist.

Ganz ähnlich wie dem Permafrost geht es den bayerischen Gletschern. Auch hier ist die Prognose düster: In 20 bis 30 Jahren könnten bis auf den Höllental-Gletscher auf der Zugspitze alle Gletscher im Freistaat verschwunden sein. Derzeit gibt es noch fünf Gletscher in den bayerischen Alpen. „Der Höllentalferner hat noch den besten Gesundheitszustand“, sagt Glaziologe Wilfried Hagg von der LMU München. „Aber auch er hat im Messzeitraum von 2010 bis 2014 einen Meter an Höhe verloren.“ Bei den Gletschern ist der Rückgang noch viel deutlicher zu sehen als beim Permafrost. Weil das isolierende Gestein fehlt. Oder die „Schokoladenhülle“, wie Roland Eichhorn sagen würde.

Lesen Sie auf Merkur.deZu Besuch bei Robert Schardt, dem Wetterbeobachter der Zugspitze.

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