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In dem Auto, das am Dienstag aus der Donau geborgen wurde, lag das Skelett von Landwirt Rudolf R.

Dubioser Leichenfund

Mordfall Rudolf R: Richter rätselt

Bergheim - Bei der aus der Donau geborgenen Leiche handelt es sich höchstwahrscheinlich tatsächlich um den ermordeten Landwirt Rudolf R. - das ergab jetzt die Obduktion. Der Richter von damals erinnert sich an die bizarren Lügen des verurteilten Täters.

"Auf diesem Tisch habe ich die Leiche zerteilt", erklärt der Tatverdächtige. Er führt die Polizisten durch seinen Keller, geht mit ihnen die einzelnen Schritte seiner Tat durch. Ein Beamter filmt ihn dabei, später soll das Video als Beweismittel dienen. Für Richter Georg Sitka sind die Bilder noch lebendig, nie hat er einen vergleichbaren Fall erlebt. "Bei den Aufnahmen wirkte er gelöst und kooperativ, als würde er eine harmlose Sache beschreiben." Der Täter war mit der Tochter von Rudolf R. verlobt, seinen zukünftigen Schwiegervater soll er mit einem Dachdeckerhammer erschlagen haben. Mit grausigen Detailreichtum schildert er die Beseitigung der Leiche. Rechtsmediziner bestätigen die Glaubwürdigkeit - so könnte es tatsächlich passiert sein. Für den Prozess spielt es letztlich keine Rolle, wie die Familie den Körper entsorgt hat. Sitka hält die Zerstückelungs-Version für möglich.

Doch die Obduktion der jetzt in der Donau geborgenen Leiche hat ergeben, dass es sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um R. handelt, berichtet die Polizei. Den letzten verbleibenden Zweifel wird eine DNA-Analyse ausräumen. Zur Todesursache wollten die Ermittler gestern keine Hinweise geben. Richter Sitka ist "gespannt, ob der Schädel verletzt ist".

Dass ihm ein Hammer als Tatwerkzeug diente, hat der Verlobte vor dem Prozess der Polizei gestanden. War das etwa auch eine Lüge? "Immerhin hat er die Polizei zwei Mal irregeführt", erinnert sich Sitka. Zunächst hatte er behauptet, den toten Landwirt mit seinem Auto in einem Weiher versenkt zu haben. "Abgesehen davon, dass die Donau kein Weiher ist, war das wohl die Wahrheit." Doch die Ermittler führte er an einen falschen Fundort, an einen Baggersee. "Wenn er schon gesteht, warum führt er die Polizei nicht an die richtige Stelle?", fragt der Richter.

Erst nachdem die Einsatzkräfte sämtliche Weiher und Seen in der Umgebung überprüft hatten, kam der Verlobte auf die Lüge mit der zerteilten Leiche. Sitka: "Für mich ist das ein Rätsel." Der zuvor so redselige Verlobte schwieg vor Gericht hartnäckig. "Er war still und in sich gekehrt", erinnert sich Sitka. Der Anwalt zog beide Versionen des Geständnisses zurück. "Eine nachvollziehbare Verhandlungstaktik", meint der Richter, der den Angeklagten 2005 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Die Ehefrau des Getöteten wurde ebenfalls wegen Totschlags verurteilt. Auch die Töchter mussten für die Tat ins Gefängnis - sie hatte der trunksüchtige und herrische Landwirt jahrelang missbraucht.

Es bleibt abzuwarten, ob die Obduktion nun mehr Klarheit in die tödliche Familientragödie bringt. Für Richter Sitka steht fest: "Sollte sich herausstellen, dass der Schädel unversehrt ist, ist das ein Grund, das Verfahren wieder aufzunehmen."

Thomas Schmidt

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