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Eine Maschine von Ryanair.

Billigflieger Ryanair fliegt jetzt von Memmingen aus

Memmingen - Die irische Billigfluglinie Ryanair fliegt ab Mittwoch Bayern an. Die Maschinen starten und landen am Regionalflughafen Memmingen: Einem kleinen Airport im Allgäu, der als Geheimtipp gilt – und jetzt dem Flughafen München Konkurrenz machen könnte.

Ein Schild, das den Weg zum Standortpfarrer weist, dahinter ein Gebäude aus den 50er-Jahren – in Tarngrün: Es sind nur Kleinigkeiten, die an früher erinnern. Früher war der Regionalflughafen Memmingen noch ein militärischer Stützpunkt. Doch dann, im Juni 2003, stellte die Bundeswehr das Jagdbombergeschwader 34 „außer Dienst“. Zurück blieb – eine Geisterkaserne. Eine verlassene Militärruine. Heute steht hier der „Allgäu-Airport“. Ein Mini-Flughafen, der dem Maxi-Flughafen im Erdinger Moos viele Gäste abjagen könnte. „Es hat sich deutlich besser und schneller entwickelt als wir gedacht haben“, sagt Ralf Schmid, Chef des „Flughafen München West“. So wird der Airport auch genannt. „Wir liegen zwischen den großen Flughäfen München und Stuttgart – und wir haben einen Nischenvorteil.“ Der Nischenvorteil hat neuerdings sieben Buchstaben: Ryanair, eine irische Billigfluglinie.

Am Mittwoch nimmt Ryanair in Memmingen den Betrieb auf. Bayernweit ist das eine Premiere. Bis dato waren die Kunden von Ryanair auf Verbindungen von den Flughäfen Salzburg (Österreich) oder Friedrichshafen (Baden-Württemberg) angewiesen. Das ist vorbei. Und: Bis Juni soll es sogar eine Rabattaktion geben – bis zu 50 Prozent auf Billigtickets. „Wir stehen erst am Anfang“, sagt Schmid, der langsam in Fahrt kommt. Man wolle weiter hinaus, aber „natürlich maßvoll wachsen“.

Derzeit zählt der „Allgäu-Airport“ rund 700 000 Passagiere pro Jahr – etwa 1,2 Millionen wünscht sich der Chef bis 2012. Das wäre ein Plus von mehr als zwei Dritteln. Schmid ist niemand, der stundenlang um den heißen Brei herumredet. Mit seinem schwäbischen Dialekt bringt er schnell „die Vorteile eines Regionalflughafens“ auf den Punkt: „Übersichtlich. Kurze Wege. Ein bisschen günstiger – vor allem beim Parken.“ Nämlich 27 Euro für acht Tage; im Erdinger Moos kosten 24 Stunden 22 Euro. „Wir haben auch vom Flughafen aus einen Expressbus nach München, Augsburg und Ulm.“ Schmid klingt fast ein bisschen stolz. Die Anfahrt über die A 96 in Richtung Lindau sei ohnehin ein Segen – und bald bekomme man sogar eine eigene Flughafen-Abfahrt. Rechnerisch lohnt sich zwar der Weg nach Memmingen erst ab der Höhe Ammersee. Aber immer mehr Reisende aus dem Münchner Südwesten fahren lieber nach Memmingen als ins Erdinger Moos, weil sie auf der A 96 kaum mit Staus rechnen müssen – auf der A 99 hingegen steckt man schon mal länger fest und kommt später an.

Vor allem für Urlauber ist der Mini-Airport im Allgäu eine attraktive Alternative: Neben dem Billigflieger Ryanair und vier kleineren Fluganbietern ist schon lange Tuifly im Einsatz. Die bisherigen Ziele sind unter anderem Spanien, Italien, Türkei, Griechenland und Kroatien. Mit Ryanair kommen weitere Flugverbindungen dazu, die auch nach Großbritannien führen. Ein kleines Defizit gibt es jedoch für Geschäftsreisende, die mehrmals am Tag innerdeutsch fliegen müssen. Das weiß auch Flughafen-Chef Schmid. Man arbeite daran, sagt er und lächelt.

Erst vor wenigen Wochen ist eine ziemlich wichtige Geschäftsreisende auf dem Allgäu Airport gelandet: Bundeskanzlerin Angela Merkel – sie musste zu einem Empfang nach Ulm. „Hoher Besuch auf Bayerns jüngstem Verkehrsflughafen“: Auf diese Pressemitteilung ist der Allgäu-Airport ziemlich stolz.

von Barbara Nazarewska

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