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Großes Medieninteresse an den Urlaubern aus Mexiko.

"Abwarten, ob wir Symptome zeigen"

München - Am Münchner Flughafen sind die ersten Passagiere aus Mexiko gelandet. Die Urlauber zeigten sich angesichts der Schweinegrippe entspannt, dennoch sagte eine der Passagiere: "Wir warten jetzt ab, ob wir Symptome zeigen."

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Stunden bevor der Airbus A 330-200 der Fluggesellschaft LTU im Erdinger Moos aufsetzt, sind die Seuchenexperten des Gesundheitsamtes und des Flughafens gerüstet. Amtsleiter Dr. Wolfgang Hierl und Christina Centner, Sprecherin der Kreisverwaltung, stellen sich unzähligen Mikros. Die Journalisten im Abfertigungsbereich B des Terminal 1 bekommen beruhigende Neuigkeiten aus der Kabine des Ferienfliegers: „Keiner der Passagiere weist Grippe-Symptome auf“, versichert Hierl. Die Lage an Bord sei ruhig. Alle 297 Passagiere und Crew-Mitglieder seien mit Infoblättern und Ausstiegskarten versorgt worden. So sind die Reisenden auch dann noch erreichbar, wenn eine Schweinegrippe-Infektion erst nach einigen Tagen erkannt wird.

Vor der gläsernen Wand am Ausgang versammeln sich immer mehr Angehörige. Wolfgang Brandl aus Straubing lässt sich von der Aufgeregtheit der vielen Journalisten und Kamerateams nicht anstecken. Sein Hund liegt unter dem Stehtisch, an dem sich Brandl Brezn und Kaffee schmecken lässt. „Ich hole meine Tochter und meinen Schwiegersohn ab“, erzählt er. Via E-Mail und SMS habe man Kontakt gehalten. „Beiden geht’s gut. Als Polizisten sind die beiden ohnehin nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen.“

Leicht verdutzt ob des Auflaufs sind Gerdi und Karlheinz Seitz aus Nürnberg, die Sohn und Schwiegertochter in Empfang nehmen. „Eine Woche waren sie in Cancun, und seit der Ankunft haben wir nichts mehr von ihnen gehört.“ Umso erleichterter sind sie, als sie hören: „An Bord sind keine Verdachtsfälle.“ Angst hätten sie nicht gehabt, „aber in Sorge um die eigene Familie ist man natürlich schon“, gesteht Gerdi Seitz und krault ihren Schoßhund, der auf dem Kofferwagen sitzt. Der Dramatik der Schweinegrippe ist sich Heinrich Kaiser voll bewusst. Er ist hier, um den Sohn seiner Lebensgefährtin abzuholen. „Ich bin aus Mallersdorf, das ist der Ort, aus dem einer der Infizierten kommt“, berichtet er. Dass es seine eigene Familie treffen könnte, hält er für unwahrscheinlich. „Des glaub’ ich eher net. Unser Ort ist schon bedient.“

Punkt 12 Uhr setzt die rot-weiße Maschine auf und rollt zu ihrer Parkposition direkt am Terminal. Doch aussteigen dürfen die Urlauber und die Handvoll Geschäftsreisenden erst einmal nicht. Ärzte des Medizinischen Dienstes Medicare der Flughafen München GmbH gehen an Bord und nehmen Crew und Reisende unter die Lupe. Eine halbe Stunde später kommen Dr. Hans Hammel und Dr. Johannes Dietl in die Abflughalle und recken vor Gesundheitsamtschef Hierl den Daumen: „Alles in Ordnung!“ Dann leert sich die Maschine schnell.

Die Reisenden müssen vor der Passkontrolle an einem kurzerhand von Medicare aufgebauten Infostand vorbei, wo sie von neun Mitarbeitern des Gesundheitsamtes noch einmal aufgeklärt werden. Einer von ihnen ist Siegfried Ippisch. „Wir haben den Leuten erklärt, wie sie sich in den nächsten Tagen verhalten sollen, insbesondere dann, wenn doch noch grippale Symptome auftreten.“ Der erste Cancun-Reisende, der das Terminal betritt, ist Bernd Burchards aus Wiesbaden. „Ich war zwei Tage geschäftlich in Mexiko“, berichtet der 57-Jährige. Es sei absolut ruhig gewesen, in Cancun genauso wie während des Fluges. Zwar habe er eine Familie mit Kleinkind gesehen, die mit Mundschutz im Flieger saßen, „von Panik oder Angst war aber nicht das Geringste zu spüren“. Von Kollegen aus Mexiko-Stadt weiß er: „Da geht’s jetzt ganz anders zu.“

Dass sie zwei Wochen Urlaub hinter sich hat, ist Jutta Rennert anzusehen. Braungebrannt und gut gelaunt rollt die Plauenerin ihre Koffer in die Ankunftshalle. „Wir sind perfekt erholt. Es war eine unglaublich schöne Zeit“, erzählt sie. Die Schweinegrippe habe vor allem in den Medien stattgefunden. Im Hotel sei man zwar vom Personal informiert worden. Auch habe man das Grippemittel Tamiflu bekommen können, „aber das war nicht erforderlich“. Sofort würde sie wieder runterfliegen, „wenn Sie mir das Ticket zahlen“, ruft sie gut gelaunt den Reportern zu.

Auch Gerhard Steiner aus Steinach in Thüringen kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Es gab in Cancun keinerlei Einschränkungen.“ Von dem gefährlichen Virus habe er vor Ort erst erfahren, „als ich das deutsche Fernsehen angeschaltet habe“. Franz Auer aus Matrei am Brenner berichtet von einem völlig ruhigen Rückflug. Nach der Landung sei man von Ärzten kurz untersucht und aufgeklärt worden. „Ich bin fest überzeugt, dass mich das nicht betrifft“, verrät er mit einem entspannten Lächeln. Auf die Frage, ob er in den vergangenen Tagen ein mulmiges Gefühl gehabt habe, antwortet er: „Ja, iwo!“ Eine Urlauberin meint: "Ich habe zwar gehört, dass meine Sitznachbarn gleich nach der Landung zum Arzt gehen wollen." Sie wolle aber nichts überstürzen: "Wir warten jetzt mal ab, ob wir Symptome zeigen."

Sichtlich beruhigt ist auch das medizinische Personal nach der Abfertigung des gelandeten Airbus. Dr. Hans Hammel kann nur von zwei Mexiko-Reisenden berichten, die am Mittwoch über Spanien nach München geflogen seien. „Die hatten Symptome und waren besorgt. Den Verdacht der Schweinegrippe konnten Experten noch am Airport beiseiteschieben. Die Isolierbetten im Klinikum München-Schwabing, sie bleiben erst einmal frei.

von Hans Moritz

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