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Bischof Walter Mixa ist leiser als sonst: Voll Demut bittet er nun um Verzeihung.

Mixas Demut löst die Probleme nicht

Augsburg - Im Bistum Augsburg wird der Rücktritt von Bischof Walter Mixa seit Tagen offen diskutiert. Je lauter die Rücktrittsforderungen werden, desto leiser ist der Bischof selbst.

Der sonst so wortgewaltige und mit markigen Sprüchen provozierende Bischof Walter Mixa appelliert an die Gläubigen appelliert pastoral um Zusammenhalt, geschlagene Heimkinder bittet er um Verzeihung und die aufgebrachten Priester in seinem Bistum sucht er mit seinem Charisma zu besänftigen: “Es tut mir im Herzen weh, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung.“

Das Problem heißt Walter Mixa

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Doch die Demutsgeste kann die Fakten weder erklären noch entschuldigen. Der Sprecher des Augsburger Priesterrates, Bernhard Ehler, bringt es auf den Punkt: “Wir haben ein Problem, das nicht gelöst ist.“ Und dieses Problem heißt Walter Mixa. Er soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (1975-1996) Heimkinder brutal geprügelt haben, räumt aber trotz vorliegender eidesstattlicher Erklärungen allenfalls Ohrfeigen ein. Er soll in dieser Zeit nennenswerte Geldbeträge aus dem Stiftungsvermögen für Waisenkinder zweckentfremdet haben, erklärt aber, es mit der “finanziellen Zuordnung“ nicht so genau genommen zu haben.

Doch die Fakten wiegen schwer. Der von der Stiftung eingesetzte Sonderermittler Sebastian Knott hat bei seinen Nachprüfungen zwei brisante Zahlungen aus Stiftungsmitteln entdeckt: einmal 15 000 Mark für diverse Wertgegenstände, unterzeichnet von Walter Mixa, und einmal eine Zahlung über 40 000 Mark für die Ausstattung und Erneuerung einer Kapelle, unterschrieben höchstwahrscheinlich von Mixa. Für beide Zahlungen konnten bislang keine Belege oder Rechnungen gefunden werden. Unklar ist, wer hier kassierte.

Peinlich ist die Angelegenheit um einen von Mixa gekauften Piranesi-Stich von einem kirchennahen Hochstapler in Rom für 43 000 Mark. Der Stich ist nicht nur überteuert - Schätzwert heute 2000 Euro - sondern offensichtlich gefälscht. Auf dem “Kunstwerk“ steht die Jahreszahl 1707, da war Piranesi noch gar nicht geboren. Undurchsichtig auch dieser Ankauf: Mixa ließ ein spätgotisches Kreuz mit zwei Renaissance-Engeln für 70 500 Mark anschaffen.

Der Schätzwert dafür liegt laut Sonderermittler bei 47 000 Mark. Und völlig dubios ist die Anschaffung eines Solariums, wohlgemerkt für ein Kinderheim, für rund 6000 Mark. Es wurde kaum benutzt. Und auch Mixas Bischofsring - Kosten 3854,34 Mark - wurde von der Waisenhausstiftung bezahlt. Es war ein Abschiedsgeschenk an den Bischof, offenbar ohne Beschluss des dafür zuständigen Gremiums. Und für wen war der Wein, der in Mixas Zeit mit über 5380 Mark berechnet ist, alles aus Stiftungsmitteln? Dazu passen Rechnungen für drei Korkenzieher von zusammen über 500 Mark, wieder von der Stiftung bezahlt, der Mixa vorstand.

Der Waisenhausstiftung ist durch Mixa offenbar erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Der Sonderermittler spricht von einem vorläufigen Fehlbetrag von etwa 15 000 Mark - rund 7500 Euro. Die Summe könnte noch erheblich steigen.

Münchens Erzbischof Reinhard Marx hat Mixa vorigen Samstag in Augsburg als Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz besucht. Er soll mit dem angeschlagenen Amtsbruder die Situation erörtert haben. Immerhin verlassen die Gläubigen in Scharen die Kirche, die Lage ist ernst. Aber eine Weisungsbefugnis hat Marx nicht. Das hätte nur der Papst. Dennoch wird im Bistum kräftig spekuliert.

Mixa könnte seine Amtsgeschäfte bis zu einer Aufklärung der Vorwürfe ruhen lassen - und dann abtreten. Er könnte auch sofort zurücktreten, was in der gegenwärtigen Krise für die katholische Kirche ein schwerer Schlag wäre. Er könnte sich aber auch von seinen mächtigen Beratern befreien, heißt es immer wieder. Das wäre zwar für viele eine Erleichterung, die den Bischof falsch beraten sehen, aber wenig hilfreich für die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Bischofs, der an diesem Sonntag 69 Jahre alt wird.

Nikolaus Dominik, dpa

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