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Der Angeklagte Werner M.

Herrmann-Prozess: Kommt der Angeklagte frei?

Augsburg - Im Prozess um die Entführung von Ursula Herrmann hat die Verteidigung am Dienstag überraschend die Aufhebung des Haftbefehls für den Angeklagten gefordert.

Im Prozess um die Entführung der kleinen Ursula Herrmann hat die Verteidigung am Dienstag überraschend die Aufhebung des Haftbefehls für den Angeklagten gefordert. Es gebe nach der bisherigen Beweisaufnahme keinen dringenden Tatverdacht. Die Staatsanwaltschaft wies die Argumente der Verteidigung als "Spekulationen" zurück und erklärte, der dringende Tatverdacht des Angeklagten bestehe weiter, der Haftbefehl müsse aufrechterhalten bleiben. Eine Entscheidung über die Haftfrage werde das Gericht bekanntgeben, wenn die schriftliche Stellungnahme der Staatsanwaltschaft vorliege.

Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Der 59 Jahre alte Mann ist zusammen mit seiner Ehefrau wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge angeklagt. Er soll im September 1981 die damals zehn Jahre alte Ursula entführt und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Das Mädchen war Stunden nach der Entführung erstickt und erst 19 Tage später gefunden worden. Der Beschuldigte soll Erpresserbriefe geschrieben und mehrere Erpresseranrufe getätigt haben. Dabei soll ihm seine mitangeklagte Ehefrau geholfen haben. Beide bestreiten die Tat.

Der Bruder der getöteten Ursula Herrmann will als Nebenkläger an dem Verfahren zunächst nicht mehr teilnehmen. In einem Schreiben an den Vorsitzenden Richter Wolfgang Rothermel begründete Michael Herrmann sein Fernbleiben mit Kritik am Prozessverlauf. Von ihm angestellte Untersuchungen zu einem beschlagnahmten Tonband, mit dem der Angeklagte überführt werden soll, seien zu gravierend anderen Ergebnissen gekommen als das Gutachten des Landeskriminalamtes. Michael Herrmann wies auch auf andere Ungereimtheiten hin, die sich bei der bisherigen Beweisaufnahme ergeben hätten. Er will erst wieder zu den Verhandlungen kommen, wenn eine zweite Spur zu einem der Tat verdächtigen Ex-Polizisten behandelt wird, der aber inzwischen gestorben ist.

Das Gericht prüft derzeit die Aussagen eines 1992 gestorbenen Bekannten des Angeklagten, der nach der Entführung bei einer Polizeivernehmung gesagt hatte, er habe für den Angeklagten ein Loch in dem Wald gegraben, in dem später das tote Mädchen gefunden worden war. Die Aussage war jedoch nicht protokolliert, sondern lediglich durch einen Aktenvermerk festgehalten worden. Später hatte der Mann seine Aussage widerrufen und war bei einem Ortstermin nicht in der Lage, anzugeben, wo er das Loch gegraben hatte.

Im bisherigen Prozessverlauf haben sich aus Sicht der Verteidigung keine zwingenden Verdachtsmomente für die beiden Angeklagten ergeben. Angaben von mehreren Polizeibeamten als Zeugen waren zum Teil widersprüchlich, zahlreiche Zeugen konnten sich mehr als 27 Jahre nach der Tat nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Lediglich beim Alibi des Angeklagten ergaben sich Ungereimtheiten. Zeugen dafür sind entweder tot oder verweigern zulässigerweise die Aussage.

dpa

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