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Geiselnehmer von Straubing vergewaltigte Therapeutin

Geiselnehmer von Straubing vergewaltigte Therapeutin in Gefängnis

Straubing - Bei der Geiselnahme im Straubinger Gefängnis ist eine Therapeutin der Justizvollzugsanstalt mehrfach sexuell missbraucht worden. Der Täter war schon als 13-Jähriger wegen einer Sexualstraftat aufgefallen.

Das Opfer sei schwer traumatisiert, sagte Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) am Mittwoch in Straubing.

Der 51-jährige Mörder und Sexualverbrecher Roland K. hatte die Leiterin der sozialtherapeutischen Abteilung für Sexualstraftäter mit einem Messer bedroht, gefesselt und sich mit ihr in deren Büro eingeschlossen.

Die Tat hat offenbar damit zu tun, dass dem Häftling der Besuch einer Brieffreundin verwehrt wurde, wie es aus Justizkreisen hieß. Laut Justizministerium forderte er während der Geiselnahme, mit seiner Brieffreundin zu sprechen, die dazu nach Straubing kommen sollte.

Geiselnahme im Straubinger Gefängnis - Die Bilder

K. ist ein Schwerverbrecher, der schon mehrfach wegen Vergewaltigung und wegen eines Sexualmords verurteilt wurde. Er hatte eine 25 Jahre alte Frau ermordet und war deswegen 1985 vom Landgericht Aschaffenburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Wegen besonderer Schwere der Schuld sei die Mindestverbüßungsdauer im Jahr 1999 auf 22 Jahre festgesetzt worden, erklärte das Justizministerium. Die Haftzeit hätte theoretisch am 28. Oktober 2006 geendet.

K. sitzt schon 30 Jahre im Gefängnis

Bereits während der Untersuchungshaft hatte der Mann 1984 in der unterfränkischen Stadt zusammen mit einem anderen Häftling einen Gefängnisaufseher als Geisel genommen. Nachdem die zwei Täter den Wachmann niedergeschlagen hatten, konnten sie aus dem Gefängnis fliehen. Beide wurden aber kurz darauf gefasst.

Der Täter war bereits als 13-Jähriger erstmals wegen einer Sexualstraftat aufgefallen, damals war er aber noch nicht strafmündig. Er hat bereits mehr als 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis gesessen. Nun soll der 51-Jährige in eine andere Haftanstalt verlegt werden.

Wie der Mann an das Messer gelangte, ob er es einschmuggelte oder selbst herstellte, war unklar. Merk kündigte als Reaktion auf die Geiselnahme schärfere Kontrollen für die Straubinger Justizvollzugsanstalt an.

Am Dienstag fanden Wärter seine Zelle leer vor und sahen in der Therapie-Abteilung nach. Dort befand sich die gefesselte Leiterin. Der Schwerverbrecher hatte die 49-jährige Beamtin laut Polizei gegen 17.35 Uhr in seine Gewalt gebracht. Er hatte sich 2004 als einer der ersten Häftlinge für das Therapie-Angebot gemeldet.  

Nach langen Verhandlungen gab der Sex-Täter auf

Die Polizei setzte ein Großaufgebot, darunter ein Spezialeinsatzkommando, ein und sperrte die JVA weiträumig ab. Ein Verhandlungsteam der Polizei und der Anstaltspsychologe konnten den Häftling zur Aufgabe überreden. Weswegen der Mann letztlich aufgab, wisse er nicht, sagte Polizeisprecher Stefan Hartl. Es könne der psychologische Druck, die Ermüdung durch die stundenlangen Verhandlungen oder das Geschick der Beamten gewesen sein. In so langen Verhandlungen entstehe ein enormer psychologischer Druck auf den Täter, erklärte er.

Die JVA in Straubing ist eine der größten bayerischen Gefängnisse mit Zellen für 840 Häftlinge, darunter Verbrecher mit sehr langen Strafen. Angegliedert ist eine psychiatrische Abteilung. Roland K. wird nach der Geiselnahme in eine andere JVA verlegt. Er hatte 1984 schon einmal als Häftling der JVA Aschaffenburg, wo er eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung verbüßte, mit einem Komplizen einem Justizvollzugsbeamten eine Flasche über den Kopf gehauen und ihm die Schlüssel geraubt. Danach flüchteten die Männer.

dpa/ap

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