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Ulrich Dax vom Landratsamt Fürstenfeldbruck sammelt für seine Behörde Waffen, die Bürger jetzt vermehrt abgeben.  

Nach dem Amoklauf

Aufgeschreckt: Bürger geben ihre Waffen ab

München - Der Amoklauf von Winnenden hat viele Waffenbesitzer aufgeschreckt. Sie geben ihre Gewehre und Pistolen bei den Landratsämtern ab. Allein in Miesbach kamen so binnen eineinhalb Wochen 35 Waffen zusammen.

453 775 Waffen gibt es in Oberbayern, ergab diese Woche eine Recherche des Münchner Merkur. Jetzt sind es ein paar weniger. Im Landkreis Fürstenfeldbruck entwaffneten sich nach Winnenden 18 Waffenbesitzer, im Kreis Mühldorf wurden immerhin fünf Waffen zurückgegeben, in Miesbach sogar 35 Waffen aller Art – „so viel kommen sonst in einem Jahr zusammen“, staunt der Behördensprecher.

Dazu gibt es allerorten vermehrt Anfragen, wie denn Waffen gesetzesgemäß zu lagern sind. „Viele Waffenbesitzer haben sich nach der Tragödie gesagt, damit wollen wir nichts mehr zu haben“, berichtet Roman Schneider vom Landratsamt Traunstein. Elf Gewehre und drei gar nicht anmelde-pflichtige Schreckschusspistolen wurden nach Winnenden dort abgegeben. Was Schneider auch gehört hat: „Es werden verstärkt Waffenschränke geordert – offensichtlich sagen sich viele, das ist mir zu heiß.“

Allerdings gibt es auch Landratsämter, die von keiner Waffen-Rückgabe wissen, etwa die Behörden in Freising und München. Im Landkreis Weilheim-Schongau hat seit Winnenden gerade einmal ein Mann seine Waffen-Lizenz zurückgegeben – eine Gaspistole, „der Schütze braucht sie nicht mehr“, geht aus der Begründung hervor.

Bilder: Illegales Waffenlager in Kärnten ausgehoben

Illegales Waffenlager ausgehoben

„Mancher Waffenbesitzer kommt ins Nachdenken“, berichtet indes Ulrich Dax vom Landratsamt Fürstenfeldbruck. „Einigen ist bewusst geworden, dass sie eigentlich einen Tresor bräuchten.“ Dax vereinbart in solchen Fällen Abholtermine, zum Teil kommen auch die Waffenbesitzer ins Amt.
Oft handelt es sich um ererbte Stücke, die „die Leute loswerden wollen“, wie es aus Miesbach heißt. Zum Beispiel auch in Garmisch-Partenkirchen, wo diese Woche eine uralte Polizeidienstwaffe abgegeben wurde. „Ein Erbstück, doch die Erben wussten nichts damit anzufangen“, heißt es bei der Behörde. In Rosenheim kam so erst gestern ein Kleinkalibergewehr ins Amt.

Jedes Landratsamt ist angewiesen, die Waffen ins Landeskrminalamt zu befördern, wo sie dann vernichtet werden. Auch außerhalb Oberbayerns gibt es einen Trend zum freiwilligen Waffenverzicht: Wolfgang Nabers aus Ansbach, ein ehemaliger Sportschütze, lud die Lokalpresse ein und gab demonstrativ zwei Pistolen zurück. „Warum soll ich eine Waffe im Haus haben, wenn ich sie gar nicht brauche“, fragt Nabers, und fordert eine Art Abwrackpräme für alte Waffen.

Dass Kontrolleure der Landratsämter unangemeldet zu Hausbesuchen vorbei kommen, ist eher die Ausnahme, wie eine Recherche der BR-Sendung „quer“ ergab. Im Landratsamt Unterallgäu konnte ein Mitarbeiter so an einem Tag fünf Gewehre einsammeln. Waffenbesitzer sind nicht verpflichtet, den Kontrolleur hereinzulassen, allerdings wurden dem Behördenmitarbeiter in keinem Fall der Zutritt verweigert. In Fürstenfeldbruck sieht Ulrich Dax seit vier Jahren stichpunktartig vor Ort nach – 450 der 5282 Waffenbesitzer im Landkreis wurden seitdem unter die Lupe genommen. In Freising und vielen anderen Kreisbehörden heißt es allerdings zu diesem Thema lapidar: „Das haben wir personell nicht im Kreuz.“

Von Dirk Walter, Barbara Schlotterer und Thomas Steinhardt

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