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Das Uhrwerk ist echt: Die Koks-Uhr auf dem Tisch des Landeskriminalamtes.

Schmuggler ließ das Stück aus Venezuela an seine ahnungslose Mutter schicken / Prozess

Diese Uhr ist aus Kokain gebaut

München - Über die Schönheit dieser Wanduhr könnte man streiten, immerhin tickte sie richtig. Und: Sie verbarg 4,7 Kilogramm Kokain.

Ein billiges Trödel-Teil, so schien es. Doch die wahren Werte – eine Viertelmillion Euro – steckten im scheinbar hölzernen Körper dieses seltsamen Möbels: Die Platten waren aus 4,7 Kilogramm Kokain gepresst! Wegen dieses bislang einmaligen Drogenschmuggels muss sich jetzt der Börsenhändler Bastian W. (37) vor dem Landgericht München II verantworten.

Der fünf Kilogramm schwere Uhrenkasten war aus Kokain gepresst und braun überlackiert.

Er stammt aus wohlsituierten Verhältnissen, aber Bastian W. war schon früh auf die schiefe Bahn geraten. Sein Strafregister ist lang. Er stand bereits in Frankfurt wegen Kokainschmuggels im großen Stil vor Gericht, kurz darauf folgte in München ein Prozess wegen eines Millionen-betrugs. Fünf Jahre Knast brachten allein diese Taten ein. Auch nach seiner Freilassung fiel er wegen Drogen auf. Kein Wunder, dass die Polizei ihn im Auge behielt.

Im Juli 2008 bekam das LKA aus London einen heißen Tipp: Aus Venezuela sei ein verdächtiges Paket nach Seeshaupt am Starnberger See unterwegs. Adressiert war dieses an die Mutter von Bastian W., eine frühere Gymnasiallehrerin. Die hatte freilich davon keine Ahnung.

Das Paket enthielt eine über 70 Zentimeter große und ziemlich schwere Wanduhr. So etwas gibt es auf jedem Flohmarkt, warum also kommt die Uhr aus dem fernen Südamerika? Drogenspürhunde erschnüffelten einen brisanten Inhalt. Aber wo war dieser versteckt?

Das Uhrwerk war okay, die hölzernen Anbauteile bestanden wirklich aus massivem Holz. Als LKA-Fahnder das Uhrentürchen entfernten, brachen die Scharniere aus den Uhrenkasten. Dahinter schimmerte es weiß!

Bastian W. ist wegen Drogenschmuggels angeklagt. Er schweigt.

„Einen ähnlichen Fall haben wir noch nie gehabt“, sagte LKA-Experte Dr. Klaus Stein am Rande des Prozesses der tz. Die Bretter bestanden aus einer gepressten Kokain-Masse und waren mit braunem Lack überzogen worden. Und wie kommt man wieder an die Droge? „Wir haben den Kasten zerschreddert und mit Alkohol aufgelöst“, so Stein. Nach der Verdunstung des Alkohols habe man das reine Kokain erhalten.

Die ahnungslose Mutter bekam eine ähnliche Uhr geliefert – mit einem Peilsender drin. Doch sie wollte das hässliche Ding gar nicht haben. Als sie den Sender entdeckte, „habe ich das Ding in den Müll geworfen“. Als wahren Empfänger der Koks-Uhr machte die Staatsanwaltschaft ihren Sohn und dessen „Geschäftsfreund“ Attila N. aus Ungarn aus, mit dem Bastian W. bereits in Frankfurt auf der Anklagebank gesessen war. Bastian W. schweigt vor Gericht.

Eberhard Unfried

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