Jakobskreuzkraut

Baby stirbt nach Gift-Tee

Das Jakobskreuzkraut sieht hübsch aus. Doch der Schein trügt: Die Pflanze ist giftig. Aufgrund der toxischen Wirkung starb jetzt ein Baby in Baden -Württemberg. In Bayern blüht das Kraut auch.

Wie die Pusteblume verbreitet das Jakobskreuzkraut seine Samen. Besonders auf freien Weideflächen können sie ideal aufkeimen. Fatal für Pferde und Rinder: „Die sind hochsensibel für das Gewächs“, berichtet Klaus Gehring , Experte für Unkrautbekämpfung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Helmut Wiedenfeld von der Universität Bonn sagt, dass sich inzwischen in ganz Deutschland Todesfälle bei Pferden häufen. Aus diesem Grund plädiert Gehring dafür, die Pflanze, die von Juli bis August blüht, mit aller Macht zu bekämpfen – auch mit Herbiziden. Auch deshalb, weil bereits eine Frau aus Baden -Württemberg während ihrer Schwangerschaft große Mengen eines Gesundheitstees getrunken hat, der „Pyrrolizidinalkaloide“ und damit die giftigen Bestandteile des Jakobskreuzkrauts enthielt. Kurz nach der Geburt starb ihr Kind. Ob das Gift auch in die Milch von Kühen gelangen könnte, wird in Bonn derzeit überprüft.

Das giftige Kraut wächst in Bayern besonders im Bayerischen Wald , im Großraum Nürnberg und in Teilen Schwabens. „Heuer blüht es überraschend früher als sonst, wahrscheinlich durch das heiße Frühjahr“, vermutet Gehring. Dennoch, auf Panikmache will er nicht setzen: „Wir dürfen jetzt nicht gleich alle miteinander auf das komplette Brachland losgehen, auch im Garten sollte man jetzt nicht seinen Goldregen rausreißen, nur weil er giftig ist.“

Was vor der eigenen Haustüre wächst, aber vor allem, welche Gräser auf Wiesen, Wald und Flur gedeihen, darüber weiß Eva Aschenbrenner aus Kochel am See Bescheid. Sie verarbeitet unter anderem Kräuter zu Tee. „Aber das Jakobskreuzkraut ist mir völlig neu“, berichtet die Kräuterexpertin auf Anfrage. Wenn sie herausfinden möchte, ob Pflanzen giftig sind oder nicht, sagt Aschenbrenner: „Da gehe ich vorsichtshalber in die Apotheke, um wirklich ganz auf Nummer Sicher zu sein.“ Außerdem helfe ihr der Geruchssinn zur Unterscheidung von schädlichen und unschädlichen Pflanzen, sagt sie. Demnächst wird sie aber in ihren Vorträgen auch auf das Jakobskreuzkraut hinweisen – das „bei uns in Bayern noch nicht zur Problempflanze wurde“, wie Alexander Teichgräber , fachlicher Mitarbeiter beim Bayerischen Landesverband für Gartenbau- und Landespflege, betont. „Schwierige Kandidaten“ seien andere, wie zum Beispiel die Ambrosia-Pflanze, ein Allergiker-Albtraum. Von tränenden Augen, über Asthma und Kopfschmerzen löst die Pflanze alles aus. Schuld sind ihre „Milliarden von Pollen“, wie Teichgräber weiß. Nicht zu verachten ist auch das Herkuleskraut (Riesenbärenklau), das auf der Haut grobe Ausschläge verursachen kann. „Das ist, als wenn man völlig durchgekratzt werde“, beschreibt er das Phänomen. „Sicherlich nicht minder gefährlich als das Jakobskreuzkraut.“

Eine Verwechslungsgefahr besteht lediglich „mit dem kleinen Habichtskraut, Hahnenfußgewächsen oder mit Löwenzahn“, sagt Klaus Gehring , der vor allem an die Vernunft der Menschen appellieren möchte: „Niemand soll sich einen Tee oder Kräutersud zubereiten, wenn er die Gräser nicht genau kennt.“

von Simone Singer

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