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Sepp Wörmann (55) ist freier Kamaramann und meist für das Bayerische Fernsehen unterwegs.

BR-Filmteam verunglückt im Engadin

Bergdrama um Fernseh-Team

Pontresina/München – Mit Glück ist ein Filmteam des Bayerischen Fernsehens einem Lawinenunglück entkommen. Drei Tourengeher wurden im Engadin verschüttet, aber rasch befreit. Kameramann Sepp Wörmann berichtet über die brenzligsten Minuten seines Lebens.

Michael Pause Moderator der Sendung „Bergauf-Bergab".

Sepp Wörmann (55) ist wieder daheim im Pfaffenwinkel, daheim bei seiner Familie. Erstaunlich ruhig und gefasst berichtet der freiberufliche Kameramann, wie er am Samstag dem weißen Tod entronnen ist: Wie er bei Filmarbeiten für die BR-Fernsehsendung „Bergauf-Bergab“ von einer Lawine verschüttet wurde. Wie er um Luft rang. Wie seine Begleiter ihn aus dem Schnee befreien konnten. „Ich bin kalkweiß angelaufen“, sagt Michael „Micki“ Pause, Moderator von „Bergauf-Bergab“, als er während eines Aufenthalts in Italien von dem Vorfall hörte.

In einer achtköpfigen Gruppe war Wörmann vergangene Woche in die Schweiz aufgebrochen, um einen Film zu drehen über eine Skidurchquerung der Bernina. Allesamt erfahrene Alpinisten, Wörmann und zwei Kollegen sind sogar staatlich geprüfte Bergführer. Außerdem war ein einheimischer Bergführer mit von der Partie. Wörmann filmt seit 29 Jahren in den Bergen und blieb bislang von großen Unfällen verschont. Bis zum Vormittag des vergangenen Samstags.

Zwar hat es in der Bernina kurz zuvor geschneit, die Lawinengefahr ist erheblich (Stufe drei der fünfstelligen Skala). Doch den Aufstieg von der Bovalhütte zum 3191 Meter hohen Piz Mandra bei Pontresina halten alle für vertretbar. Zunächst geht es eher flach dahin, in etwa 3000 Meter Höhe steilt das Gelände auf, geschätzte 30 bis 35 Grad. „Drei von uns sind schon oben am Grat, wir steigen in Entlastungsabständen hinterher“, erinnert sich Wörmann. „Auf einmal marschiert der ganze Hang.“ Irgendjemand über ihm muss das Schneebrett ausgelöst haben.

Instinktiv wirft Wörmann die Skistöcke von sich und kann beide Bindungen öffnen, um nicht von den Skiern nach unten gezogen zu werden. Aus den Augenwinkeln kann er erkennen, dass das Schneebrett auch zwei seiner Begleiter mitreißt, darunter sein Assistent. Die fließende weiße Fläche zerbricht in viele Schollen. In Wörmanns Rucksack zerrt die schwere Filmkamera. „Dann bin ich auch schon drin im Schnee. Irgendwann scheint es, als würde die Lawine stehen bleiben – doch dann geht es nochmal richtig steil und schnell weiter bergab. Das ist wie schwimmen in einer zähen Masse.“

Erst nach 150 Metern läuft die Lawine aus, in einen bis zu drei Meter mächtigen Kegel. Obwohl Wörmann einen Meter tief verschüttet ist, sieht er das Tageslicht schimmern und versucht, mit der Hand zu graben. „Doch der Schnee ist dermaßen verdichtet, wie Beton!“ Vor seinem Gesicht hat er eine kleine Atemhöhle, doch sein Körper schaltet auf Notprogramm, er hyperventiliert. „Ich nehme mir vor, ruhig zu atmen, doch es geht nicht. Der Druck auf meinen Brustkorb ist zu groß.“

Wörmann versucht, ruhig zu bleiben. Er denkt an den Lawinenpiepser in seiner Tasche, der im Sekundentakt das Peilsignal aussendet. Er denkt an seine Begleiter – das sind doch Profis! Dann spürt er Schritte auf der Schneedecke. Durch das Gewicht bricht seine Atemhöhle ein. Panik befällt ihn. Tatsächlich können die Begleiter die Verschütteten binnen weniger Minuten ortendie Opfer orten. Mit Schaufeln graben sie, legen sofort Mund und Nase frei. Sepp Wörmann wird als Letzer gefunden, doch auch er zeigt keine Anzeichen von Sauerstoffmangel.

Bereits zehn Minuten nach dem Abgang landet ein Hubschrauber der Schweizer Bergrettung. Leicht unterkühlt kommen die Verschütteten zur Untersuchung ins Spital von Samedan bei St. Moritz, sind aber alle drei unverletzt und können schon am Abend wieder heimfahren. Dort wartet schon Wörmanns Sohn (11), nimmt den Papa in den Arm. Und Wörmann denkt bei sich: „Ja, das ist es.“

Die Dreharbeiten wurden abgebrochen. Doch Wörmann will weiter in die Berge gehen und Filme drehen, soviel steht fest. Welche Konsequenzen er aus dem Beinahe-Unglück ziehen soll, weiß er noch nicht. Es sei doch erstaunlich, dass sich so viele erfahrene Leute so verschätzen können. „Mein derzeitiges Gefühl lässt sich am ehesten als Zustand der Demut beschreiben“, sinniert Sepp Wörmann. „Und Dankbarkeit, unendliche Dankbarkeit. Unser Glück war, dass so kompetente Leute dabei waren, die mit Piepser und Schaufel umgehen konnten.“ Und Michael Pause. Sohn des legendären Bergbuchautors Walter Pause, atmet zu Hause in Weyarn (Kreis Miesbach) auf: „Alle sind gut zu Hause angekommen, das ist das wichtigste.“

Ingo Wilhelm und Dirk Walter

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