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Der 13-jährige Maximilian Reif (li.) will Alzheimerpatienten helfen, wenn sie sich verirren.

Eine Prise Zukunft schnuppern

München - Wir schreiben das Jahr 2019. Roboterarme helfen uns beim Kistenschleppen und Kläranlagen gewinnen Strom aus Abwasser. All das und mehr ist möglich, wenn die Visionen der Jungforscher wahr werden.

Eigentlich hätte er gar nicht beim Landesentscheid von Jugend forscht teilnehmen dürfen. Denn Maximilian Reif ist erst 13 Jahre alt – zu jung für den Wettbewerb. Doch wenn das Niveau eines Schulprojekts derart „den Rahmen des Normalen sprengt“, wie Klaus Kamhuber von BASF es ausdrückt, dann gibt es ausnahmsweise eine Sondererlaubnis. Maximilian ist mit 13 schon ein Profi, hat sich das Programmieren selbst beigebracht – und den Rahmen gesprengt.

Jugend forscht: Wie junge Tüftler die Zukunft verändern

Maximilian stammt aus Neusäß (Landkreis Augsburg) und hat den „X-Finder“ erfunden. Ein Java-Programm für GPS-Handys, mit dem man vermisste Personen oder verlorene Gegenstände wiederfinden kann. „Es gibt 650 000 Alzheimerpatienten in Deutschland“, erklärt Maximilian ernst – er kennt die Krankheit aus seiner eigenen Familie. „Denen will ich helfen.“ Sollte sich ein verwirrter Patient verlaufen, kann er dank eines Empfängers am Körper gefunden werden. Der Suchende – beispielsweise ein Betreuer – schickt einfach eine SMS an den „X-Finder“ und bekommt Daten über den aktuellen Aufenthaltsort der gesuchten Person zurück. „Die Koordinaten kann man dann in ein handelsübliches Navigationssystem eingeben“, erklärt der zukünftige Informatiker. Auch entlaufene Haustiere könne man so orten. „Ich will helfen, für alltägliche Probleme Lösungen zu finden“, sagt der 13-Jährige – ein Profi eben.

Wie Maximilian, so sind auch alle anderen 76 Teilnehmer des Landesentscheids bereits Gewinner – denn sie alle sind als Regionalsieger ins Deutsche Museum gekommen, um ihr Projekt, ihre Erfindung zu präsentieren. Im Verlauf des heutigen Tages wird dann feststehen, wer Landessieger wird.

Der 16-jährige Frederik Ebert aus München kann sich durchaus Chancen auf den Titel ausrechnen. Er hat einen elektronischen Rollstuhl zu einem Roboteraußenskelett umgebaut. Diverse Firmen haben gespendet, um das rund 6000 Euro teure Projekt zu finanzieren. Frederik kann darin herumfahren und bedient mit einer Art Joystick einen Roboterarm. „Damit kann ich Champagnergläser einschenken oder Ostereier aufheben“, sagt er stolz. Bis zu zehn Kilo könne der Arm heben. „Aber das demonstriere ich erst nach dem Wettbewerb.“ Die Idee wolle er weiter verfolgen, einen zweiten Arm und irgendwann zwei Beine hinzufügen.

Die Vision kam ihm beim Kistenschleppen. „Aus Faulheit“, wie er zugibt. Doch später einmal soll die Apparatur Menschen mit Behinderungen oder Muskelschwund helfen, den Alltag zu meistern – oder eben beim Kistenschleppen. Den Strom für seinen Roboter könnte man in zehn Jahren aus Fäkalien gewinnen. Denn die Dachauerin Kerstin Dörner (18) tüftelt gerade an einem chemischen Verfahren, wie man Elektrizität in Klärwerken gewinnen kann. Denn Abwasser „hat einen hohen Anteil an chemischer Energie – wir müssen sie nur herausholen“.

Thomas Schmidt

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