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Auf den Almen wird‘s eng.

Die Almplätze sind so begehrt wie noch nie

München - Der Trend geht auf die Alm: Immer mehr Landwirte möchten ihre Kühe über die Sommermonate in die Berge schicken. Folge: Die Almen sind total ausgebucht!

Im Allgäu grasen heuer 500 Tiere mehr als 2008 auf den Almen, in Oberbayern müssen bis zu 200 Tiere unfreiwillig im Tal bleiben. Die kurioseste Anfrage bekam Michael Hinterstoißer, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern und Sachgebietsleiter für Almwirtschaft in Oberbayern, heuer aus Berlin . Der Betrieb wollte zwei bis drei seiner Rinder über den Sommer in die oberbayerischen Alpen schicken. Doch der Urlaub war den Berliner Kühen nicht vergönnt – die Almen sind ausgebucht.

Das ist zwar immer so, aber in diesem Jahr müssen ungewöhnlich viele Kühe im Tal bleiben. „Auffallenderweise haben sich bei uns heuer sehr viele Bauern beworben, die keine Almen haben, ihr Vieh aber gerne auf die Almen schicken würden“, berichtet Hinterstoißer. „Leider können wir diese nicht wie gewünscht vermitteln.“

Für etwa 150 bis 200 Tiere mehr hätten Landwirte heuer einen Platz auf der Alm gesucht. Die Tendenz, dass die Nachfrage nach Almplätzen größer als das Angebot ist, gibt es nach Angaben von Hinterstoißer seit etwa drei Jahren. Heuer sei die Zahl der Tiere, die nicht auf einer Bergalm untergebracht werden können, besonders groß. Das habe unterschiedliche Gründe. So zum Beispiel die im Jahr 2008 in Bayern eingeführte und zweitweise viel bespöttelte Weideprämie. Den staatlichen Zuschuss von 30 Euro pro Großvieheinheit gibt es nur, wenn die Tiere mindestens drei Monate im Jahr im Freien verbringen. „Früher war es für die Bauern umständlicher, die Tiere auf die Weide zu bringen, als sie im Stall zu halten. Deswegen ging die Beweidung immer mehr zurück“, erinnert sich Hinterstoißer. „Doch das wurde mit der Prämie gestoppt. Die Landwirte bekommen Geld und haben mit dem Jungvieh auf der Alm keine Arbeit mehr.“

Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Landwirte an die Verträge des Kulturlandschaftsprogramms halten müssen, die bestimmte Großvieheinheiten vorschreiben. Für Betriebe im Tal gibt es nur dann eine Förderung, wenn eine gewisse Anzahl von Kühen pro Hektar nicht überschritten wird. „Wenn die Tiere vier Monate auf einer Alm verbringen, werden sie aus dem Betrieb herausgerechnet“, erklärt Hinterstoißer.

Zudem hätten viele Bauern erkannt, dass die Sommermonate in den Bergen gesundheitliche Vorteile für die Tiere haben. „Dort haben sie viel Bewegung, das ist wie Gymnastik für die Kühe. Sie verfetten dann nicht so schnell. Und viele Tiere sind auf der Alm trächtig. Das ist dann wie Schwangerschaftsgymnastik“, erklärt der Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins mit Sitz in Miesbach.

In Oberbayern genießen jährlich etwa 20 000 Rinder den Sommer auf den Bergalmen, etwa 5500 davon sind so genanntes Fremd- oder auch Pensionsvieh. Das heißt, ihr Eigentümer besitzt keine eigene Alm, sondern hat seine Tiere auf einer Almweide eingemietet. Diese Absprachen unter den Bauern bestehen laut Hinterstoißer in der Regel schon lange Jahre. Deswegen gibt es auch nur freie Plätze, wenn ein Landwirt seinen Viehbestand verkleinert oder abspringt. Dann könnten neue Tiere wie die Gäste aus Berlin nachrücken.

Auch in den Allgäuer Alpen sind die Plätze für Tiere so begehrt wie lange nicht. Rund 28 000 Stück Jungvieh, 3000 Milchkühe, jeweils knapp 500 Pferde und Schweine sowie ein paar hundert Schafe und Ziegen werden dort die kommenden Sommermonate zusammen mit den Älplern verbringen. „Das sind gut 500 Stück Vieh mehr als im letzten Jahr“, sagt Peter Danks vom Alpwirtschaftlichen Verein Allgäu.

Der Almauftrieb auf untere Landalpen hat bereits begonnen. Der tierische Urlaub endet im September , vorzugsweise am Michaelitag (29.).

Constanze Kirmaier

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