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Für die entgegen kommenden Autofahrer ein Schock: Ein Geisterfahrer (Symbolbild).

Schrecksekunden für Vierzigjährigen/Rentner am Steuer

"Bei Murnau raste mir der Geisterfahrer entgegen"

"Das war ein Albtraum. Ein absurder Albtraum. Ich kann es kaum beschreiben.“

Martin M. (40, Name geändert) versucht in Worte zu fassen, was ihm und seiner Familie am Sonntagnachmittag passiert ist. Die ganze Nacht danach lag er hellwach im Bett, seine Hände zitterten gestern noch. Immer wieder schossen ihm die Bilder vor Augen: Wie er mit seiner Frau Petra (40) und seiner Tochter Claudia (12) auf der A 95 Richtung Garmisch fährt. Und wie er dem Geisterfahrer in die Augen blickt.

Es ist 13.55 Uhr, die Zeit hat sich Martin M. gemerkt. Er fährt gerade zwischen den Anschlussstellen Murnau und Sindelsdorf, die Strecke ist relativ leer, deshalb gibt der Münchner Unternehmensberater mit seinem Mercedes CLS Vollgas. Bis der Tacho 210 Stundenkilometer zeigt. Da sieht er das Auto auf seiner Spur.

„Das war ein Bruchteil einer Sekunde. Ich sehe das Fahrzeug, merke, da stimmt was nicht. Die Sitzposition vom Fahrer ist seltsam. Bis ich kapiere: Der fährt nicht vor mir, der fährt mir entgegen!“ Martin M. hat keine Zeit zu überlegen. „Ich habe das Auto scharf runtergebremst. Dann eine Lenkbewegung nach rechts. So habe ich mich gerade noch zwischen zwei Autos gerettet. Das war keine bewusste Handlung. Das war kein fahrerisches Können. Intuition, Reflex, ich weiß es nicht.“

Der 40-Jährige sieht dem Geisterfahrer ins Gesicht. Es ist ein älterer Herr mit eigenartig starrem Blick. „Der hat keinerlei Reaktion gezeigt! Der ist seelenruhig weitergefahren!“

Martin, seine Frau und seine Tochter schauen sich an, sprachlos. Dann sein erster Satz: „Hoffentlich haben es die hinter uns geschafft.“

Tatsächlich schaffen es alle, dem Geisterfahrer auszuweichen. Mehrere Autofahrer senden Notrufe. Der Polizei Weilheim kommt der Geisterfahrer auf der Überholspur entgegen. Es ist ein Rentner (75) aus Mittenwald mit einem Toyota Yaris. Die Beamten halten den Verkehr an, fordern ihn auf zu wenden. Der Rentner dreht um – und fährt unbekümmert in die richtige Richtung weiter! Die Streife hält ihn an.

Polizeisprecher Fritz Braun: „Der 75-Jährige hinterließ einen völlig desorientierten Eindruck.“ Er sagt, ihm sei schon aufgefallen, dass etwas nicht stimme. Deshalb sei er ja auch ganz rechts und vorsichtig „mit höchstens 100 Stundenkilometern“ gefahren. Aber wenden? Anhalten? Nein, daran habe er nicht gedacht. Die Polizisten verbieten ihm weiterzufahren, sein Führerschein ist sichergestellt, und er wurde angezeigt. Martin M. fordert die Politik nun dringend auf, endlich die Überprüfung der Führerscheine älterer Menschen einzuführen. Er ist sich sicher: „Der Mann hätte uns alle töten können.“

Andrea Stinglwagner

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