Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer
+
Die Bäuerinnen aus dem Kreis Weilheim-Schongau lassen keine Blumen mehr sprießen.

Milch-Protest: Blumenkästen bleiben leer

Wessobrunn - Ungewöhnliche Aktion gegen die sinkenden Milchpreise: Bäuerinnen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau verzichten heuer auf den Blumenschmuck an ihren Häusern. Unterdessen kündigte der BDM neue Proteste an.

Jahr für Jahr hat Maria Unsinn aus Forst ihr Haus rundum mit bunten Geranien geschmückt. Damit ist jetzt Schluss: Sie will ein sichtbares Zeichen für ihren Existenzkampf setzen und heuer am Blumenschmuck am Haus sparen. „Schweren Herzens“, bedauert sie, „die Blumen sind unser größtes Hobby, da steckt viel Lebensqualität drin“. Die 52-Jährige hat bereits neun Mitkämpferinnen aus dem Kreis Weilheim-Schongau gefunden, die sagen: „Dieses Jahr gibt es definitiv blumenlose Höfe, keine Petunien, keine Geranien.“

Aus Sicht des Tourismusverbands „Pfaffenwinkel“ würde der fehlende Blumenschmuck zwar noch nicht dazu führen, dass Urlaubsgäste fernbleiben. „Aber der typische Charakter der Bauerndörfer würde deutlich darunter leiden“, betont Geschäftsführerin Susanne Lengger. Der Pfaffenwinkel wäre um eine touristische Attraktion ärmer: „Ganz klar, unsere Idylle würde bröckeln.“ Direkt am Bauernhof von Familie Unsinn führt der legendäre Jakobsweg vorbei. „Da kommen eben nicht nur viele Pilger, sondern vor allem Wanderer, die mich manchmal um ein Glas Wasser bitten und sich an der Blumenpracht erfreuen wollen.“

Deshalb würde die Bäuerin ungern auf den Balkonschmuck verzichten. Aber zu verbittert ist sie derzeit über die aktuell niedrigen Milchpreise, zu frustiert über die Benachteiligung der Bauern von Seiten der Politik. „Wir müssen ein Zeichen setzen.“ Mit 26 Cent pro Liter hätten die Milchbauern derzeit eine Situation wie im Jahr 1942, „und ein Ende der Lage ist noch nicht in Sicht“. Sie hat die Hoffnung, dass sich noch mehr Bäuerinnen der Aktion anschließen. Wichtig sei, so Unsinn, ein sichtbares Symbol zu setzen. Es würde nichts nutzen, wenn sie bei Kleidung oder Schuhe sparen würde, denn: „Das würde doch überhaupt keinem auffallen.“

Um sich ihre sechs mit Geranien gefüllten Blumenkästen leisten zu können, müsste sie rund 736 Liter Milch vermarkten, rechnet Maria Unsinn vor. Weil Lebensmittelketten jetzt die Preise für die Milch drastisch senken (wir berichteten), sind sie und die anderen Bäuerinnen nicht die Einzigen, die sich wehren wollen. Laut dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) steht eine neue Protestwelle bevor. „Es sind in den nächsten 14 Tagen Aktionen geplant, kündigt BDM-Chef Romuald Schaber in einer Mitteilung an, ließ aber offen, ob sie genauso drastisch wie der Milchstreik 2008 ausfallen werden. Ein Sprecher des Deutschen Bauernverbands bemängelt die Politik der großen Koalition: „Wir sehen, dass man da oben gar nicht groß entscheidet.“ Damit spricht er Maria Unsinn aus der Seele.

Von Simone Singer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer
In Augsburg durchsucht die Polizei seit Donnerstagmorgen 13 Wohnungen. Grund dafür ist der Terrorverdacht gegen drei Männer.
Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer
Debatte um 8. November: Bekommt Bayern einen zusätzlichen Feiertag?
Die SPD fordert, den 8. November 2018 zum Feiertag zu erklären. Das Datum ist für den Freistaat Bayern wirklich ganz besonders. 
Debatte um 8. November: Bekommt Bayern einen zusätzlichen Feiertag?
Prozess um Promi-Arzt Gsell: Fall bald endgültig zu den Akten gelegt?
Nürnberg - Der Antrag von Gsells Witwe Tatjana, das Verfahren erneut aufzurollen, wurde abgelehnt. Der Fall könnte innerhalb einer Woche endgültig zu den Akten gelegt …
Prozess um Promi-Arzt Gsell: Fall bald endgültig zu den Akten gelegt?
Das sind die beliebtesten Studiengänge in Bayern
Im Wintersemester 2017/2018 sind weitaus mehr Studenten in bayerischen Hochschulen eingeschrieben als im letzten Jahr. Ein Fach scheint dabei ganz besonders beliebt zu …
Das sind die beliebtesten Studiengänge in Bayern

Kommentare