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Der Angeklagte Werner M.

Herrmann-Prozess: Ex-Frau belastet Angeklagten

Augsburg - Im Prozess um die Entführung der kleinen Ursula Herrmann hat die Ex-Frau den Angeklagten als ebenso durchsetzungsstark wie jähzornig geschildert.

Er habe stets bekommen, was er gewollt habe, sagte die Frau am Dienstag als Zeugin vor dem Landgericht Augsburg. Sie bestätigte einen Fall grausamer Tierquälerei: Ihr Ex-Mann habe einmal den Hund des Ehepaares in die Gefriertruhe gesperrt, in der das Tier verendete. Der Angeklagte soll sich darüber geärgert haben, dass "Susi" in der Küche den Abfalleimer umgeworfen hatte. Sie habe das Tier hinter dem Haus begraben. Befragt, ob sie dem Angeklagten die Entführung von Ursula Herrmann zutraue, antwortete sie: "Manches ja, manches nein."

Das Landgericht Augsburg vernahm am Dienstag mehrere Familienangehörige des Angeklagten. Die Ex-Frau berichtete, ihr früherer Mann sei handwerklich sehr geschickt und Musikliebhaber mit einer Vorliebe für Wagner und Beethoven. Die Frau war ein Jahr vor der Entführung von dem Angeklagten geschieden worden.

Der 58-Jährige ist wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge angeklagt. Seine jetzige Ehefrau soll ihm bei dem Verfassen der Erpresserbriefe geholfen haben. Beide bestreiten die Tat. Ursula Herrmann war im September 1981 bei Eching am Ammersee entführt und von ihrem Peiniger in eine im Wald vergrabene Holzkiste gesperrt worden. Das Mädchen war Stunden nach der Entführung bewusstlos geworden und erstickt. Erst 19 Tage nach der Entführung war Ursula tot in einem nahe gelegenen Waldstück gefunden worden.

Die Ex-Frau des Angeklagten hatte im Jahr 1974 rund sechs Monate als Hilfe im Haushalt der Familie Herrmann gearbeitet. Dabei habe sie Ursula und deren Eltern kennen gelernt. Sie bestätigte, dass der Angeklagte im Jahr ihrer Scheidung etwa ein Jahr vor der Entführung hohe Schulden von rund 150 000 D-Mark gehabt habe.

Die heute 37 Jahre alte Tochter des Angeklagten sagte bei ihrer Zeugenvernehmung, sie könne sich zwar erinnern, dass sie 1981 mit der ganzen Schulklasse an der Beerdigung der getöteten Ursula teilgenommen hatte. Sonst habe sie aber keinerlei Erinnerungen mehr. Auch die 65 Jahre alte Halbschwester des Angeklagten konnte keine genauen Angaben zu den Umständen vor rund 27 Jahren mehr machen. Sie habe seit rund 30 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrem Halbbruder gehabt. Der Sohn des Beschuldigten berief sich auf sein Aussageverweigerungsrecht und machte keine Angaben.

dpa

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