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Ihre Solidarität mit den Missbrauchsopfern, aber auch mit den Benediktinern demonstrierten gestern hunderte von ehemaligen Schülern und Freunden des Klosters Ettal.

„Mit Gottes Hilfe muss es weitergehen“

München/Ettal - Die Politik pocht auf einen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche. Der Vatikan verlangt energisches Durchgreifen. Im Kloster Ettal bekundeten hunderte ehemaliger und aktueller Schüler, Eltern und Lehrkräfte ihre Solidarität mit der Schule – aber auch mit Missbrauchsopfern.

Der Sonntagsgottesdienst in der Basilika von Ettal im Kreis Garmisch-Partenkirchen war mehr als gut besucht. Über 600 Gläubige – darunter viele ehemalige Schüler, die bis aus Berlin oder London angereist waren – verbanden den Besuch der Messe mit einer Solidaritätsbekundung mit dem Kloster und den Missbrauchsopfern.

Die Predigt hielt Pfarrer Florian Wörner, selbst Altettaler und heute Diözesanjugendpfarrer im Bistum Augsburg. Zweimal wurden seine Ausführungen von langanhaltendem Applaus unterbrochen. „Hier in Ettal ist auch viel Gutes auf den Weg gebracht worden. Das muss auch gesagt werden“, betonte er unter dem Beifall der Gottesdienstbesucher. Ebenso stimmten die Zuhörer die Aussage zu: „Die Mönche sind völlig zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt worden.“ Das Leben in Ettal müsse nach einer Phase der Ruhe, der Läuterung und der Umkehr weitergehen, „mit neuem Mut und neuer Zuversicht und mit Gottes Hilfe“.

Elternsprecher Peter Cammerer (47) erklärte, es sei wirklich schlimm, was passiert sei. Doch dass sich die Eltern hinter das Kloster und Abt Barnabas gestellt hätten, sei richtig gewesen. Dessen Rücktritt sei falsch, denn der Fall von 2005, der Pater G. angelastet werde, „war nach jetzigem Stand kein sexueller Missbrauch und daher nicht meldepflichtig. Daher ist Abt Barnabas vom Erzbistum zu Unrecht zum Rücktritt gebeten worden“. Altettaler Heiner S. betonte: „Was vor 20, 30 Jahren passiert ist, ist schrecklich. Aber für viele von uns, die ihre Schulzeit in Ettal verbrachten und hier eine hervorragende Ausbildung genossen haben, ist es eine Herzensangelegenheit, dem Kloster in dieser schweren Zeit beizustehen.“

Unterdessen suchen Mitglieder der Bundesregierung nach einem geeigneten Vorgehen angesichts der Missbrauchsskandale. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bekräftigte die Forderung nach einem Runden Tisch zur Aufarbeitung von Missbrauch und Gewalt in der katholischen Kirche. Das könne helfen, „den berechtigten Anliegen der Opfer endlich gerecht zu werden“. Ihr Vorhaben stößt aber weiterhin auf Widerspruch der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, die bei der Debatte alle gesellschaftlich relevanten Gruppierungen in der Pflicht sieht.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ fordert, auch Papst Benedikt XVI. müsse Farbe bekennen. „Denn Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 gehört genau zu den Jahren, um die es bei den Missbrauchsfällen geht“, sagte „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner. Totale Offenheit sei der einzige Weg, das Vertrauen in die Amtskirche und in die Kirchenleitung wiederherzustellen.

Angesichts der schlimmen Vorfälle könne er das schnelle und harte Durchgreifen in Ettal durchaus verstehen, erklärte der oberste Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf. Allerdings müsse bei einer Apostolischen Visitation das Vorgehen der Erzdiözese München und Freising noch einmal thematisiert werden. Wie berichtet, hatte das Erzbistum auf die Ablösung des Abtes und des Schulleiters gedrängt. Heute könne man Misshandlungen und Missbrauch nicht mehr unter den Tisch kehren, so Wolf. „Früher galt es als Schande. Man wollte das eigene Nest nicht beschmutzen.“ Wolf, der von 1977 bis 2000 Erzabt von St. Ottilien war, erklärte aber, er habe weder als Schüler noch als Erzabt etwas über Gewalt im Kloster erfahren. Künftig müsse in Klöstern die Reife der Mitglieder stärker geprüft werden: „Die Frage der Sexualität stellt sich bis ins hohe Lebensalter.“

hut/cm/dpa/kna

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