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Das umstrittene Luxushotel Intercontinental auf dem einstigen Hitler-Refugium Obersalzberg.

Luxushotel auf dem Obersalzberg macht Verluste

Berchtesgaden- Vier Jahre nach der Eröffnung steckt das Luxushotel auf dem Obersalzberg weiter in den roten Zahlen. Die Landesbank muss für die Verluste gerade stehen, der Hotelbetreiber Intercontinental ist davor durch einen Managementvertrag geschützt.

400 Whisky-Sorten, 4000 Rotweine, Kirschholz-Möbel, eine 179 Quadratmeter große Präsidenten-Suite – in dem Fünf-Sterne-Hotel wird an nichts gespart. Eleganz hat aber ihren Preis, vor allem wenn die Auslastung von Anfang an nicht so optimal ist. Seit Eröffnung des Hotels am 1. März 2005 hat der rund 50 Millionen teure Bau knapp 15 Millionen Euro Verluste erwirtschaftet, wie Matthias Priwitzer, der Sprecher der Bayerischen Landesbank, gestern bestätigte. Für die mit zehn Milliarden Euro in Schieflage geratene, derzeit praktisch staatliche Bank eigentlich „peanuts“. Doch das Zustandekommen des Deals ist aufschlussreich.

Etwas vollmundig hatte der damalige Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) bei der Eröffnung erklärt: „Der Steuerzahler hat mit diesem Gebäude absolut nichts zu tun.“ Doch das ist bestenfalls die halbe Wahrheit.

Das Hotel liegt auf geschichtssensiblen Gebiet – einst residierten hier Hitler, Bormann und andere NS-Größen. Weil Faltlhauser verhindern wollte, dass der Obersalzberg wie die Jahrzehnte davor von braun gefärbten Touristen besucht wird, hatte er ein Zwei-Säulen-Modell entwickelt – neben dem Bau eines Hotels umfasst es ein Geschichts-Dokumentationszentrum, das im Jahr rund 160 000 Besucher zählt.

Nachdem sich für das Hotel kein Investor fand und der Verkauf des geschichts-belasteten Grundstücks auch politisch schwierig gewesen wäre, sprang der Freistaat selber ein. Per Erbpacht stellte er für 99 Jahre das 100 Hektar große Grundstück der Gewerbegrund GmbH, einer 100-prozentigen Landesbank-Tochter, zur Verfügung.

Angeblich sollen Landesbank-Manager nicht begeistert gewesen zu sein, plötzlich zum Hotelbetreiber zu mutieren. Faltlhauser soll jedoch zusammen mit dem früheren Staatskanzlei-Amtsleiter und damaligen Landesbank-Vorstand Rudolf Hanisch das Modell durchgeboxt haben. Die Gewerbegrund baute das Haus und verpflichtete Intercontinental als Hotelbetreiber. Interconti betreibt seitdem gegen eine erfolgsabhängige Managementgebühr das Hotel. Für das Betriebsergebnis muss jedoch die Berchtesgaden Intercontinental Resort Betriebs GmbH, eine Gründung der Landesbank, gerade stehen, die auch sämtliche Angestellten – vom Koch bis zum Zimmermädchen – anstellt. „Das ist in der Hotelbranche ein absolut übliches Geschäftsmodell“, versichert Hotelmanager Claus Geißelmann. Bis Ende 2008 sind knapp 15 Millionen Euro Verlust angefallen, bedingt vor allem durch Investitionen wie einen Konferenzanbau, Abschreibungen und auch den Umstand, dass die Betriebs GmbH eine jährliche Pacht für das Grundstück an den Freistaat zahlen muss.

Geißelmann verweist darauf, dass sich die Auslastung von Jahr zu Jahr verbessert – 2008 lag sie bei knapp 54 Prozent. „Das operative Ergebnis hat sich fortlaufend verbessert und lag 2008 bei 700 000 Euro plus“, sagt Landesbank-Sprecher Priwitzer. Allerdings werde das Jahr 2009 wegen der internationalen Wirtschaftskrise „etwas schwierig“ (Geißelmann), da der Geschäftsreiseverkehr eingebrochen ist. Trotz der Verluste, die die krisengeschüttelte Landesbank zusätzlich belasten, ist an keine Änderung der rechtlichen Konstruktion gedacht. Der Pachtvertrag mit Interconti läuft sowieso langfristig – 25 Jahre mit Verlängerungsoption.

Interview mit Georg Fahrenschon

Die Landesbank haftet für das Minus am Obersalzberg – kann das sein? Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) will die Konstruktion des Hotels kritisch prüfen, wie er im Interview ankündigt.

-Das Geschäftsmodell beim Obersalzberg-Hotel klingt so, als würden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. Wie sehen Sie das?

So pauschale Aussagen sind schwierig. Als sich das US-Militär vom Obersalzberg zurückgezogen hat, entwickelte das bayerische Kabinett 1995 eine Zwei-Säulen-Strategie: Einerseits die Eröffnung eines NS-Dokumentationszentrums, andererseits der Bau des Fünf-Sterne-Hotels, das ja auch den kriselnden Tourismusstandort Berchtesgadener Land stärken soll. Da gibt es auch Erfolge. Ich werde mir aber zusammen mit dem Landesbank-Vorstandsvorsitzenden Michael Kemmer die Zeit nehmen, das Konzept zu prüfen. Es freut mich ja, dass das operative Ergebnis jetzt positiv ist, aber wir müssen sehen, wo es Verbesserungspotenzial gibt.

-Die Auslastung des Hotels liegt bei gut 50 Prozent, jetzt kommt die Finanzkrise dazu. Wie soll das weitergehen?

Das Hotel ist gut gestartet, und ich höre nach Rückmeldungen aus der Hotelbranche dieser Kategorie, dass die Krise nicht eins zu eins auf das Buchungsverhalten durchschlägt. Die Rahmenbedingungen sind aber natürlich nicht so gut.

-Sehen Sie Konstruktionsfehler Ihres Vorgängers?

Ich werde mich mit der Konstruktion kritisch auseinander setzen. Dr. Kemmer wird außerdem einen Bericht in der zuständigen Kommission des Landtags geben.

Dirk Walter

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