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Ingrid Kressierer und Katzenbesitzer Horst Weise: Miezi Lily faucht auch beim Fototermin in Richtung Zeitungsausträgerin.

Fauchendes Kätzchen jagt Zeitungsausträgerin Angst ein

Altenerding - Ingrid Kressierer trägt jeden Tag die Heimatzeitung aus. Die Katze eines unserer Leser reagiert auf diese frühmorgendliche Störung mit lautem Fauchen und spitzen Krallen - tagsüber ist sie aber lammfromm.

Morgens gegen fünf Uhr führt ihre Tour Ingrid Kressierer durch Altenerding. Sehr ruhig ist es um diese Zeit in der Herzogstadt. Die Zeitungsausträgerin hat eine knallorangefarbene Warnweste an, dazu Reflektorstreifen an der Hose, damit sie im beginnenden Berufsverkehr bei Dämmerlicht nicht unter die Räder kommt. Hinter dem Gartentor von Familie Weise wird Kressierer mit lautem Fauchen empfangen: Die Hauskatze verteidigt ihren Garten gegen den grell glitzernden Eindringling. „Die hat die Haare aufgestellt und die Krallen ausgefahren“, erzählt Kressierer beeindruckt. „Und ich habe nur gedacht: Was mache ich denn jetzt, wie komme ich an die Haustür zur Röhre für die Zeitung?“

Auf das vorsichtige Kuschkusch der eingeschüchterten Austrägerin reagiert die Katze nur mit noch lauterem Fauchen und indem sie ihre spitzen Zähne präsentiert. „Da habe ich einen Stein aufgehoben und so getan, als würde ich damit werfen. Und dann habe ich die Beine in die Hand genommen.“

Lily heißt der schwarz-weiß gefleckte Stubentiger mit dem Hang zur Revierverteidigung. „Jeden Morgen will sie so gegen fünf Uhr das erste Mal raus“, erzählt ihr Besitzer Horst Weise. Dann trommelt das zarte Kätzchen schon mal gegen die Haustür, wenn ihr Herrchen nicht schnell genug vom Frühstück aufsteht. „Aber eigentlich ist sie ganz verschmust.“ Ihre Kuscheltier-Qualitäten zeigt Liliy auch promt als Kressierer nachmittags bei Familie Weise vorspricht, um das Problem – „Ich kann ja die Zeitung nicht einfach vor dem Zaun auf den Boden legen“, scherzt sie – zu bereden. Sofort kommt die Katze anspaziert, streicht der Austrägerin um die Beine und lässt sich kraulen. „Ich habe aber auch meine Warnweste nicht mehr an“, sagt Kressierer. „Die traue ich mich gar nicht mehr anzuziehen.“

Während das Kätzchen Streicheleinheiten bekommt, beschließt Familie Weise, Lily erst nach draußen zu lassen, wenn die Zeitung schon da ist. Außerdem wechselt die Röhre von der Haustür an den Gartenzaun. Als Entschuldigung stecken sie nach dem Gespräch mit Kressierer sogar noch eine Tafel Schokolade für sie in den Zeitungskasten. „Ich rechne aber jetzt trotzdem immer damit, dass sie mich wieder angreift“, meint Kressierer schmunzelnd. „Wir leben schon gefährlich“, fasst die Austrägerin ihre Erfahrung lachend zusammen.

 Von Zeitungskunden versehentlich ausgelegte Stolperfallen aus Gartengerät oder Spielzeug, unfertige Wege, unbeleuchtete Treppen an der Haustür, all das ist sie gewohnt. Auch auf Wachhunde, die Zeitungsausträger genauso wenig schätzen wie Postboten, war sie gefasst. Doch, dass sie in ihrem Beruf vor einer zierlichen Katze Reißaus nehmen müsste, das ahnte sie nicht.

von Veronika Fläxl

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