In Flaschen eingelegte Kobras: Auch solche "Gepäckstücke" zieht das Hauptzollamt am Flughafen aus dem Verkehr.

Drogen und Kurioses: Was der Zoll aus dem Verkehr zieht

München - So schwer wog das Sündenregister der Drogenschmuggler noch nie. Rund 500 Kilogramm Rauschgift zogen die Zollbeamten am Münchner Flughafen im vergangenen Jahr aus dem Verkehr - und zahlreiche Kuriositäten.

Die Menge der beschlagnahmten Drogen ist fast zehnmal so groß wie 2007, sagte Pressesprecher Martin Brandlhuber. An einer Personalaufstockung beim Zoll liege die Leistungsexplosionnicht. Die Mitarbeiterzahl blieb konstant. Lediglich ein Rauschgifthund und ein zusätzliches Röntgengerät habe die Behörde angeschafft, sagte Brandlhuber.

Zwei Riesenfunde verwässern die Bilanz etwas, denn die Zöllner stellten 165 Kilo des seit 2001 als Rauschgift eingestuften amphetaminhaltigen Kath-Strauchs sicher sowie 150 Kilogramm Mate de Coca-Tee. Aber auch bei den harten Drogen verdoppelten sich die Mengen. 7,1 Kilo Heroin (2007: 3,5), 48,4 Kilo Kokain (24,5) und 17,5 Kilo Cannabisprodukte (10) blieben beim Zoll hängen. Ein Schmuggler wurde mit fünf Kilo Kokain im doppelten Boden seines Koffers erwischt. Andere Täter arbeiten filigraner. „Manche verschicken die Stoffe grammweise mit der Post“, erzählt Brandlhuber. Nicht selten sei das Rauschgift in Bücher eingearbeitet. Außerdem müsse man neu geschaffene Flugverbindungen berücksichtigen, sagte der Zollsprecher und meint damit die neue Langstreckenverbindung nach Sao Paulo (Brasilien).

Konstant blieb die Zahl der verbotenen Waffen, die Reisende abgeben mussten. Wer Schlagringe, Wurfsterne und Würgehölzer – 2008 waren es 304 verbotene Gegenstände – schmuggeln will? Ein Täterprofil scheint unmöglich. Brandlhuber: „Wir haben einen Schüler mit neun Wurfsternen erwischt, aber auch eine 70-jährige Dame, die angeblich für ihre Enkel eingekauft hat.“ Ein ganzes Waffenarsenal entdeckte die Mobile Kontrollgruppe bei einem Flohmarkt in München.

„Erschreckend konstant“ sei angesichts der Aufklärungsversuche des Zolls die Zahl der Verstöße (138) gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. 2500 Erzeugnisse aus Schlangenleder oder Papageienfedern entdeckten die Beamten, aber auch neun lebende Tiere und 185 Steinkorallen. Für Brandlhuber besonders abscheulich: „Ein Krokodilschädel, an dessen Gaumen ein Licht angebracht war, sollte ein Halloween-Gag sein. Geschmacklos!“, ärgerte sich der Zöllner, der auch von einem „ganz heißen Fund“ berichtete. Seine Kollegen entdeckten eine Ladung mit 1000 gefälschten Playboy-Sitzkissen. Dies sei wohl der kurioseste Fall im Bereich der Markenpiraterie gewesen. Insgesamt zog der Zoll laut Brandlhuber 140 000 gefälschte Markenartikel aus dem Verkehr, vornehmlich MP 3-Player und Bekleidungsstücke. Der Wirtschaft sei dadurch ein Schaden von rund 21,5 Millionen Euro erspart geblieben. Und auch Vater Staat darf sich freuen: Das Hauptzollamt München erhob eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr Zölle und Steuern in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro.

Von Dieter Priglmeier

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