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In Tirol tapste das Raubtier in die Fotofalle. Bärenexperte Janovsky glaubt, dass der Bär aus dem Trentino kommt.

Auf Brunos Spuren

Ein Bär auf dem Weg nach Bayern: Bauern bleiben cool – vorerst

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13 Jahre nach der Aufregung um Bär Bruno nähert sich wieder ein Braunbär der bayerischen Grenze. Knapp 40 Kilometer Luftlinie südlich des Landkreises Garmisch-Partenkirchen hat das Tier drei Schafe gerissen. Bayerns Schafzüchter sind noch gelassen.

St. Leonhard/Mittenwald – Es war Mittwochfrüh, und der Nebenerwerbslandwirt Florian Melmer aus dem idyllischen Dorf St. Leonhard im Pitztal wollte nach seinen zehn Tieren draußen schauen. Nach den sechs Schafen, den zwei Kühen und deren Kälbern, die er südlich vom Dorf auf der eingezäunten Weide am Waldesrand wusste. „Das was ich dann sah, tat mir im Herzen leid“, sagte der 56-Jährige gestern. Drei gerissene Schafe lagen tot in ihrem Blut. „Die verbliebenen Tiere standen verwirrt und verängstigt am Rand.“ Florian Melmer gab ihnen Zuckerstückl, das half ein wenig. Dann rief er die Behörden – der Amtstierarzt und der Jäger wollten anfangs streunende Hunde als Täter nicht ausschließen, aber nun steht fest: Ein Bär geht um, und er marschiert auf den Spuren von Braunbär Bruno, der im Juni 2006 – kurz vor der Fußball-WM – Bayern besuchte, mit bekanntem traurigen Ende (siehe unten).

Tirol: Bär geht der Wildkamera vor die Linse

Noch aber steht der große Beutegreifer 40 Kilometer Luftlinie von der Grenze entfernt. Aber seit Bruno nach Bayern gekommen ist, weiß man ja, welche Strecken so ein Bär laufen kann. Noch steht das Ergebnis des DNA-Tests aus, doch es gibt Bildmaterial des Raubtiers, das von einer Wildkamera stammt, die noch am selben Tag installiert worden war. „In der Hoffnung, dass der Täter noch mal vorbeikommt“, sagt Melmer

Gestern in der Früh schaute er sich die Beute aus der Fotofalle an und traute seinen Augen nicht. Er blickte auf einen großen Bären und dachte gleich: „Jetzt werden sicher die Behörden wieder am Zug sein.“

Neuer Bär möglicherweise mit Bruno verwandt

Woher kommt der Bär? Martin Janovsky, der Beauftragte des Landes Tirol für große Beutegreifer, denkt, dass es sich bei dem Tier „mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein bisher unauffälliges männliches Jungtier aus dem Trentino handelt“, sagte er gegenüber dem ORF. Im Dreiländereck zwischen dem Vinschgau, Engadin und Tirol werden immer wieder Hinweise auf Bären gefunden. Zuletzt erst Ende Mai im Paznaun (Tirol), wo sich Spuren im Schnee fanden.

Zwischen St. Leonhard und Garmisch liegen 40 Kilometer und die Inntal- Autobahn.

Auch Bruno stammte aus dem Trentino. Als Erstgeborener der Bärin Jurka und des Bären Joze aus Slowenien – daher sein ursprünglicher Name JJ1. Möglicherweise ist der neue Bär sogar mit Bruno verwandt. Das von den Kadavern entnommen Probenmaterial wird für Aufklärung sorgen.

Wegen Bär: Bauern im Pitztal fürchten um ihre Nutztiere

Währenddessen haben die Bauern im Pitztal unruhige Nächte vor sich, Florian Melmer hat seine restlichen Schafe in den Stall gebracht. Die anderen Bauern sind vorsorglich vom Amts wegen dazu aufgerufen, erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen. Nutztiere, die sich auf den Weiden befinden, sollten nach Möglichkeit in der Nacht in den Stall gebracht werden. Zusätzlich bitten die Experten, Sichtungen zu melden sowie Bilder einzuschicken.

Die Landwirte im benachbarten Oberbayern bewahren noch Ruhe. Joseph Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen, Vorsitzender des Landesverband der bayerischen Schafhalter, betrachtet die Wanderung des Bären mit Gelassenheit. „Das Tier ist ja noch eine Strecke entfernt, und wer weiß, wie der Bär vom Pitztal aus weiterwandert.“ Jetzt heißt es für die bayerischen Schafhalter erst einmal: „Wir warten ab, bevor wie Maßnahmen ergreifen.“ Auf den Weiden und Almen lassen sich geeignete Maßnahmen ohnehin schwer abrupt durchführen. Schutzzäune müssten so lang sein, dass es die Möglichkeiten der Schafhalter übersteigt. Grasegger hofft: „Vielleicht dreht der Bär ja wieder um und marschiert dahin, wo er herkommt. Ins Trentino.“

So hielt Bruno Bayern in Atem

Ab Mai 2006 wanderte Braunbär Bruno von der italienischen Provinz Trentino nach Bayern. 

2006, Deutschland freut sich auf die Fußball-WM, die am 9. Juni in München beginnt. Gleichzeitig läuft in den Bergen eine ebenso spannende Geschichte ab, die Hatz auf Bruno, den Bären. Die Daten:

  • 20. Mai: Bei Garmisch-Partenkirchen reißt Bruno drei Schafe, einen Tag später vier weitere. 
  • 22. Mai: In der Nähe von Häusern tötet der Bär u.a. Geflügel. Das Umweltministerium erklärt: „Der Bär ist zum Problembären geworden.“ 
  • 30. Mai: Genetische Analysen klären die Herkunft: Ein Südtiroler. 
  • 1. Juni: Bayern will mithilfe finnischer Bärenjäger den Streuner aufspüren. 
  • 6. Juni: Bruno plündert in Tirol einen Kaninchenstall. 
  • 7. Juni: Die Umweltstiftung WWF stellt eine Röhrenfalle auf.
  • 11. Juni: Die Bärenjäger nehmen die Fährte auf. Bruno wird drei Tage später am Sylvensteinspeicher von einem Auto gestreift. 
  • 15. Juni: Bei Lenggries wird Bruno von einem der finnischen Elchhunde gestellt. Doch wieder kann der Bär entwischen. 
  • 17. Juni: Bruno marschiert durch Kochel und sitzt kurz vor der Polizeiwache. 
  • 23. Juni: Bayern erteilt eine vom 27. Juni an geltende Abschussgenehmigung. Der Tierschutzbund protestiert. 
  • 26. Juni, 4.50 Uhr: Das Ende seiner Wanderung: Bruno wird an der Kümpflalm (Rotwandgebiet) erschossen – von einem bis heute geheim gehaltenen Team. Zuvor war eine vorgezogene Abschusserlaubnis erteilt worden

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Braunbären gelten in Deutschland seit 150 Jahren als ausgestorben. Die Klimaerwärmung nach der Eiszeit ließ die Braunbären-Zahl schwinden. Auch Braunbärin Olga ist tot. Im Tierpark Hellabrunn war sie die letzte ihrer Art. Braunbären benutzen ihre Jungen als eine Art Schutzschild gegen Jäger - sagt eine Studie. In den rumänischen Karpaten ist ein 26-jähriger Niederbayer von einer Bärenmutter angegriffen und verletzt worden. 

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